Höhle der LöwenWie ein Wunderstift das Leben eines Piloten änderte

Dinko Jurcevic
Dinko JurcevicJulia Sellmann

Kurz bevor die Cessna auf dem Flugplatz in St. Augustin aufsetzt, erwischt der Pilot fast einen Vogel. „Gesehen? Fehlten nur zehn Zentimeter!“, ruft Dinko Jurcevic fröhlich. „Taube, Rabe, was in der Größe.“ Keine Spur von Erschrecken, er hat das schon mal erlebt und als problemlos abgespeichert. Einst geriet ihm ein Federvieh in die Turbine: „Wir haben keine Spur mehr davon gefunden. Es roch bloß nach Grillhähnchen.“

Man darf sich den Unternehmer und Piloten Jurcevic als einen unbekümmerten Mann vorstellen, der die Höhen und Tiefen des Lebens mit einem Schulterzucken nimmt. Damit ist schon viel gesagt über seine Art des Geschäftemachens. Was nicht heißt, dass der 42-Jährige ohne Emotion oder Ehrgeiz daranginge. Er verfolgt ein hochgestecktes Ziel: „Schon mit zehn oder elf habe ich gesagt, ich werde mal Millionär. Nicht wegen der Kohle, sondern wegen der Freiheit. Wenn du kein Geld hast, bist du nicht frei. Ich liebe die Freiheit!“

Der Beitrag ist im Magazin zur TV-Show erschienen
Der Beitrag ist im Magazin zur TV-Show erschienen

Diesem Ziel ist er ein großes Stück nähergekommen, seit er Ende 2015 in der „Höhle der Löwen“ sein Produkt pitchte: einen Reparaturstift, dessen Spezialklebstoff mit LED-Licht ausgehärtet wird. Heute brummt das Geschäft. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg.

Vor Jahren hat Jurcevic eine Weile als Pilot gearbeitet und damit das Startkapital für das Unternehmen verdient, mit dem alles begann. Nicht nur deshalb lässt sich seine Karriere als Flugreise erzählen – sondern auch, weil die Logik des Fliegens sein Leben geprägt hat.

Auf dem Boden muss der Reisende festgelegten Richtungen folgen: Hier ist eine Straße, und nur die fährst du hinab. In der Luft ist alles möglich: Geht es nach links, rechts, oben, unten? Gilt es notzulanden, einem Gewitter auszuweichen, durchzustarten? Fliegen setzt Initiative voraus – und den Mut, in kritischen Lagen eigene Entscheidungen zu treffen.

Erste Bruchlandung

St. Augustin, ein strahlender Junimorgen. Jurcevic klettert in das Cockpit der viersitzigen Cessna, die er sich für eine Runde über dem Rhein ausgeliehen hat. Frisch rasiert, gebügeltes Polohemd, Pilotenbrille. Er checkt die Instrumente, dann holpert das Leichtflugzeug die Startbahn hinab, beschleunigt auf 60 Knoten. Jurcevic ruft: „Los geht’s!“, und hebt ab.

In Hagen geboren, macht der Sohn kroatischer Einwanderer nach der Schule eine Lehre zum Zahntechniker – „Ich hatte gehört, dass die gut verdienen.“ Das eigene Labor, das er nach der Ausbildung eröffnet, finanziert ihm seinen Traum, die Fliegerei. Ab 2002 macht er den Pilotenschein, das Unternehmen gerät zunehmend ins Hintertreffen. 2004 ist Schluss. „Pilotenschein war fertig. Das Dentallabor hatte seinen Zweck erfüllt, ich hatte keine Lust mehr. Das merken die Kunden.“ Er schlittert in die Insolvenz. „Meine erste Bruchlandung.“