BetrugMitarbeiter betrügen Firmen um 170 Mio. Euro pro Jahr

Brainstorming
Betrüger befinden sich manchmal im eigenen Kollegenkreisrawpixel auf Pixabay

Wenn eine Firma Opfer von Betrügern wird, sind häufig die eigenen Mitarbeiter die Täter. Nicht nur das: Kriminelle Angestellte erbeuten sehr viel mehr Geld als externe Betrüger. Schließlich kennen sie die internen Sicherheitsmechanismen aus erster Hand und nutzen das Vertrauen der Vorgesetzten und Kollegen aus. „Im Schnitt bringen kriminelle Mitarbeiter ihre Arbeitgeber um fast 115.000 Euro, bevor sie auffliegen“, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Betrüger von außen würden durchschnittlich gerade einmal die Hälfte dieser Summe erbeuten. Das hat eine Auswertung der Schadenfälle aus der Vertrauensschadenversicherung ergeben. Diese Versicherung entschädigt Unternehmen, wenn interne oder externe Vertrauenspersonen Gelder veruntreuen oder das Unternehmen betrügen.

Betrug in Firmen ist alltäglich

Betrug in den eigenen Reihen ist nicht nur kostspielig. Er ist auch leider keine Ausnahme. „Angesichts unserer Erfahrungen müssen wir davon ausgehen, dass jedes Jahr fünf bis zehn Prozent der deutschen Unternehmen von eigenen Mitarbeitern betrogen werden“, sagte Rüdiger Kirsch, Vorsitzender der AG Vertrauensschadenversicherung im GDV. Der Verband registrierte für das Jahr 2018 insgesamt rund 2400 Schadenfälle in der Vertrauensschadenversicherung. In 63 Prozent waren interne Täter am Werk. Sie verursachten 75 Prozent der Schadensumme in Höhe von etwa 225 Mio. Euro, als knapp 169 Mio. Euro.

Die Analyse wurde laut einem GDV-Sprecher zum ersten Mal durchgeführt, Vergleichszahlen liegen somit nicht vor. Allerdings scheint die kriminelle Energie in deutschen Betrieben zuzunehmen. „Die Zahlen steigen seit Jahren stetig an“, sagte Kirsch mit Blick auf die gemeldeten Schadenfälle. Die Täter fallen offenbar häufig in die Kategorie „Gelegenheit macht Diebe“. „Aus der Perspektive der Täter sind Sicherheitslücken günstige Tatgelegenheiten. Insbesondere bei längerer Unternehmenszugehörigkeit kann ein Mitarbeiter der Versuchung der günstigen Gelegenheit erliegen“, erklärte der Leipziger Strafrechtsprofessor Hendrik Schneider laut GDV.

Männer über 40 betrügen besonders häufig

Vielen Tätern scheint aber auch grundlegend ein Unrechtsempfinden abzugehen. Manch ein Täter meint“, „einen Extrabonus verdient zu haben“ oder werde kriminell, wenn er sich von seinem Chef gekränkt und zurückgesetzt fühle, erklärte Schneider. Seinen Untersuchungen zufolge ist der typische Täter männlich, über 40 Jahre alt, deutscher Staatsbürger mit überdurchschnittlicher Bildung und häufig in verantwortlicher Position. Der GDV berichtete aber auch vom Fall einer Ko-Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebs der chemischen Industrie, die zwölf Jahre lang rund 750.000 Euro veruntreut habe, um damit ihre Kaufsucht zu finanzieren. Ein Mitarbeiter in der Finanzabteilung einer Krankenkasse brauchte sogar nur sechs Monate, um mit dem Kopieren realer Krankenhausrechnungen rund 380.000 Euro anzuhäufen.

„Um sich wirksam zu schützen, sollten Unternehmen effektive und wirksame Kontrollsysteme aufbauen und sensible Bereiche doppelt absichern“, riet der GDV.