WochenrückblickMit Facebook eintauchen

Oculus Rift
Sieht so die Zukunft aus? Die Datenbrille Oculus Rift

Freunde der Taucherbrille dürfen sich freuen: In nicht allzu ferner Zukunft können sie sich ein Modell von Facebook auf den Kopf setzen und müssen dann zum Tauchen noch nicht mal ins Wasser. Stattdessen soll man mit dem klobigen Teil vor den Augen in virtuelle Welten eintauchen können. Oculus heißt die Firma, die die Brille entwickelt, und nun für 2 Mrd. Dollar von Facebook übernommen wird.

Eigentlich soll mit der Virtual Reality Brille ein noch intensiveres Spielerlebnis möglich werden. Was also will Facebook mit der erst 2012 gegründeten Firma, die ihr Startkapital per Crowdfunding eingesammelt hat? Für Facebook-Chef Mark Zuckerberg sind die Einsatzmöglichkeiten der Brille nicht auf Spiele beschränkt: „Nach Spielen machen wir Oculus zu einer Plattform für viele andere Erfahrungen. Stellt euch vor ihr sitzt direkt am Spielfeldrand eines Sportereignisses oder lernt zusammen mit Mitschülern und Lehrern, die auf der ganzen Welt verteilt sind – allein weil ihr eine Brille aufsetzt“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Aber das soziale Netzwerk sei auch an einem Punkt angelangt, wo es sich darauf konzentrieren könne, was als nächstes kommt.

Mark Zuckerberg
Facebook-CEO Zuckerberg
© Getty Images

Da will Facebook natürlich unbedingt dabei sein. Seit Monaten liefert sich Zuckerberg und seine Mannschaft einen Übernahmewettkampf mit dem Internetkonzern Google. Zuletzt sorgte Facebook mit dem Kauf des Messaging-Dienstes WhatsApp für Schlagzeilen. Und nur einen Tag nach dem Oculus-Deal äußerte sich Zuckerberg zu weiteren Zukunftsprojekten: Per Drohne will er das Internet in ärmere und entlegenere Gegenden auf dem Erdball bringen – natürlich in der Hoffnung, dass sich die Menschen dann per Facebook vernetzen.

Konkurrent Google arbeitet übrigens an ähnlichen Plänen. Nur will das Unternehmen keine Drohnen, sondern Ballons in die Luft schicken, um die Vernetzung der Welt voranzutreiben. Die Akzeptanz von Ballons dürfte allerdings größer sein als die von Drohnen, die stark mit militärischen Zwecken verbunden sind.

An der Börse kam der jüngste Facebook-Deal nicht gut an: Knapp sieben Prozent verlor die Aktie am Mittwoch. Doch nicht nur das soziale Netzwerk auch andere Börsenstars der jüngsten Zeit mussten Federn lassen – der Kurznachrichtendienst Twitter und auch der Elektroautohersteller Tesla haben im März erheblich an Wert verloren. Analysten meinen, dass die Anleger angesichts des schlappen Wachstums und der vergleichsweise hohen Unternehmensbewertungen vorsichtiger würden.

Deflation in Spanien

Vorsicht ist auch in der Eurozone geboten. Sorge bereitete zuletzt die Preisentwicklung, die deutlich hinter der angestrebten Inflationsrate von zwei Prozent zurückbleibt. Am Freitag wurde bekannt, dass in Spanien die Preise sogar gesunken sind. Die Angst vor einer Deflation scheint also nicht unbegründet zu sein – und die Europäische Zentralbank könnte zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen greifen. Zudem deutete Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in dieser Woche an, nicht grundsätzlich gegen ein umfassendes Programm zum Aufkauf von Anleihen zu sein. Viele Beobachter werteten das als Abschwächung seines bisherigen Widerstands gegen das sogenannte quantitative easing nach dem Muster der US-Notenbank Fed.

Weiterhin bedrohlich ist die Lage in der Ukraine. Die frühere Regierungschefin und jetzige Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko stieß dumpfe Drohungen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin aus: Dem „Dreckskerl“ wolle sie eine Kugel in die Stirn schießen, sagte sie in einem Telefonat, dessen Inhalt im Internet verbreitet wurde. Bei den Ukrainern verfangen solche Sprüche offenbar aber nicht. In Umfragen zur Präsidentenwahl führt der Milliardär Petro Poroschenko mit großem Abstand vor Boxweltmeister Vitali Klitschko und Timoschenko. Die Rechtsradikalen spielen überhaupt keine Rolle.

Poroschenkon ist kein unbeschriebenes Blatt: Er war bereits Wirtschafts- und Außenminister. Sein Geld hat er mit Süßwaren verdient. Momentan sitzt er als unabhängiger Abgeordneter im Parlament, der zwar die Proteste auf dem Maidan unterstützt hat, dort aber nie als Volkstribun in Erscheinung getreten ist. Für viele ist er jetzt der Hoffnungsträger.