Beste AusbilderWempe: ein neues Puzzle

Ausbildungsleiterin Gläser (r.) mit Lehrling Engelke beim Uhrmacher Wempe
Ausbildungsleiterin Gläser (r.) mit Lehrling EngelkeSven Döring/PR

„Feilen, sägen, drehen, das ist das Programm der ersten Monate“, sagt Elisabeth Gläser, Ausbildungsleiterin bei Wempe in Glashütte, über den Beginn der Uhrmacher-Ausbildung. „Wer den richtigen Dreh raushat, baut dann als Erstes einen Unruhgalgen“ – das Werkzeug, das Uhrmacher seit Jahrhunderten bei Reparaturen einsetzen.

Danach erst, sagt Gläser, dürfen die Azubis die erste Uhr auseinandernehmen: eine „Großuhr“ zunächst, etwa eine Standuhr oder ein Schiffschronometer. Nach und nach arbeiten sich die Lehrlinge zu immer kleineren Zeitmessern vor, bis am Ende die winzigen Teile einer Armbanduhr vor ihnen liegen.

Wer Uhrmacher werden will, der brauche „Interesse an Technik und Feinmechanik, aber auch Freude an der Arbeit mit kleinen Teilen“, sagt Gläser. Miriam Engelke ist nun in ihrem dritten Lehrjahr und bringt diese Eigenschaften zweifelsohne mit. Dabei hatte sie den Beruf erst gar nicht auf dem Radar. Nach dem Abi studierte sie Chemie, weil sie Naturwissenschaften interessieren. Doch ihr fehlte das praktische Arbeiten, die 22-Jährige wollte etwas mit ihren Händen machen.

Ihr Vater, der als Arzt auch ein „Handarbeiter“ sei, erzählt Engelke, brachte sie auf die Idee. Nach einem Praktikum schmiss sie das Studium und startete die Ausbildung zur Uhrmacherin. Dort ist sie nun Feuer und Flamme: „Jede Uhr ist wie ein neues Puzzle.“

Deutschlandweit gab es zuletzt 258 Uhrmacher in der Ausbildung, die generell drei Jahre dauert. Mit fünf bis sechs Azubis pro Jahr gehört Wempe (560 Mio. Euro Umsatz, 855 Beschäftigte) zu den größten Ausbildern – und hat in der Capital-Studie gerade bei der Betreuung der Azubis und ihren Erfolgschancen gepunktet. Für sie öffnen sich bei Wempe drei Wege nach der Ausbildung: ­arbeiten in der Fertigung, den Werkstätten oder in einem der 34 Geschäfte in Deutschland.

Engelke will auf alle Fälle ihren Meister machen. Als Nächstes auf dem Ausbildungsplan: ein Uhrwerk aus der Nachbarschaft in Glashütte, von Nomos.


Capital hat Deutschlands beste Ausbilder gekürt: Zum vierten Mal wurden in einer umfangreichen Studie 510 deutsche Unternehmen ausgezeichnet – erschienen in Capital-Heft 11/2020. Hier geht es zum Kiosk-Shop. Die kompletten Ergebnisse der Studie finden Sie hier.