ArbeitsbelastungStudie warnt: Stress kann die Persönlichkeit verändern

Die häufigsten Ursachen für Stress im Job
Stress ist im Job häufig ein Tabuthema.

Ist das noch Stress oder bereits eine Persönlichkeitsveränderung? Diese ernste Frage sollten sich laut einer Studie Betroffene und auch Unternehmen stellen. Jarvis Smallfield und Donald Kluemper von der University of Illionois haben untersucht, wie sich anhaltender Stress im Berufsleben auf die sogenannte Epigenetik auswirkt.

Dieses Fachgebiet der Biologie untersucht, auf welche Art chemische Veränderungen die Aktivität eines Gens beeinflussen, ohne dass die DNA-Struktur selbst modifiziert wird. Die Forscher kamen zu dem Schluss: Anhaltende Belastung im Job kann die Physiologie von Menschen und damit auf Dauer unter Umständen sogar die Persönlichkeit verändern.

Stress beeinflusst Gene

Ko-Autor Smallfield sagte „The Academic Times“, dass die Persönlichkeit eines Menschen zwar in Teilen auf den Genen beruht. Dabei gehe es aber nicht nur um die Gene an sich, sondern um die Art, wie die genetische Information in Erscheinung tritt. Veränderungen in dieser sogenannten Genexpression können vererbt werden. Das macht das Thema „Stress“ besonders wichtig.

Denn die Autoren warnten: Wird das Gehirn dauerhaft Stress ausgesetzt, wirkt sich das auf die im Epigenom festgeschriebenen chemischen Veränderungen der DNA aus. Das Epigenom wurde in einem Artikel im „Deutschen Ärzteblatt“ als der „Dompteur der Gene“ bezeichnet. Es sorgt dafür, dass zum Beispiel ein eineiiger Zwilling an Diabetes erkrankt, der andere aber trotz identischem Genmaterial nicht.

Veränderungen im Epigenom können laut Smallfield ganz natürlich durch eine neue Lebensphase oder eine veränderte Umgebung verursacht werden. „Wir sind sehr, sehr anpassungsfähige Geschöpfe“, sagte der Forscher.

Arbeitgeber müssen Stress reduzieren

Eine grundlegende Veränderung der Persönlichkeit infolge von Stress sollte aber vermieden werden. Dabei geht es der Untersuchung zufolge nicht nur darum, Beschäftigte vor starker Überbelastung zu schützen. Selbst niederschwellige, aber andauernde Stressfaktoren können demzufolge bereits Veränderungen der Persönlichkeit herbeiführen.

Die Biologen sahen aufgrund ihrer Erkenntnisse Arbeitgeber in einer besonderen Pflicht, ihren Beschäftigten genügend Ruhephasen zu gönnen und generell ein Bewusstsein für dieses schwerwiegende Problem zu entwickeln. Sie forderten zudem, Arbeitnehmer sorgfältiger für bestimmte Tätigkeiten auszuwählen „Wenn die Persönlichkeit eines Beschäftigten besser zu ihrem Job passt, werden sie weniger Stress empfinden“, erklärten Smallfield und Kluemper.


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