GastbeitragKrise sei Dank!

In der Krise ist unternehmerische Weitsicht gefragtimago images / Westend61

„You can’t always get what you want“ – einer meiner Lieblingssong von den Rolling Stones. Da singt Mick Jagger: „But if you try sometime you find you get what you need …“

Ja, wenn wir es versuchen, dann besteht die Chance, dass wir das erhalten, was wir brauchen. Und darum geht es! Versuchen wir es also …

Timo Kaapke

Was machen wir als Unternehmer aus der Krise? Die Situation können wir nicht ändern, das liegt außerhalb unseres Einflusses. Aber wir können unsere Einstellung zur Krise wählen: Wie wir damit umgehen wollen und wie wir die Krise für uns und unser Unternehmen nutzen können und wollen.

Denn: Die Corona-Krise ist nicht das Ende. Sie ist der Anfang. Weil Corona spürbar macht, was auch schon vor Corona im Argen lag. Das wird jetzt so sichtbar, wie nie zuvor. Im Unternehmen und bei uns Unternehmern. Viele von uns erkennen nun, dass sie ihre Unternehmerrolle nicht so ausfüllen, wie sie es wollen, könnten und auch müssten.

Sie, wir, ich haben es in der Hand, wie wir mit der Krise umgehen. Und so lautet meine Frage an Sie: Sind Sie noch Opfer oder gestalten Sie schon Ihren zukünftigen Erfolg?

Was wir nicht schon alles gerockt haben

„Gestalten natürlich!“ Ich bin überzeugt, dass die meisten von Ihnen diese Frage so beantworten, gerade wenn Sie Mittelständler sind. Denn das ist es, was die mittelständischen Unternehmen ganz hervorragend beherrschen: Aus Problemen Lösungen machen. Anpacken. Machen.

Was ich in den letzten Wochen aber immer wieder beobachte, ist, dass viele mittelständische Unternehmer vor lauter Anpacken Gefahr laufen sich aufzureiben. Sie verpassen so die große Chance, aus Corona einen Anfang für etwas Neues zu erschaffen. Dabei haben wir in Deutschland und in unseren mittelständischen Unternehmen doch in den letzten Monaten so viel schon gerockt.

Corona hat die meisten von uns kalt erwischt. Zack – war sie da, die größte Krise seit Jahrzehnten. Weltweit. Im eigenen Unternehmen. Bei jedem vor der Haustür. In den eigenen vier Wänden. Aber was haben wir nicht alles in der ersten Welle gelernt!

Mit dem Schock klarkommen. Ich als Unternehmer zumindest empfand die erste Welle mental als sehr aufreibend. Plötzlich ploppten Aufgaben auf, über die ich mir bislang noch nie Gedanken gemacht hatte. Zum Beispiel „Wie mache ich das mit der Kommunikation, wenn alle im Homeoffice sind?“ oder „Wie bekommen wir die Menge der benötigten Daten durch das uns zur Verfügung stehende Netz?“ oder „An wen wende ich mich wegen Kurzarbeit?“ Gut möglich, dass bei Ihnen andere, aber wahrscheinlich nicht weniger Fragen auftauchten.

Ich finde, wir haben das gut hinbekommen. Wir haben angepackt. Es war aufreibend. Aber wir haben diese kritische Situation doch wirklich gut gerockt. Doch jetzt haben wir die zweite Welle.

Hand aufs Herz

Corona ist wie eine Lupe. Dinge, die schon vorher im Argen lagen, wurden nun sichtbar. Das betrifft Unternehmen wie Unternehmer.

In der ersten Welle waren wir Unternehmer nicht in unserer Rolle als Unternehmer, sondern vielmehr in der als Fachkraft und Manager hart gefordert. Das war auch sehr in Ordnung so.

Aber jetzt haben wir eine andere Situation: Die neuen operativen Dinge haben wir im Griff. Was es zu managen galt, haben wir gemanagt. Sie und ich – wir müssen aus dem Triple Agent-Modus Unternehmer/Manager/Fachkraft raus, um von der zweiten Welle (oder der dritten oder der vierten) nicht davon gespült zu werden. Denn Hand aufs Herz: Die größten unternehmerischen Probleme, die jetzt hochkommen, gab es auch schon vor Corona.

In einer Studie vom Januar 2020 wurden 1500 Geschäftsführer und Inhaber aus dem Mittelstand danach gefragt, was sie für die größten Gefahren für die Entwicklung ihres Unternehmens halten. Die beiden Top-Antworten waren: zunehmender Wettbewerb und Fachkräftemangel. An diesen Themen hat sich nichts geändert.

Vielleicht haben sie sich verschärft, aber sie waren längst da. Durch Corona haben diese Themen nur eine höhere Dringlichkeit bekommen. Und hierin sehe ich eben die Chance für Sie. Dass Sie nun das anpacken, was für Sie als Unternehmer und auch für Ihr Unternehmen das Wichtigste ist: Ihr eigenes Unternehmertum!

Ich freue mich auf das, was kommt

Das Beste – und Verantwortungsvollste –, das Sie jetzt als Unternehmer tun können, ist, das Fachkraft-Metier Ihren Fachkräften und das Managen Ihren Managern zu überlassen – und voll und ganz in Ihre Unternehmerrolle einzusteigen. „But if you try … You get what you need!“

Denn Ihre unternehmerische Gestaltungskraft ist jetzt mehr denn je gefragt. Und die geht eben flöten, wenn Sie sich als Triple-Agent aufreiben. Das ist Ihre ureigenste Kompetenz als Unternehmer: Sie blicken nach vorne, wittern Chancen, krempeln Ihre Ärmel hoch und machen sich daran, etwas Neues zu gestalten. Ein neues Produkt. Einen neuen Marktzugang. Einen neuen Kundenkreis. Ein neues Selbstverständnis, wie Unternehmen sein können – und Unternehmer. Ein neues Miteinander in den Unternehmen. Neue Impulse für unsere Gesellschaft …

Und deswegen rufe ich Sie wie alle anderen Mittelständler dazu auf: Agieren Sie mehr als Unternehmer! Und tauschen Sie sich mit anderen Unternehmern aus. Denn ohne diesen Austausch werden Sie schnell wieder in die Fachkraft- oder Managerrolle rutschen.

Ich jedenfalls freue mich darauf, was der Mittelstand alles zustande bringen wird – und bin sehr gespannt, was zum Beispiel Sie aus dem großen Urknall mit dem Anfangsbuchstaben C machen werden.

Ich bin mir ganz sicher, dass viele von uns Mittelständlern irgendwann einmal zurückblicken werden und sagen: „War alles echt nicht toll damals, aber ohne Corona wäre ich als Unternehmer, wären wir als Unternehmen nicht so erfolgreich geworden!“

 


Timo Kaapke ist Unternehmer, Taucher, Autor, Keynotespeaker und deutschlandweit gefragter Sparringspartner für Mittelständler. In seinem neuen Buch „Frohes schaffen: Wie ich herausfand, was ein Unternehmer wirklich ist“ nimmt er Unternehmer mit auf einen Deep Dive in eine Arbeitswelt, in der „Frohes schaffen“ kein Widerspruch in sich ist.