Ferien-FlatrateUrlaub ohne Ende? Schweizer würden nur 30,5 Tage nehmen

Symbolbild: Mensch sonnt sich in einer Hängematte am Meer
Symbolbild: Mann sonnt sich beim Urlaub am MeerUnsplash

Der Streamingdienst Netflix gehörte vor rund 15 Jahren zu den ersten Unternehmen, die ihren Mitarbeitern theoretisch endlosen Urlaub einräumte. Mittlerweile springen immer mehr deutsche Firmen auf den Trendzug aus den USA auf. Sie locken in Stellenanzeigen damit, dass Angestellte die Zahl der Urlaubstage frei wählen dürfen. Aber will man das überhaupt? Zumindest in der Schweiz scheint die große Ferien-Freiheit eher in geordneten Bahnen zu verlaufen.

Bescheidene Ferien-Flatrate

Das Online-Netzwerk Xing Schweiz wollte wissen, wie Berufstätige in der Deutschschweiz zur Ferien-Flatrate stehen und gab eine Umfrage in Auftrag. Ein Ergebnis: Arbeitnehmer würden bei freier Wahl im Durchschnitt 30,5 Urlaubstage im Jahr nehmen. Ein ziemlich bescheidenes Ergebnis, denn es liegt nur fünf Tage über der durchschnittlichen Ferienzeit in der Schweiz, wie Xing mitteilte. Allerdings hatte das Netzwerk um eine realistische Einschätzung gebeten. Die Befragten sollten bei ihrer Antwort berücksichtigen, dass keine Arbeit liegen bleibt und Kollegen nicht über Gebühr belastet werden.

Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Arbeitnehmer den unbeschränkten Urlaub nicht missbrauchen würden. Das deckt sich mit Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten. Mehr noch: Manche US-Unternehmen haben die Flatrate zum Schutz der Angestellten sogar abgeschafft. Denn viele Mitarbeiter nutzten die neue Freiheit lieber zur Selbstausbeutung und nahmen weniger Urlaub als früher. Das dürfte auch daran liegen, dass vor allem kleine, familiäre Start-ups dieses New-Work-Modell ausprobieren. In diesen Firmen sind Mitarbeiter besonders engagiert oder fühlen sich im Gegensatz zu riesigen Konzernen eher unter Beobachtung, wenn sie sehr viel Urlaub nehmen.

Berufsanfänger würden Urlaub gern bestimmen

Bei der grundsätzlichen Frage, ob die Ferien-Flatrate eine gute Idee ist, zeigten sich die Befragten gespalten. 56 Prozent befürworteten das Experiment. 44 Prozent glaubten hingegen nicht, dass die freie Zuteilung von Urlaub funktionieren kann. Vor allem Berufsanfänger waren der Idee gegenüber aufgeschlossen. 66 Prozent der 18- bis 24-Jährigen befürworteten das Ferienmodell. Bei den Befragten, die kurz vor der Rente stehen (60 bis 65 Jahre), teilten nur 49 Prozent diesen Enthusiasmus.

Für die Erhebung wurden laut Xing 1036 Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren online vom Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Marketagent.com befragt. Die Ergebnisse seien repräsentiv für die Deutschschweiz.