Interview"Natürlich sind wir in einer Riesen-Bubble"

Alex von Frankenberg, High-Tech Gründerfonds
Alex von Frankenberg, High-Tech Gründerfonds
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Alex von Frankenberg ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds. Der Fonds, der vom Bundeswirtschaftsministerium und der KfW-Bankengruppe gefördert wird, hat sich der Finanzierung von Hightech-Unternehmen in der Frühphase verschrieben. Von Frankenberg nimmt an der Tech-Konferenz Cube Tech Fair teil, die vom 10. bis 12. Mai in Berlin stattfindet. Capital ist Medienpartner der Veranstaltung.


Es wird oft geklagt, die Voraussetzungen für Gründer seien in Deutschland besonders schwer. Stimmt das?

Die Lage in Deutschland ist super-positiv. Als wir vor zwölf Jahren anfingen, gab es nichts, jetzt gibt es ganz viel. Auf allen Ebenen. Bei der Verfügbarkeit von Kapital. Der Innovationskultur. Beim Mut zum Unternehmertum. Und der Akzeptanz von Erfolg und Scheitern. Das sind gerade in Deutschland immer wichtige Punkte. Es gibt die alte Aussage, in Deutschland dürfe man nicht scheitern. Das wird immer wiederholt, aber es ist purer Unsinn.

Es mag ja sein, dass es Innovation gibt. Aber was ist das denn für Innovation? Geht es hier nicht vor allem um den siebten oder achten Pizza-Lieferdienst?

Natürlich sind neue Geschäftsmodelle auch Innovation. Was Amazon und Google ja so gefährlich macht, ist die Fähigkeit, neue Geschäftsmodelle zu definieren. Die von Daten getrieben werden. Und da kann auch ein neu funktionierender Pizzadienst relevant sein.

Sie zeichnen ein sehr positives Bild. Aber es gibt doch auch eine Tech-Blase. Unternehmen, die völlig überbewertet sind.

Natürlich sind wir insgesamt in einer Riesen-Bubble. Ich beziehe mich jetzt nicht auf Start-ups und Venture Capital. Sondern auf die Gelddruckerei der Notenbanken weltweit. Das führt zu Verzerrungen bei bestimmten Assets. Bei Immobilien oder bei Anleihen.

Aber auch im Hightech-Bereich. Auch dort gibt es doch Blasen-Phänomene.

Es gibt einzelne Bewertungen, die sehr weit gelaufen sind. Wir sehen eine signifikante Erhöhung der A-Runden-Bewertungen. Man kann natürlich lange darüber diskutieren, ob für den Fahrdienst Uber nicht eine Bewertung von 20 Milliarden statt 80 Milliarden auch gut wäre. Es gibt Bubble-ähnliche Phänomene. Aber das gilt eben nicht nur für den Start-up-Bereich. Sondern sogar eher für andere Bereiche.

Fintech kann groß werden

Dann also noch einmal: Wo findet echte Innovation statt?

Nehmen Sie Blockchain. Und alles, was in diesem Universum gerade entsteht. Kryptowährungen wie Bitcoin und viele andere. Welche Anwendungsmöglichkeiten im Zahlungsbereich das bietet. Und was das vielleicht auch für die Gesellschaften bedeutet. Weil die Notenbanken dann doch vielleicht irgendwann nicht mehr ungehindert Geld drucken können, weil die Leute mittelfristig umsteigen. Auf Währungen, die nicht inflationiert werden können. Darin sehe ich allergrößtes Innovationspotenzial.

Welche Rolle spielen solche Finanz-Innovationen in Ihrem Fonds?

Wir haben leider nur ein einziges Investment in dem Bereich. Die Bitwala aus Berlin. Und wir suchen händeringend weitere Investment-Möglichkeiten. Weil wir glauben, dass sich da sehr Großes daraus ergeben kann.

Das ist der Finanzbereich. Und sonst?

Wir haben die Entwicklung in der Künstlichen Intelligenz. Da wird schon seit 20 oder 30 Jahren drüber geredet. Aber jetzt tut sich wirklich etwas Neues. Zum Beispiel in der Bilderkennung. Noch vor wenigen Jahren war der Mensch den Maschinen in der Bilderkennung deutlich überlegen. Heute hat sich das Verhältnis umgedreht. Und das hat natürlich immense Auswirkungen auf Technologien wie das autonome Fahren. Dann gibt es Dinge wie Chatbots im Kundenservicebereich. Oder das Computerprogramm Watson, das bestimmte Fälle besser kennt als junge Anwälte.

Wenn die Lage so rosig ist, wie Sie sie schildern, stellt sich ja die Frage: Wozu braucht man dann überhaupt einen staatlich geförderten Fonds wie den Ihren?

Wir glauben, dass es in der frühen Hightech-Seed-Phase, in der Unternehmer erhebliche Vorleistungen zu bewältigen haben, immer noch kein Geld gibt. Diese Lücke ist im Hightech-Bereich unverändert da. In der Biotechnologie, der Medizintechnik, im Energiebereich, dem Maschinenbau, der Sensorik, aber auch im technologiestarken Softwarebereich. Überall da, wo ich nicht nah an den Umsätzen dran bin.

„In zehn Jahren wird es große Exit geben“

Sie haben jetzt das Investitionslimit ausgeweitet. Warum?

Zunächst mal gleichen wir natürlich einen gewissen Inflationseffekt aus. Aber es gibt auch Projekte, die einfach mehr Geld brauchen, um ordentlich zu starten. Wenn eine Anlage gebaut werden muss oder es komplizierte Zulassungsverfahren gibt. Das Ziel der Ausweitung ist, dass man die Unternehmen in der Startphase mit mehr Geld ausstatten kann, wenn es wirklich nötig ist.

Wie groß ist die Chance, dass aus Deutschland einmal ein richtiger Big Shot kommt? Abgesehen vielleicht von Zalando.

Es ist ja durchaus schon passiert. Zalando. Rocket an sich. Andere Unternehmen wie Teamviewer. Hybris, die von SAP gekauft wurden. Wir selbst hatten auch schon einen Exit über 100 Mio. Euro. Im Markt gibt es viele Unternehmen, die große Erfolge darstellen.

Ist das die Leuchtturm-Liga, die Investoren wirklich anzieht?

Ein Facebook haben wir noch nicht, und das wird vielleicht auch noch eine Generation dauern. Dafür braucht man eine gewisse Reife des Ökosystems. Aber das entwickelt sich so positiv, dass es in zehn Jahren auch sehr große Exits geben wird.

 

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