ManagementNoten für den Chef

Mann mit Auszeichnungen
Für Anerkennung und Wertschätzung im Netz müssen Chefs einiges tun (Foto: Getty Images)

Anne M. Schüller ist Managementdenkerin, Vortragsrednerin, Buchautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin ist Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Weiter Informationen unter www.touchpoint-management.de


In der Stellenanzeige klingt alles noch vielversprechend: „Es erwarten Sie nette Kollegen, ein hochmodernes Arbeitsumfeld, eine abwechslungsreiche Tätigkeit sowie attraktive Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Doch gibt man den Namen der Firma auf einem Arbeitgeber-Bewertungsportal ein, hört man ganz andere Töne:

„Vorstand und HR-Leitung optimieren KPIs auf Kosten der Mitarbeiter, damit sie selbst maximale Tantiemen bekommen. Rufen dann zu Spenden auf. Das ist mir erst auf Hinweis eines Kollegen aufgefallen: Die 3000 Euro kommen nicht von denen privat, sondern von der Firma, also UNS.“ Dieser Punkt wird in weiteren Einträgen aufgegriffen. Auch andere Verfehlungen werden rabiat diskutiert. In einem der Einträge heißt es schließlich: „Allerdings würde ich für einen neuen Vorstand spenden.“

Zum Abfragezeitpunkt hatte dieser Arbeitgeber, eine renommierte Unternehmensberatung, 286 Bewertungen erhalten, die 231.993 Mal aufgerufen worden waren. Die durchschnittliche Bewertungspunktzahl lag bei 2,63. Dieser Wert war durch einige leitende Personen, die den Maximalwert von 5,0 eingegeben hatten, ganz offenbar geschönt worden. Bei einer Google-Abfrage mit dem Namen der Firma plus Vorstand erschien der obige Text auf der Trefferliste schon an zweiter Stelle.

Suchmaschinen bevorzugen, was die Menschen sagen

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Wer bei Google den Namen eines Unternehmens als Arbeitgeber eingibt, dem wird bei den organischen Treffern an oberster Stelle meist nicht die Website der gesuchten Organisation angezeigt, vielmehr bekommt man die Einträge auf Bewertungs- und Meinungsplattformen als erstes zu sehen. Das bedeutet: Sogar Suchmaschinen-Algorithmen favorisieren das, was die Menschen über ein Unternehmen sagen.

Was man dann liest, ist bisweilen erschütternd. Das Delta zwischen Leitbildprosa und gelebter Wirklichkeit könnte größer nicht sein. Auch wenn die Eintragungen subjektiv sind: Dank solcher Bewertungsportale können sich potenzielle Bewerber nun endlich im Vorfeld ein erstes Bild vom Betriebsklima einer Firma machen und einen Eindruck darüber gewinnen, ob das Unternehmen zu ihnen passt oder nicht.

Eine repräsentative Umfrage des Bitkom, des Verbands der ITK-Branche, unter 778 Internetnutzern ergab, dass sich jeder vierte User im Netz mithilfe von Bewertungsportalen über potenzielle Arbeitgeber informiert. Insgesamt 70 Prozent von denen, die die Absicht hatten, den Job zu wechseln, haben sich durch solche Bewertungen in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen. Und 40 Prozent gaben an, sich aufgrund der Bewertungen gegen einen Jobwechsel entschieden zu haben.