ThemaStellen Sie kreative Buchhalter ein!

Buchhalter
Verstaubtes Image: Dabei können innovationsfreudige Buchhalter viel Gutes bewirken
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Jens-Uwe Meyer ist Innovations-Vordenker und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Innolytics. Auf der Innolytics-Webseite können sie einen kostenlosen Kurztest machen. 40 Fragen mit einer anschließenden Sofort-Auswertung sollen Ihnen zeigen, wie Sie Innovationen effizienter managen können


Die Zunft der Buchhalter gilt als spröde, penibel und ein bisschen langweilig. Kreative Buchhaltung ist das Schreckgespenst jedes ordentlichen Unternehmens – ein Synonym für finanzielle Zaubertricks im Inneren der Unternehmensbilanz. Keine Frage: Wer seriös ist, stellt für diesen Bereich regelkonforme Mitarbeiter ein, die erst nach den Vorschriften fragen und dann handeln.

Dummerweise werden nach diesem Muster häufig nicht nur Buchhalter ausgesucht, sondern auch Ingenieure, Produktmanager, Marketingexperten, Personaler und viele mehr. Die dann – wenn es um das Thema Innovation geht – genau entsprechend ihrer Qualitäten handeln: Sie fragen nach den Regeln.

Wo sind die Querdenker? Die Infragesteller? Die visionären Macher? In vielen Branchen, die in den nächsten Jahren vom radikalen Wandel betroffen sein werden, fehlen sie. Ob in Banken, bei Energieversorgern oder im Einzelhandel: Die Innovationskultur beschränkt sich häufig darauf, das Bestehende zu optimieren und so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

Bewahrer und Erneuerer

Doch gerade in Zeiten des Wandels müssen Unternehmen beides können: Regeln folgen und Regeln brechen. Und das in unterschiedlicher Intensität: Wer kundennahe neue Dienstleistungen entwickeln möchte, braucht dafür keine Marktrevolutionäre. Wer Märkte aufbauen will, die es aktuell noch nicht gibt, hingegen schon. Unternehmen müssen beides sein: Bewahrer und Erneuerer.

Wie kann das gehen? Indem Unternehmen den Nährboden dafür schaffen und eine Innovationskultur etablieren. Mehr noch: Unterschiedliche Innovationskulturen. Denn es gibt verschiedene Arten: In unseren Studien haben wir den Typus des innovativen Optimierers identifiziert: Eine Kultur, die darauf ausgerichtet ist, das Bestehende leistungsfähiger und besser zu machen. Es gibt auch den Typus des proaktiven Innovators: Unternehmen oder Unternehmenseinheiten, die darauf ausgerichtet sind, das Bestehende anzugreifen und radikal neu zu erfinden.

Der kreative Buchhalter wird zum Innovationstreiber

Was hat das mit Buchhaltern zu tun? Innovative Optimierer suchen ständig nach Verbesserungspotenzialen in ihren Produkten, Strategien und Prozessen. Ein Buchhalter, der Abläufe kritisch hinterfragt, Probleme identifiziert wo andere keine sehen und Lösungsvorschläge macht, ist für diese Unternehmen wertvoller als jemand, der nur auf die Regeln schaut. In der Innovationskultur der proaktiven Innovatoren gehen kreative Buchhalter noch einen Schritt weiter: Sie versuchen, Muster in den Zahlen zu erkennen und auf Basis solcher Analysen Ideen und Konzepte für neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der kreative Buchhalter wird zum Innovationstreiber…

Es wird Zeit, den Ruf des kreativen Buchhalters wiederherzustellen! Mehr noch: Es wird Zeit, gezielt nach kreativen Buchhaltern zu suchen. Und so einen Teil dazu beizutragen, die Innovationsfähigkeit von Unternehmen zu steigern.