Frank Arnold Wie nutzt man Erfolge? Das Geheimnis der Extra-Ersten-Seite

Symbolbild Management
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Viele Unternehmen sind nicht gut im Nutzen ihrer eigenen Erfolge. Dabei gilt: Die besten Chancen auf Erfolg hat, wer seine eigenen Erfolge nutzt und dann auf diesen weiter aufbaut

Nicht viele Organisationen sind wirklich gut darin, ihre Erfolge zu nutzen. Die meisten sind da sogar ziemlich schlecht. Und zwar, weil sie glauben, dass sie den Erfolg verdient haben und das Ziel jetzt erreicht sei. Falsch! An dieser Stelle von Erfolg beginnt die Arbeit überhaupt erst. 

Frank Arnold schreibt über die Frage: Was ist gute Führung?
Frank Arnold schreibt über die Frage: Was ist gute Führung?
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Von Dietrich Mateschitz, Gründer von Red Bull und ein wahrer Meister im Nutzen von Erfolgen, können wir viel lernen. „Was willst du mit dem pappigen Zeug?“, fragte man ihn, als er mit seiner Marke Red Bull begann. Noch dazu sollte das nach Gummibärchen schmeckende Produkt ein Vielfaches von Coca-Cola oder Pepsi kosten. Wer braucht das? Was soll das? Wo ist der Markt dafür? 

In der Tat, den Markt gab es nicht. Und dieser Tatsache war sich Dietrich Mateschitz auch voll bewusst: „Als wir anfingen, sagten wir: ´Es gibt keinen existierenden Markt für Red Bull. Aber Red Bull wird ihn schaffen.´“

Eines der Erfolgsrezepte ist, dass Mateschitz stets sehr früh und massiv in den Aufbau der Marke investiert hat. Statt aber für Millionengagen teure Superstars zu verpflichten, wie es Pepsi-Co und Coca-Cola um das Jahr 2000 herum taten, ging Mateschitz vor allem auf die Suche nach aufkommenden neuen Stars in eher unkonventionellen Disziplinen. So ist heute im Extremsport-Segment keine Marke so präsent wie Red Bull. Egal, ob die Flugshows der Flying Bulls, Kitesurfen in Hawaii, 

Downhill-Mountainbiking oder Klippenspringen – jedes Jahr werden hunderte Veranstaltungen durchgeführt. Jetzt muss man diese Art des Marketing nicht mögen, aber Red Bull ist die erste echte globale Marke Österreichs geworden, noch vor Mozartkugeln, Lipizzanern und Wiener Symphonikern.

Die Tendenz sich auf Probleme zu konzentrieren

Schauen wir auf das Nutzen von Erfolgen. In jeder Organisation gibt es die Tendenz, sich auf Probleme zu konzentrieren. Wie ein Gewicht, das von der Schwerkraft angezogen wird, fällt der Blick der guten Führungskräfte immer auf die Probleme. Plakativ gesprochen sind Organisationen problemfokussiert statt chancenorientiert. Die besten Chancen auf Erfolg hast du, wenn du deine eigenen Erfolge nutzt und dann auf diesen Erfolgen weiter aufbaust.

Erfolge zu nutzen heißt im Umkehrschluss aber nicht, Probleme einfach zu ignorieren. Um ein ernsthaftes Problem muss man sich selbstverständlich kümmern. Aber Unternehmen, die Veränderungen erfolgreich meistern, konzentrieren sich auf ihre Erfolge: Nähre deine Erfolge! Darin liegen die Chancen.

Das Geheimnis der Extra-Ersten-Seite

Wie erkennst du nun aber die Erfolge, insbesondere die unerwarteten? Gerade in den unerwarteten Erfolgen liegt eine große Kraft für die Entwicklung eines Unternehmens oder eines Bereichs.

Was du benötigst, ist eine zusätzliche erste Seite im Monatsbericht. Auf dieser Seite sind alle Resultate der Organisation aufgeführt, bei denen die Erwartungen übertroffen wurden: Umsatz, Absatzvolumen, Gewinn, Produktivität, Innovationsleistungen oder Bewerbungen geeigneter Leute. 

Wo sind die positiven Ausreißer? 

Zusätzlich sollten auf dieser Seite jeden Monat die erkannten Chancen aufgelistet werden. Wichtig: Diese Seite sollte vor (!) der Seite kommen, welche die Probleme auflistet.

Für diese Seite der Chancen solltest du so viel Zeit verwenden, wie du vorher für die Seite der Probleme verwendet hast. Wenn die Umsetzung der erkannten Chancen erfolgreich sein soll, machst du jetzt deine kompetentesten und leistungsstärksten Leute für die Umsetzung der grössten Chancen verantwortlich. Unternehmer oder Führungskräfte, die dieses Vorgehen zur monatlichen Routine machen und die von jedem im Team verlangen, dass der Blick auf Chancen gerichtet wird, wandeln das Unternehmen von einem problemfokussierten zu einem chancenorientierten Unternehmen. Ganz nebenbei schaffst du dann auch etwas, was man mit Freude und Genuss an der Leistung umschreiben könnte. Du schaffst ein ganz anderes Klima; denn wer freut sich nicht, Erfolge weiterauszubauen. 

Denkanstoß für heute: 

  • Erstelle eine „Extra-Erste-Seite“ für den Monatsbericht, eine Liste mit den Chancen für das Unternehmen oder dein Team. 
  • Führe darin alle Bereiche auf, in denen die Erwartungen bezüglich Umsatz, Absatzvolumen, Gewinn, Produktivität, Innovationsleistungen oder Bewerbungen geeigneter Leute übertroffen wurden.
  • Welches sind deine besten Leute, die für die Umsetzung der größten Chancen jetzt die Verantwortung übernehmen sollten?
  • Was müsste in deinem Unternehmen getan werden und was kannst du persönlich dazu beitragen, dass dein Unternehmen in Zukunft mehr chancenorientiert als problemfokussiert ist?

Dr. Frank Arnold ist Bestsellerautor sowie Berater für Unternehmens- und Führungskräfteentwicklung. Arnold beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Frage: Was ist gute Führung? Seine gleichnamige Kolumne erscheint wöchentlich an dieser Stelle und kann auch als Newsletter abonniert werden. Von Frank Arnold erschien bei Capital bereits die Artikelserie „Mein bester Rat“.

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