Gastbeitrag Worin sich Männer und Frauen im Bewerbungsgespräch unterscheiden

Das Bewerbungsgespräch kann die alles entscheidende Situation sein: Für Frauen gilt das um so mehr. Foto: IMAGO / Shotshop
Das Bewerbungsgespräch kann die alles entscheidende Situation sein: Für Frauen gilt das um so mehr. Foto: IMAGO / Shotshop
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Im Bewerbungsgespräch sind alle gleich? Von wegen – zwischen Männern und Frauen gibt es erhebliche Unterschiede. Und vor allem für Frauen ist es wichtig, diese zu kennen
Claudia E. Gschwind
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© Claudia E. Gschwind

Mit dem jüngst verabschiedeten Zweiten Führungspositionengesetz müssen börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen künftig mindestens eine Frau in den Vorstand berufen, wenn ihr Vorstand aus mehr als drei Personen besteht. Nun ist es an den Frauen, zu zeigen, was sie können. Female Stars sind gefragt. Doch eine gute Performance zählt nicht erst in der Vorstandsetage, sondern bereits beim Bewerbungsgespräch. Dafür gilt es, Stolperfallen zu kennen – und zu verstehen, was Männer und Frauen beim entscheidenden Auftritt unterscheidet.

Nebensätze zählen im Bewerbungsgespräch

Oft sind es verräterische Nebensätze von Bewerberinnen und Bewerbern, die dazu beitragen, dass ihr Gegenüber einen bestimmten Eindruck gewinnt und mutmaßt, wie es künftig mit der Kandidatin oder dem Kandidaten in der Zusammenarbeit laufen könnte. Frauen versuchen im Gespräch stärker als männliche Mitbewerber, Erwartungshaltungen abzuklopfen.

Das führt zu Äußerungen wie „Ich weiß nicht, ob es adäquat ist, das jetzt zu sagen…“. Damit katapultieren sie sich ungeahnt ins Abseits, denn für Personalberatende signalisiert dieser Satz vor allem eines: Unsicherheit. Und einen unsicheren Menschen will niemand in einer Führungsposition. Männer gehen hier selbstbewusster vor und stellen sich selbst weniger in Frage. Grundsätzlich gilt im Gespräch: Ebenso klare Diktion verwenden wie klare Aussagen treffen und damit das eigene Profil schärfen. Machen Sie keinen Bückling durch den Sprachgestus!

Im Bewerbungsgespräch zählt Körpersprache

Die Körpersprache, Kleidung und Stimme wird von Personalberatenden sehr differenziert wahrgenommen, sie prägen das Bild des Kandidaten oder der Kandidatin. Der erste Eindruck beginnt beim sicheren Gang, wenn er oder sie den Raum betritt. Es sind Kleinigkeiten, die vom Beurteilenden instinktiv wahrgenommen werden. So neigen Frauen dazu, zu hoch und zart zu sprechen, insbesondere, wenn sie unsicher sind. Hier hilft ein Stimmtraining im Vorfeld, um die eigene Stimme in der Tonlage entsprechend zu modulieren.

Wer im Gespräch dann häufig die Hände in den Schoß legt und mit dem Oberkörper in eine leichte Rückwärtsbewegung geht, zeigt unbewusst: Ich ecke nicht gerne an. Diese Körpersprache ist bei Frauen häufiger zu beobachten. Doch für die angestrebte Führungsposition ist es wichtig, bereit zu sein, mit unbequemen Entscheidungen auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Grundsätzlich gilt im Gespräch: Je höher die Position, desto dezenter sollten Kleidung, Make-up und Schmuck ausfallen.

Respektvolle Nonchalance statt verkrampftes Strebertum

Wer im Bewerbungsgespräch punkten will, muss mit natürlichem Selbstbewusstsein ohne Arroganz überzeugen. Ein offener Blick und gelassene Aufmerksamkeit tragen dazu bei, den Eindruck von Selbstsicherheit beim Gegenüber zu erwecken. Tonfall und Gestus vermitteln im Idealfall die Selbstgewissheit eines Gewinners oder einer Gewinnerin, der oder die bereits dort ist, wo er oder sie hinwill.

Solche Selbstsicherheit lässt sich unter anderem aus Erfolgen schöpfen: Wer sich seiner Erfolge bewusst ist, tritt selbstbewusster auf. Männer treten getreu dem Motto „Mein Haus, mein Auto, mein Garten“ im Gespräch meist sehr offensiv auf, was ihre Erfolge angeht. Sie verkaufen einen Teamerfolg auch schon mal als ihren alleinigen Verdienst. Wo sie zu dick auftragen, herrscht bei Frauen oft falsche Bescheidenheit. Während ein Mann eher sagt: „Aufgrund meiner strategischen Entscheidung konnten wir hier einen satten Gewinn einfahren“, neigt eine Frau zur Relativierung des eigenen Erfolgs.

Sie sagt: „Wir haben Glück gehabt, der Markt hat uns in die Hände gespielt.“ Weibliche Bewerber halten ihr Licht zu häufig unter dem Scheffel, weisen dafür schneller auf Teamerfolge hin und lassen es manchmal im Bestreben, nichts falsch zu machen, an Souveränität vermissen. Das wirkt im Zweifel verkrampft und verbissen, aber eben nicht versiert. Grundsätzlich gilt im Gespräch: Treten Sie ungezwungen, aber respektvoll auf und signalisieren Sie mit Ihrer gesamten Haltung, dass Sie der oder die Richtige für den Platz an der Spitze sind.

Schlüsselleistungen und konkreten Ziele

Auch wenn der Gesetzgeber den Frauen den Weg an die Spitze ebnet, liegt es an den Frauen, zu punkten. Frauen müssen den nächsten Karriereschritt wirklich wollen und für ihr berufliches Vorankommen eine klare Linie verfolgen. Das setzt Klarheit bezüglich eigener Werte, Stärken, verbuchter Erfolge und angestrebter Ziele voraus – und kann auch bedeuten, schwierige Entscheidungen zu treffen, die im privaten Umfeld nicht auf Begeisterung stoßen. Ebensolche Klarheit gilt es dann im Bewerbungsgespräch bezüglich der eigenen Gehaltsvorstellungen, des neuen Arbeitsumfelds und der Ziele auf der neuen Position zu zeigen.

Männer sagen geradeheraus, wie viel sie verdienen wollen. Sie sagen, warum sie gut sind, was sie im neuen Unternehmen bewegen wollen und was sie auf ihrer jetzigen Position getan haben, um den Umsatz zu verdoppeln. Bei Frauen herrschen hier noch oft Zurückhaltung und ausweichende Antworten vor. Grundsätzlich gilt im Gespräch: Sie sollten Ihre key achievements kennen und nach außen klar benennen können. Bringen Sie klar zum Ausdruck, über welche Stärken Sie verfügen und welchen Mehrwert Sie für das Unternehmen generieren können.

Im Bewerbungsgespräch muss man überzeugen

Gleich und gleich gesellt sich gern. Bei der Auswahl des Personals für Leitungsfunktionen greifen die männlichen Entscheider bevorzugt auf Kandidaten zurück, die ihnen in Geschlecht und Alter ähneln. Das ist das sogenannte Thomasprinzip. Mit anderen Worten: Frauen haben hier aufgrund ihres Geschlechts rein statistisch schlechtere Karten. Doch wenn es ihnen gelingt, zu vermitteln, dass sie vom selben Schlag sind, dann erhöhen sie ihre Chancen, das Rennen um den Spitzenplatz zu gewinnen. Bewerberinnen für einen Platz in der Chefriege sollten mit dem vorherrschenden Dress- und Verhaltenscode bestens vertraut sein. Dazu zählen angemessene, eher dezente Kleidung, beiläufige Kultiviertheit und selbstsichere Körpersprache.

Aber es geht hier um mehr: Topführungskräfte erkennen einander am „Stallgeruch“. Entscheiden fassen durch gemeinsame Standeszeichen Vertrauen in die Kompetenz des Gegenübers. Dazu gehören die nötigen Coolness und Höflichkeit, der Ausdauer und Disziplin, der Exzellenz und Belastbarkeit. Frauen mit entsprechenden Vorbildern in ihrer Familie bewegen sich dabei oft souveräner als ambitionierte Aufsteigerinnen, die ihre Unsicherheit schon dadurch verraten, dass sie diese geflissentlich zu verbergen suchen. Grundsätzlich gilt im Gespräch: Sie müssen durch Ihren gesamten Habitus signalisieren, dass Sie ein natürlicher Teil der Unternehmensführung sind und alles im Griff haben. Und dass sie als Frau genauso zielstrebig sind wie männliche Mitbewerber.

Claudia E. Gschwindist Gründerin und Geschäftsführende Gesellschafterin der HealthCorp Partners GmbH sowie Vorsitzende des Verwaltungsrats der HealthCorp Partners AG in der Schweiz. Sie engagiert sich in unterschiedlichen Expertennetzwerken rund um Fragen der Führung und des Personalmanagements in der Gesundheitsindustrie. Unter anderem auch bei Healthcare Frauen e.V. als Beirätin für Gesundheitspolitik und -förderung.


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