InterviewSoho House-Gründer:„Unsere Kunden treiben unser Wachstum“

Nick Jones
Nick JonesSoho House


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


Wie sind Sie auf die Idee für das Soho House gekommen und warum haben Sie geglaubt, dass es funktionieren würde?

Ich wollte immer einen Job haben, in dem ich Menschen dazu bringen kann, eine gute Zeit zu verbringen. Essen und Trinken ist eine Leidenschaft von mir und das erste „House“ ist ganz einfach entstanden: Mir gehörte bereits das Cafe Bohème, das seit 1992 dort ist, und der Vermieter rief mich an und bot mir den Platz darüber an. Ich habe es mir angeschaut und dachte, ein Restaurant lässt sich nicht daraus machen, allein schon weil die Tür zu klein war. Aber ein privater Club für Mitglieder das ginge. So hat das mit dem Soho House angefangen.

Wie finden Sie heraus, was Ihre Kunden verlangen, wo man sie findet und wie man sie ansprechen kann?

Unsere Kunden sind sehr klug. Wir sprechen mit unseren Mitgliedern, versuchen zu verstehen, was ihre Bedürfnisse sind. Und wir gucken uns an, wie sie die Häuser nutzen und darauf reagieren. Sie sind diejenigen, die das Wachstum unseres Geschäfts treiben.

Gibt es ein Team im Soho House, das über die Zukunft nachdenkt und -forscht? Wer entscheidet über neue Marktchancen, neue Produkte, neue Geschäftsfelder?

Das Geschäft wächst mit der Nachfrage. Als Teil unserer Recherche haben wir Schlüsselstädte identifiziert, von denen wir glauben, dass es dort eine Community gibt, die ein Soho House haben möchte. Wir haben eine neue Art von Mitgliedschaft geschaffen für Städte ohne Soho House. Das Angebot richtet sich an Menschen, die dort leben und arbeiten, und die gleichzeitig viel reisen und Zugang zu unseren Häusern auf der ganzen Welt haben möchten.

Nach welche Kriterien entscheiden Sie?

Gebäude, Nachbarschaft, Community.

Wie flexibel reagieren Sie auf Veränderungen in Ihrer Umgebung?

Die Häuser ändern sich ständig, weil sie für ihre Mitglieder geschaffen wurden. Jedes House ist für die Stadt und das Viertel entworfen, in dem es sich befindet. Es ist uns sehr wichtig, dass wir uns in die jeweilige Kultur integrieren und der Designansatz zur entsprechenden Umgebung passt. Mitgliedschaft, Veranstaltungen, Essen und Trinken – alles ist lokal und auf die dortige Community zugeschnitten.

Wie nutzen Sie Technologien um das Soho House zu gestalten – wo fängt es an, wo hört es auf?

Wir arbeiten intensiv daran ein innovatives, digitales Erlebnis für alle Mitglieder zu entwickeln. Wir schaffen etwas das persönlicher ist, das ihnen erlaubt, mit allem, was die Häuser anbieten, durch eine nagelneue App und eine Website zu interagieren. Wir hoffen, es wird einfacher als je zuvor, bei uns zu essen, zu trinken oder zu schlafen.

Welche Veränderung wird die Zukunft auf die Kultur und Umgebung des Soho House haben?

Ich denke viele Dinge haben sich mit der Art und Weise verändert, wie Menschen arbeiten, wie sie sich entspannen und wie sie sich ausruhen. Es gibt viel mehr Start-ups und es gibt wahrscheinlich einen größeren unternehmerischen Geist als zu Beginn meiner Laufbahn. Das hat alle Auswirkungen darauf, wohin Leute ausgehen, wie sie Spaß haben und was sie sozial machen. Wir sehen, wie die Leute unsere Häuser nutzen. Wir wachsen mit der Community unserer Mitglieder. Es gab noch nie so viele Bewerbungen für Mitgliedschaften. Solange die Nachfrage so groß ist, werden wir weiter wachsen.

Auf welche Themen haben Sie sich in der Vergangenheit konzentriert und was erwarten Sie für die Zukunft?

In den letzten fünf Jahren ging es darum, ein Team und eine Struktur an der Spitze des Unternehmens zu schaffen, damit alle in die gleiche Richtung gehen, mit den gleichen Standards arbeiten und verstehen, wohin wir wollen. Wir haben ein großartiges Team und konzentrieren uns auf neue Häuser und Städte, um ein weltweites Netzwerk von Kreativen zu schaffen.

Was war Ihr größter Fehler und was haben Sie daraus gelernt?

Meine größten Fehler waren die Over The Top Restaurants und meine ersten Restaurants. Es war offensichtlich, warum wir gescheitert sind: Sie waren nicht gut genug. Ich denke, wenn etwas was wir tun nicht gut genug ist, wird es nicht funktionieren.

Wie wird das Soho House in 50 Jahren aussehen?

Ich hoffe, dass wir weiter wachsen werden. Ich würde gerne glauben, dass wir in der Zukunft dort ein Haus haben werden, wo auch immer eine Community eins will. Wir pflegen unser Netzwerk auch online, damit sich die Mitglieder auch außerhalb der Häuser vernetzen und ein Teil der Soho-House-Community sein können, egal wo sie sich gerade befinden.

Wie werden ihre Kunden in 50 Jahren aussehen?

Ich denke, dass es immer noch Kreative sein werden. Allerdings könnte der Begriff viel breiter gefasst werden. Schon in den letzten 10 Jahren hat sich die Technologiebranche zu einer neuen kreativen Community entwickelt.