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Ronja von Rönne „Es spricht echt nichts dagegen, eine Million auf dem Konto zu haben“

Ronja von Rönne gehört zu den Stars der jungen Autoren-Szene. Die 28-Jährige wurde 2012 durch ihren Blog „Sudelheft“ bekannt, hat für mehrere Zeitungen geschrieben und zwei Romane veröffentlicht. Zudem moderiert sie den Audible-Podcast „Rönne und Rammstedt. Uns fragt ja keiner“ und die Arte-Serie „Streetphilosophy“.  
Ronja von Rönne gehört zu den Stars der jungen Autoren-Szene. Die 28-Jährige wurde 2012 durch ihren Blog „Sudelheft“ bekannt, hat für mehrere Zeitungen geschrieben und zwei Romane veröffentlicht. Zudem moderiert sie den Audible-Podcast „Rönne und Rammstedt. Uns fragt ja keiner“ und die Arte-Serie „Streetphilosophy“.  
© Jens Oellermann Fotografie
Die Autorin und Moderatorin Ronja von Rönne ist Gastgeberin des neuen Capital-Podcasts „Meine erste Million“. Im Interview spricht sie über ihr Verhältnis zu Geld und Millionäre, die einen etwas anderen Begriff von Bodenständigkeit haben

Ronja von Rönne ist nicht zimperlich. Die erfolgreiche Journalistin, Autorin und Moderatorin ist bekannt für provokante Thesen und klare Ansagen. Aber im Interview mit Deutschlands bekanntestem Schönheitschirurg, Werner Mang, muss die 28-Jährige auch mal einen Spruch einstecken. Der hat seine Gesprächspartnerin genau gemustert und ein paar professionelle Korrekturvorschläge unterbreitet. Da verliert selbst von Rönne kurz mal die Fassung: „Ich habe keine Knollennase! Sie spinnen ja!“

Es sind diese kleinen Ausbrüche, spontanen Nachfragen und eigenen Gedanken durch die von Rönne in dem neuen Podcast „Meine erste Million“ eine persönliche, vertraute Gesprächsatmosphäre mit bekannten Unternehmern, Gründern, Künstlern und Sportlern schafft. Von Rönne ist Gastgeberin der Interview-Serie mit insgesamt 24 Folgen, die das Wirtschaftsmagazin Capital zusammen mit Audible am 19. August startet (audible.de/million).

Capital: Ronja von Rönne, Du als 28-jähriger Star der jungen Autoren-Szene und Capital, das 58-jährige traditionelle Wirtschaftsmagazin. Wie passt das zusammen?  

RONJA VON RÖNNE: Lernen kann man immer nur von denen, die anders sind als man selbst. Deshalb finde ich gerade diesen Gegensatz total super. Außerdem habe ich ein voyeuristisches Interesse an Lebenswelten, die nicht meine sind. Das ist auch gar nicht so ungewohnt für mich. In meiner Fernsehsendung „Streetphilosophy“ treffe ich auch unterschiedliche Leute von der Nonne bis zum Zuhälter. Bei „Meine erste Million“ sind es halt auch erfolgreiche Unternehmerinnen und Gründer. Ich habe aber ohnehin das Gefühl, das ich ganz tief im Innern auch ein bisschen alter, weißer Mann bin. Zumindest entdecke ich manchmal auch konservative Seiten an mir.

Welche sind das? 

Ich bin zum Beispiel pedantisch sparsam und habe noch nie ein Dispo-Kredit überzogen. Nicht mal in meiner Studentenzeiten, als ich kaum Geld hatte. Meine Eltern sind nicht wohlhabend und auch in meinem Freundeskreis waren Finanzen kein Thema. Mit meinem ersten Buch habe ich für mein damaliges Verständnis von Geld sehr viel verdient. Aber ich habe noch lange keine Million!

Was war denn Dein erster Gedanke als Du gefragt wurdest, ob Du die Moderation eines Podcasts übernimmst, der „Meine erste Million“ heißt? 

Ich dachte ganz egoistisch: „Geil, das sage ich zu. Im besten Fall  weiß ich, wie man das anstellt mit dem Wohlstand. Wenn ich ganz viele Millionäre treffe, werde ich mir alle  Tipps holen und in einem Jahr habe ich dann selbst meine Million zusammen.“ Aber ich war mir am Anfang auch total sicher, dass sich in den Geschichten der Millionäre alles wiederholt. Mittlerweile bin ich erstaunt, wie viele unterschiedliche Wege es für Gründer, Sportler oder Künstler gibt, um zu diesem verklärten Ziel der ersten Million zu kommen.

Wie bereitest Du Dich auf die Podcast-Interviews vor?  

Ich habe tolle Autorinnen an meiner Seite, die mir vor jedem Termin schöne Dossiers schicken. Ich lege es aber auch darauf an, vorher nicht zu viel zu wissen, damit ich relativ offen in die Gespräche reingehen kann. Ich frage dann wahrscheinlich auch anders als klassische Wirtschaftsjournalisten. Und ich mag es, die Leute zwischendurch mal zu überrumpeln. So wie beim Schönheitsdoktor Mang als der meinte, ich sollte mal meine Knollennase wegmachen. Da habe ich gesagt: „Bitte was? Ich habe keine Knollennase! Sie spinnen ja. Schauen sie sich doch mal selbst an.“ Ich glaube nicht, dass er das schon so oft gehört hat.

Wie reagieren Deine Interviewpartner auf solche Ausbrüche? Musstet Ihr aus den Aufnahmen viel rausschneiden? 

Nein, bislang haben mir alle verziehen. Ich glaube, als junge Frau habe ich den kleinen Vorteil, dass man mir mehr nachsieht. Und die Gesprächspartner sehen ja auch, dass ich mich darüber freue, mich mit Ihnen zu unterhalten und sie nicht vorführen will. Ich treffe alle mit einem ehrlichen Interesse an ihrer Biografie.

Was hat Dich am meisten überrascht? 

Die Boxerin Regina Halmich, die in ihren Kämpfen so auf ihre Gegnerinnen draufgeballert hat, kam zu unserem Treffen in einem rosa Trainingsanzug, ihr feines Gesicht war perfekt geschminkt. Harmloser kann man kaum aussehen. Dann hat sie erzählt, was sie in diesem Männersport alles für Frauen durchgesetzt hat. Oder Verona Poth: Das ist eine gewiefte Geschäftsfrau. Die weiß ihr Image ganz genau einzusetzen. Sie inszeniert ihre Handicaps ganz gekonnt, etwa ihre Leseschwäche. Überhaupt habe ich bei allen Gesprächspartnern den Eindruck, die kennen ihre Stärken und Schwächen sehr gut. Das sind Profis, die ihren Weg sehr konzentriert gehen.

Und gab es auch Ecken und Kanten an den Geschichten, die Dich stutzig gemacht haben?

Oh ja, denn wirklich alle behaupten von sich, dass sie absolut bodenständig sind. Wenn ich dann nach Hobbys frage, erzählen sie, dass sie Oldtimer sammeln. Die verkehren glaube ich in Kreisen, in denen bodenständig heißt: Ich fliege nicht mit dem Privatjet, nehme auch nicht immer First Class, sondern ab und an auch mal Business Class. Da werden schon sehr andere Maßstäbe an die Realität angelegt.

Und willst Du trotzdem mal eine Million verdienen?  

Ich glaube, es spricht echt nichts dagegen, eine Million auf dem Konto zu haben und unglücklicher macht es tendenziell auch nicht. Aber, so banal das klingt: Der Schlüssel zum Glück, ist es auch nicht. Wenn ich höre, wie unglücklich der Nasen-Mann Mang ist, wenn er an Wochenenden nicht arbeiten kann. Dann weiß ich nicht, ob das so erstrebenswert ist. Für mich ist Geld ein Luxus, der mir Sorgenfreiheit und Großzügigkeit ermöglicht. So dass ich immer viel Trinkgeld geben kann, dass ich Freunde zum Essen einladen kann, dass ich mir ein Taxi nehmen kann, wenn ich müde bin. Das ist mein Begriff von Glück und mein Anspruch an Geld.  Am Ende kehre ich zurück zum Anfang des Kreises: Mich mit interessanten Leuten zu unterhalten, macht mir Spaß. Ob mir das nun eine Million bringt oder meinen Horizont erweitert - am Ende profitiere ich.

Die legendäre Capital-Interviewserie „Meine erste Million“ gibt es mittlerweile auch als Podcast. Die zweite Staffel erscheint seit dem 20. April 2021. Auf alle zwölf Folgen können Sie als Audible-Abonnent zugreifen. Auf Capital+ gibt es die einzelnen Folgen ebenfalls kostenlos. Gäste der neuen Staffel sind unter anderem Harald Christ, Claudia Obert, Hamid Djadda, die Beltracchis, Madame Moneypenny und Benjamin von Stuckrad-Barre.

Hören Sie hier den Trailer zur zweiten Staffel:


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