InterviewOlaf Müller-Soppart über seine erste Million

Olaf Müller-Soppart, Werbefachmann, Handelsexperte und Mitgründer von Jacques’ Wein-Depot
Olaf Müller-Soppart, Werbefachmann, Handelsexperte und Mitgründer von Jacques’ Wein-DepotHenning Ross


Olaf Müller-Soppart, 84, hat 1974 mit seinem Geschäftspartner Jacques Héon die Wein-Handelskette Jacques’ Wein-Depot gegründet. Die rund 400 Filialen gehören mittlerweile zur börsennotierten Hawesko Holding. Und Müller-Soppart betreibt in Düsseldorf einen Fachhandel für Weinkellereinrichtungen.


Herr Müller-Soppart, wann haben Sie Ihren ersten Wein getrunken?

Mit 16 nach einem Hockeyspiel. Wir haben billigen Wein getrunken, der damals so sauer war, dass er wie Kaffee mit Zucker gesüßt wurde. Die Winzer konnten damals den Wein noch nicht mit Restsüße verfeinern.

Deshalb haben viele Deutsche lieber Bier getrunken. Warum haben Sie einen Weinhandel gestartet?

Ich habe in den 60er-Jahren als Berater beim französischen Werbekonzern Publicis gearbeitet. Zu meinen Kunden gehörte die französische Förderungsgemeinschaft für Agrarprodukte Sopexa. Da lernte ich Jacques Héon kennen.

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Und der wurde zum Namenspatron für Ihr Wein-Depot?

Ja. Wir haben so gut zusammengearbeitet, dass wir uns 1968 zunächst mit einer Marketingagentur selbstständig gemacht haben. Wir haben französische Großunternehmen beraten und sie hierzulande mit Handelszentralen in Verbindung gebracht. Als Betriebswirte war letztlich auch Jacques’ Wein-Depot für uns nicht der Lebenstraum zweier Weinfanatiker, sondern eine Marketingidee, die in der Not entstanden ist.

Was war denn passiert?

Während der Energiekrise Anfang der 70er-Jahre listeten die deutschen Händler französische Produkte aus, Etats wurden gekürzt. In unserer Agentur herrschte Stillstand. Wir mussten uns etwas Neues überlegen. Wir wussten, dass die Deutschen ihre Weine damals am liebsten beim Winzer kauften. Unsere Idee: Wir bieten gute, bezahlbare Alltagsweine aus Frankreich mit Verkostung und Beratung wie beim Winzer an. Wir nannten es Jacques’ Wein-Depot und starteten den Lagerverkauf 1974 mit  30 Weinen auf Paletten in einem großen Bootsschuppen in Düsseldorf.

Damit haben Sie den Weinhandel in Deutschland revolutioniert. Sie haben eine Filiale nach der anderen eröffnet. Aber bei 20 war nach sechs Jahren Schluss. Warum?

Es wurde zu groß. Wir hatten nur noch Führungsaufgaben, Logistik- und Personalprobleme. Wir wollten kreativ sein, unsere Freiheit haben. Deshalb haben wir an BAT verkauft.

Warum ausgerechnet an einen britischen Tabakkonzern?

Die suchten nach alternativen Investitionsmöglichkeiten und waren schon bei Weinlokalen eingestiegen. So kam der Kontakt zustande.

Für wie viel haben Sie verkauft?

Jacques und ich haben jeweils ein paar Millionen D-Mark bekommen. Die genaue Summe haben wir nie genannt. Aber es war für uns der größte finanzielle Sprung im Leben.

Da waren Sie 47. Was haben Sie mit dem vielen Geld gemacht?

Wir hatten uns verpflichtet, noch zwei Jahre im Unternehmen zu bleiben. So lange lag das Geld auf dem Konto. Aber wir standen nicht mehr so unter Zwang, unser Kopf war endlich von Sorgen befreit.

Sie haben sich dann wahrscheinlich ein hübsches Weingut gekauft?

Keinesfalls! Ich bin kein Bauer. Ich habe zunächst einen Laden eröffnet mit 1000 Artikeln rund um Wein. Mittlerweile betreibe ich einen Fachhandel für Weinkellereinrichtungen. Das ist heute einer der größten Männerträume: Autos, Uhren und Reiferäume für Wein.

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