Management Knigge für Expats: So bitte nicht

Knigge für Expats: So bitte nicht
Manchmal können fehlende Einblicke in lokale Sitten und Tabus einer Karriere ernsthaft schaden. austindistel/unsplash

Das Expats-Netzwerk InterNations hat Geschichten von Mitgliedern geteilt, die beim Auslandseinsatz erst einmal ins Etikette-Fettnäpfchen getreten sind. Oft blieb der Fehler ohne Folgen und das Missgeschick wurde dem Ausländer verziehen. Manchmal können fehlende Einblicke in lokale Sitten und Tabus einer Karriere aber ernsthaft schaden. Dies waren einige der häufigsten Fehlerquellen, wenn es um Geschäftsetikette im Ausland ging.

#1 Rituale

Ein US-Expat weilte zum chinesischen Neujahrsfest in Singapur. „Zur Feier des Tages erhielten alle Angestellten vom Arbeitgeber Orangen. Dass diese nicht zum sofortigen Verzehr gedacht waren, wurde dem Expat erst klar, als er sie bereits gegessen hatte – während alle Kollegen die Früchte paarweise auf ihren Schreibtischen drapierten“, berichtete InterNations. Der Amerikaner stellte fest, dass die zwei Orangen als Glücksbringer und Zeichen für künftigen Wohlstand dienen sollten: „Ich selbst hatte aber nur noch eine Orange übrig und musste jetzt herausfinden, ob ich diese am besten auch noch esse, um alle Beweise zu vernichten, oder ob ich eine zweite Orange kaufen sollte, um so zu tun, als ob ich nicht das Symbol für ein erfolgreiches neues Jahr verspeist hätte!“

#2 Dresscode

Was in Großbritannien als lockerer Dresscode gilt, kann bei Bauern in Südafrika rundweg geschäftsschädigend sein. Diese Lektion musste Expat Terry lernen. Er hatte sich im Auslandseinsatz wie in der Heimat gekleidet: elegante Hose, Hemd und Sportjacke. Der Start im Auslandseinsatz verlief unerwartet schleppend. „In den ersten Monaten in Südafrika war es für mich sehr schwierig, unangekündigt Manager oder leitende Gärtner auf den Farmen anzutreffen“, berichtete der Expat. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich darauf gekommen bin, dass meine Erscheinung der Grund war: Wenn sie mich kommen sahen, dachten sie, dass ich ein Banker bin und verschwanden einfach.“ Terry wechselte auf den Rat eines Freundes hin zu Khakihosen samt kurzärmeligen Shirts – und schon klappte es mit den Verkaufsgesprächen.

#3 Geschäftsessen

Ein Bier zum Mittagessen – im Vereinigten Königreich unter Geschäftsleuten ist das gute Sitte. Dass das in den USA anders gesehen wird, hatte ein kürzlich zurückgekehrter Expat leider verdrängt. Erschwerend kam hinzu: Er befand sich bei einem Vorstellungsgespräch. „Erst als die Interviewer sich alle nur einen Eistee bestellten, wurde mir klar, dass ich wieder in den USA bin, wo man in der Regel keinen Alkohol zum Mittagessen trinkt.“ Die Gesprächspartner werteten die Getränkebestellung zum Glück laut InterNations als Zeichen von Selbstbewusstsein und gaben dem Kandidaten den Job.

#4 Geschlechterrollen

„Bei einem anderen US-Expat lief das Geschäftsessen nicht ganz so problemlos“, berichtete InterNations. „Als er von einer Landwirtin in Paraguay zum Essen eingeladen wurde, brachte er seine italienische Frau mit, ohne sich groß Gedanken darüberzumachen, ob dies eventuell gegen lokale Gepflogenheiten verstößt. Tatsächlich sitzen in Paraguay Frauen selbst als Grundbesitzerinnen und Entscheidungsträgerinnen beim Essen nicht am selben Tisch. Obwohl dieser Fauxpas zu einer unangenehmen Situation für alle Beteiligten führte, wurde dem Expat verziehen und die Geschäfte gingen ihren gewohnten Gang.“

#5 Tabus

Expat Salman zog von Kanada nach Katar und musste feststellen, dass es in dem Emirat ganz besonders auf die Körpersprache ankommt. „Während eines Geschäftstermins mit einem Lieferanten saß ich ihm gegenüber auf dem Sofa und meine Schuhsohlen waren unabsichtlich in seine Richtung gedreht“, berichtete Salman laut InterNations. Erst später habe er erfahren, dass dies in den Golfstaaten als Beleidigung verstanden wird und habe sich entschuldigt.