Remote WorkVorsicht beim Datenschutz im Homeoffice

Auch der Datenschutz spielt im Homeoffice eine nicht ganz unwichtige Rolle
Auch der Datenschutz spielt im Homeoffice eine nicht ganz unwichtige RollePixabay

In der Coronakrise wird das Homeoffice für Millionen von Menschen zur neuen Jobrealität. Digitale Dienste ermöglichen zumindest aus technischer Sicht einen vergleichsweise reibungslosen Übergang zu Remote Work.

Chat-Dienste wie Slack ersetzen Gespräche unter Kollegen, Dateien kommen statt ins Intranet in die Cloud, Videokonferenzen sorgen für einen Hauch an Normalität. Der Datenschutz war in der ersten Aufregung nicht unbedingt ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Anbieters. Das sollte sich jetzt ändern. Denn womöglich teilen Firmen und ihre Beschäftigten gerade mehr, als ihnen lieb ist.

Datenschützer kritisieren Zoom

Remote-Work-Dienste erleben in Zeiten sozialer Distanz einen Boom. Die App von Zoom, einem US-Anbieter von Videokonferenzen, verzeichnete an einem Tag im Apples App Store fast 600.000 Downloads, wie die „New York Times“ berichtete. Die Anwendung wird derzeit von vielen Menschen auch privat genutzt, um mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben. Denn Zoom ist gratis, eingeladene Teilnehmer müssen sich nicht registrieren.

Die große Aufmerksamkeit für Zoom in der Coronakrise rief allerdings Verbraucherschützer auf den Plan. Sie kritisieren, dass der Anbieter viele personenbezogene Daten seiner Nutzer abgreift und an Dritte weitergibt, unter anderem an Facebook. „Aus Datenschutzsicht ist dieses Tool durchaus kritisch zu sehen“, sagte der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar dem „Handelsblatt“. Er monierte zudem, dass Zoom eine „Aufmerksamkeitsüberwachung“ biete. Vorgesetzte könnten sich damit benachrichtigen lassen, wenn ein Teilnehmer den Fokus des Chat-Fensters für eine bestimmte Zeit verlasse. Dies setze die Teilnehmer unter enormen Druck.

Sicherheit bei Zoom

Zoom-Chats können zudem von Hackern infiltriert werden. So häufen sich Geschichten über sogenanntes Zoom-Bombing. Einen derartigen Übergriff gab es zum Beispiel während einer virtuellen Unterrichtsstunde an einer Schule in Los Angeles, wie „Tagesschau.de“ berichtete. „Hackern gelang es, sich in die Videokonferenz einzuklinken, sie zeigten auf dem Bildschirm Nazi-Symbole oder pornografische Inhalte.“

Das alles hat womöglich juristische Konsequenzen. Das Büro der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James warf Zoom in einem Brief an das Unternehmen vor, in der Vergangenheit nur langsam auf Sicherheitslücken reagiert zu haben. Das berichtete die „New York Times“. Zoom wurde demnach aufgefordert, mitzuteilen, ob und wie mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen auf die gestiegene Nachfrage reagiert wurde.

Firmen, Administratoren und Selbstständige sollten spätestens jetzt prüfen, wie es bei den von ihnen genutzten digitalen Diensten mit dem Datenschutz aussieht. Bei Gratis-Anbietern kann der Verdacht naheliegen, dass Nutzer in irgendeiner Weise schon für den Service bezahlen werden.

Der Blick ins Impressum gibt einen ersten Hinweis, wie der Dienst den Datenschutz womöglich handhabt. „Befindet sich der Cloud-Anbieter innerhalb der EU und hat ein Cloud-Kunde seinen Wohnsitz in Deutschland, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass deutsches Datenschutzrecht Anwendung findet“, informiert etwa „eRecht 24“.