Management3 Gründe gegen Management nach Trump-Art

Carsten Rath
Carsten Rath
© Giorgio Balmelli

Carsten K. Rath ist Unternehmer, Hotelier, Vortragsredner und Buchautor. Im März 2017 erscheint sein neues Buch: „Ohne Freiheit ist Führung nur ein F-Wort“. Er ist Gesellschafter der Kameha Hotels & Resorts. Außerdem hat er die Unternehmensberatung RichtigRichtig.com gegründet.


Als Führungskraft habe ich die Wahl: Ich kann ehrlich, aufrichtig, selbstkritisch reflektierend, selbstbeherrscht und orientiert an bewährten Werten führen – Vernunft und Humanismus, zum Beispiel. Oder ich kann auftreten wie US president-elect Donald Trump: Poltern, lügen, diffamieren.

Vor der Wahl schien sich alle Welt sicher zu sein, dass ein solches Verhalten abgestraft würde. Man machte sich lustig. Nun hat er aber gewonnen, der Nachkomme einer pfälzischen Auswandererfamilie, die viel Geld mit Hotels für Goldgräber gemacht hat. Und es kam, was kommen musste: Der Titel verschaffte Respekt und jäh verstummte die Häme. Erklärungsversuche machten die Runde. Sogar Bewunderung: Der traut sich was, der Trump. Der macht eine neue Kommunikation möglich. Eine neue Art von Klartext. Postfaktisch, irgendwie.

Ist Kommunikation à la Trump jetzt das, woran sich CEOs, woran sich auch Führungskräfte auf den mittleren Ebenen orientieren können? Sogar sollen? Ich meine: Nein. Sogar drei Mal nein.

1. Wer gefühlter Wahrheit glaubt, trifft keine vernünftigen Entscheidungen

Medienberichten zufolge sind mehr als 80 Prozent der Aussagen, die Trump pro Woche von sich gibt, falsch oder gelogen. Was einen Trump nicht stört, weil für ihn das wahr ist, was für ihn stimmt. Nach dem Motto: „Ich kann es nicht begründen, aber ich weiß einfach, dass es wahr ist!“ Trump überzeugt mit archaischem Gehabe. Reine Emotion. Triefende Pseudo-Moral. Pure Performance. Was auch für seine im Minutentakt abgefeuerten Twitter-Kommentare gilt.

Twitter passt zu ihm, denn Komplexität ist seine Sache nicht: „Es ist tatsächlich eine sehr simple Sprache, im Durchschnitt die Grammatik und Sprache eines Viertklässlers“, sagt die Linguistin Elisabeth Wehling. Kurze Worte, kurze Sätze, das geht direkt ins Wählerhirn. Da frage ich mich: Kann jemand, der das selbst gefühlte Wissen für wahr hält und redet wie ein Bengel in der späten Trotzphase, komplex denken? Vernünftige Entscheidungen treffen? Ich werde da sehr nachdenklich. Ich vertraue auf Führungskräfte, die sich mit Fakten auseinandersetzen, mit komplexen Realitäten, die Entscheidungen durchdenken und erklären können. Würden Sie Geschäfte machen mit Managern, die postfaktisch unterwegs sind?

2. Wer Menschen abwertet, kann im Großen nicht inspirieren

Allen voran die „angry white men“ – der männliche Teil der auf dem absteigenden Ast ächzenden middle class – sollen es gewesen sein, die Trumps Variante von Klartext besonders schätzten: Seine offene Aggression gegen Migranten, Frauen, Homosexuelle. Nun gibt es in den meisten Unternehmen eine sehr große Zahl von Menschen, die nicht männlich, nicht weiß und in sexueller Hinsicht auch nicht durchgehend konservativ sind. Wie will ein CEO alle Mitarbeiter eines Unternehmens inspirieren, wenn er mindestens die Hälfte dieser Mitarbeiter diskreditiert? Exzellente Unternehmen begeistern auf jeder Ebene Kunden. Nicht nur auf den Teppich-Etagen. Und diese Begeisterung wird nur durch Respekt für alle erreicht. Diversity is value.

3. Wer an einer märchenhaft verklärten Vergangenheit klebt, kann nicht überzeugend in die Zukunft führen

Es ist ein imaginäres „großes Amerika“, dessen Wiederkehr Trump heraufbeschwört. Denn, welches Amerika meint er überhaupt? Das der 1950er Jahre? Das seiner eigenen Kindheit? Als die Muttis noch zu Hause kochten und man Fernsprechapparate sauber an die Wand schraubte? Die Zeit also, als die Mittelschicht vom großen sozialen Aufstieg träumte – statt sich vor Sorge um Haus, Job, Collegeschulden und Status schlaflos in den Boxspringbetten zu wälzen? Wahrscheinlich ist es genau dieses Amerika. Ein „Es-war-einmal“, ein Märchen, das man kollektiv herbeifantasiert. Wie kann auf dieser Basis eine zukunftsfähige Wirtschaft gestaltet werden?

Wie Trump reden ist wie Schnaps trinken. Das gibt den kurzen Kick, das bringt das Blut in Wallung – und am nächsten Tag ist der Kater da. Denn Kommunikation à la Trump schürt Hass. Und der spaltet die Gesellschaft. In einer gespaltenen Gesellschaft stehen die Chancen für Freiheit und Vertrauen ziemlich schlecht. In Gesellschaften mit gravierenden Diskrepanzen zwischen unten und oben gibt es sechs Mal mehr Morde und es sitzen zehn Mal mehr Menschen im Gefängnis. Fragt sich, was das für eine Welt ist, die wir morgen haben wollen.

CEOs, Führungskräfte auf allen Ebenen haben die Freiheit, so zu reden wie Trump. Das heißt: Fakten ignorieren, blind Emotionen und Ressentiments folgen, nicht mehr nachdenken, nur noch glauben. Vor allem sich selbst und die Schuld für jegliche Misere immer „Anderen“ geben. Hass geht einfach. Hass ist der billige Weg. CEOs, Führungskräfte auf allen Ebenen haben auch die Freiheit, eben nicht der großen Masse auf dem Trumpelpfad hinterher zu taumeln. Sondern sich zu ihrer Verantwortung zu bekennen. Verantwortung für den Job, für die Mitarbeiter zu übernehmen – und für die Welt, in der ihre Söhne einmal faktisch leben werden. Und ihre Töchter.

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