Management5 Tipps für den Firmenerfolg trotz Stagnation


Anja Henke ist Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Carpe Viam in Düsseldorf. Mit ihrem Team berät die Naturwissenschaftlerin Konzerne und Mittelstand zu Umsatz- und Ertragswachstum, Innovation und Marktführerschaft. Die frühere McKinsey-Beraterin gilt als ausgewiesene Wachstumsexpertin.Anja Henke ist Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Carpe Viam in Düsseldorf. Die Naturwissenschaftlerin berät Unternehmen zu Umsatz- und Ertragswachstum, Innovation und Marktführerschaft. Die frühere McKinsey-Beraterin gilt als ausgewiesene Wachstumsexpertin.


Nach 30 Jahren Wachstum sollen den Unternehmen in der westlichen Welt schwierige Zeiten bevorstehen. Das prophezeit eine McKinsey-Studie. Demnach werden die Firmen zwar weiterhin wachsen, doch die Gewinne sollen unter Druck geraten und volatil werden. Verantwortlich dafür seien insbesondere neue Geschäftsmodelle, mehr Wettbewerber sowie steigende Lohnkosten.

Diese Entwicklungen sind nicht wirklich neu, doch sie zeigen Wirkung. Viele Industrieunternehmen und Familienbetriebe erleben das bereits schmerzhaft. Trotz führender Positionen schmelzen ihre Gewinnmargen dahin.

Die meisten Unternehmen reagieren auf die Herausforderungen defensiv, mit Preiskämpfen und in der Folge Restrukturierungen. Die eigenen Stärken und Innovationen werden nicht in ambitionierte Strategien übersetzt. Die globalisierte Welt wird zum Feindbild. Der Weg in eine Abwärtsspirale ist vorgezeichnet. Das gilt vor allem dann, wenn die Defensive verstärkt und symptombezogen agiert wird.

Sinnvoller ist es, Handlungsstrategien zu entwickeln, die den Ursachen sinkender Margen auf den Grund gehen und daher weitaus größere Erfolgschancen versprechen. Fünf Empfehlungen:

1. Selbst gestalten

Buchcover Wachstum in gesättigten Märkten
Anja Henkes Buch „Wachstum in gesättigten Märkten“ ist bei Springer Gabler erschienen

Entscheider sollten die Position der Verfolgten verlassen und stattdessen selbst gestalten

Im Kern geht es um einen Paradigmenwandel, weg vom Denken von innen nach außen. Heute exportieren viele Unternehmen ihre Produkte in andere Länder. Die Probleme, die gelöst werden müssen, bleiben dabei offen. So setzt die Automobilindustrie auf etablierte PKW-Modelle für den Export nach China (oder die dortige Produktion) und bekommt weiche Knie, wenn die Zulassungszahlen begrenzt werden – oder wenn herauskommt, dass die Emissionswerte zu hoch sind.

Die Probleme der Mobilität und des Umweltschutzes hier und in einem Land wie China, in dem noch viel mit Kohle geheizt wird, bleiben bestehen. Dies illustriert, wie Unternehmen heute von innen nach außen denken und dadurch Chancen verpassen. Um dies zu ändern und ein Denken von außen nach innen zu entwickeln, braucht es den unverstellten Blick auf laufende Veränderungen und die Vorausschau, Gestaltungswillen, ein Verständnis anderer Märkte und dortiger Bedarfe, ein Ernst nehmen auch kleiner Wettbewerber. Unternehmen, denen dieser Wandel gelingt, stehen auch künftig auf der Gewinnerseite.

2. Perspektivisch denken

Entscheider sollten perspektivisch denken, nicht kurzfristig

Die Forderung nach langfristiger Ausrichtung statt auf Quartalsgewinne wird schon seit den 1980er-Jahren diskutiert. Dies beruht auf der Annahme, dass die Führungskräfte den Kapitalgebern ausgeliefert sind. Oft genug sind es jedoch gerade die Führungskräfte selbst, die kurzfristig orientiert sind, da Boni in diese Richtung weisen, da Positionen zeitlich befristet sind oder weil sie in vorauseilendem Gehorsam handeln. Doch heute sind Investoren auch an Umsatzwachstum und Nachhaltigkeit interessiert, nicht nur an Gewinnen. Der Haniel-Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow etwa hat es vorgemacht, als die Familie 2012 ein Jahr ohne Dividende auskommen musste und dies akzeptiert hat.

Die Führungskräfte selbst müssen also zunächst ihr kurzfristiges Denken überwinden. Mit einer klaren, langfristig ausgelegten Strategie und gut geplanten Investitionen haben sie alle Argumente, um die Unterstützung von Investoren und Kapital für Wachstum zu gewinnen.