Karrierenetzwerke Wann sich Premiummitgliedschaften bei Linkedin oder Xing lohnen

Linkedin hat global mehr als eine Dreiviertelmilliarde Nutzer
Linkedin hat global mehr als eine Dreiviertelmilliarde Nutzer
© IMAGO / photothek
Karrierenetzwerke wie Linkedin oder Xing bieten gegen Bezahlung zusätzliche Funktionen an. Für wen hat das welchen Nutzen? Und unter welchen Bedingungen? Eine aktuelle Studie gibt Antworten

Kontakte und Beziehungen sind unerlässlich, um die eigene Karriere voranzutreiben. Immer mehr Menschen nutzen Online-Karrierenetzwerke wie Xing und Linkedin, um ihre Kontakte auszubauen und zu pflegen. Im Jahr 2021 hatte Xing knapp 20 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Linkedin lag mit 17 Millionen Nutzer im deutschsprachigen Raum etwas dahinter. 

Bei diesen Karrierenetzwerken kann jeder kostenfrei ein Profil anlegen, aber auch unterschiedlich hoch bepreiste Premiummitgliedschaften werden angeboten. Wer bereit ist, Geld dafür auszugeben, erhält Zugriff auf zusätzliche Funktionen, die etwa beim Recruiting neuer Mitarbeiter oder bei der Leadgenerierung helfen – oder einfach zum Ausbau des eigenen Netzwerks dienen. Das soll bei Premiummitgliedschaften über eine gesteigerte Sichtbarkeit funktionieren und über die Möglichkeit, Mitglieder direkt anschreiben zu können, mit denen man noch nicht vernetzt ist. 

In einer aktuellen Studie von Wissenschaftlern der Business School WHU, der Goethe-Uni Frankfurt sowie der HEC Paris wurde nun untersucht, ob die Premiummitgliedschaften tatsächlich dabei helfen, zusätzliche Kontakte zu generieren. 

„Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass ein großes Linkedin-Netzwerk mit einem höheren Einkommen, mehr Stellenangeboten und größeren Finanzierungssummen einhergeht“, sagt Mitautor Christian Schlereth, Professor für digitales Marketing an der WHU. Das klingt erstrebenswert. Helfen also Premiummitgliedschaften, um zu einem größeren Netzwerk zu gelangen?

Zur Beantwortung der Frage führten die Forscher ein Experiment durch. Sie verlosten unter 215 Freelancern, die besonders stark auf Karrierenetzwerke angewiesen waren, mehr als 70 Premiummitgliedschaften für jeweils ein Jahr. Dann verglichen sie, wie viele zusätzliche Kontakte die Gewinner eines Premiumaccounts im Vergleich zu den anderen Freelancern, die leer ausgegangen waren, generieren konnten. 

Für wen lohnt sich die Premiummitgliedschaft? 

Mit der Versuchsanordnung wollten die Forscher eine bessere Vergleichbarkeit herstellen: Denn wenn man einfach nur die Entwicklung der Netzwerke von Premiummitgliedern mit derjenigen von Basismitgliedern vergleicht, kann es sein, dass man dabei nur eine Korrelation misst – weil diejenigen Nutzer, die eine Premiummitgliedschaft gewählt haben, auch vorher schon besonders stark am Netzwerken interessiert waren.

Das Ergebnis der Studie: Ja, Premium lohnt sich – unter einer Bedingung. Und zwar steigerten nur diejenigen Nutzer ihre Kontakte überproportional, die sich aktiv in dem Karrierenetzwerk einbrachten. Die Premiummitgliedschaft wirkte hier wie ein Verstärker. Bei besonders aktiven Mitgliedern trug sie dazu bei, dass die Anzahl ihrer Kontakte stärker anwuchs. Bei passiven Nutzern hingegen, die lediglich darauf hofften, prominenter hervorgehoben zu werden und so ihr Netzwerk erweitern zu können, waren nur wenige zusätzliche Kontakte zu beobachten. 

Vor allem die Funktion, andere Mitglieder direkt anzuschreiben, mit denen man noch nicht vernetzt ist, hilft laut der Forscher dabei, das eigene Netzwerk auszubauen. Ihre Schlussfolgerung: Eine Premiummitgliedschaft zahlt sich umso mehr aus, je aktiver ein Nutzer ist. Die Wissenschaftler empfehlen: Wer sein Netzwerk erweitern möchte, sollte aktiv werden und zielgenau Mitglieder anschreiben. 


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