ManagementDrei Vorzüge schüchterner Mitarbeiter

Führungskraft
Selbstmarketing ist nicht die Sache von Schüchternen

Susanne Hake kombiniert langjährige Berufserfahrung aus Werbung (McCann-Erickson, TBWA), Körperpsychotherapie und Spielfilmregie (ARD, ZDF, SAT.1). 2008 entwickelte sie ein ganzheitliches Coachings- und Trainingsprogramm, speziell für Führungskräfte mit Selbstmarketing-Blockade.


Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die bevorzugt analytisch denken, können hervorragende Führungskräfte sein. Doch da sie sich auch im Selbstmarketing eher zurückhalten, werden sie häufig übersehen. Was steht ihnen eigentlich genau im Weg?

1. Verhaltensdimension: Gewissenhaft

Dass introvertierte Menschen sich eher strafvermeidungsorientiert als belohnungsorientiert verhalten, erschwert die Motivation von außen. Nach dem DISG-Quadranten-Modell befinden sich methodische Denker bevorzugt im Quadrant ‚G‘, der für ‚gewissenhaft‘ steht.  Eine Eigenschaft, die nicht nur in der Wissenschaft gefragt ist, sondern zunehmend auch in Führung und Vertrieb. Mit dem hehren Anspruch gehen allerdings auch Vorsicht und Skepsis einher. Letzteres vor allem gegenüber dem als unseriös wahrgenommenen ‚Selbstmarketing‘.

Der „Kluge-Köpfe-hoch!“-Tipp: Betrachten Sie Selbstmarketing als Wissenschaft. Gut, ein bisschen Kunst ist dabei. Aber Musik ist ja auch nur Mathematik. Experimentieren Sie. Sie sind Ihr bester Proband.

Für Personalverantwortliche: Schauen und hören Sie bei Kandidaten und Kandidatinnen genau hin. Moderne Führungskräfte sind Coaches. Zurückhaltung ist da sogar förderlich.

2. Kommunikationsstil: Zahlen, Daten, Fakten

Ein Nobelpreisträger mit Professur lehrte seine Studierenden, indem er eine mathematische Aufgabe an die Tafel schrieb, kurz innehielt und dann die Lösung dazuschrieb. Er kündigte einen weiteren Lösungsweg an – und schrieb dann, stumm, dieselbe Zahl hinter das Gleichheitszeichen. Derartige didaktische Methoden kann sich inzwischen selbst im Bildungssektor kaum noch jemand leisten. In der Wirtschaft bedeutet Kommunikation neben Wissensvermittlung auch emotionale Überzeugungsarbeit, das Verkaufen von Projekten, Ideen und der eigenen Leistung.

Der „Kluge-Köpfe-hoch!“-Tipp: Machen Sie sich bewusst, dass Sie eigene und gemeinsame Ziele durch Kommunikation mit und vor anderen Menschen erreichen. Üben Sie und finden Sie Ihre Freude daran.

Für Personalverantwortliche: Fördern Sie kluges Potential mit gezieltem Kommunikationstraining und Coaching.

3. Beziehungsstil: Eins zu eins

Dass schüchterne Menschen loyale Partner sind, zählt definitiv zu ihren Stärken. Doch im Berufsleben sind sie in die Organisation, in Abteilungen und Teams eingebunden. Das kann einschüchtern, muss es aber nicht. Selbst die körpereigene Produktion des Dominanzhormons Testosteron (auch für Frauen beruflich vorteilhaft) ist trainierbar. Unkontrollierbarem Leistungsstress und damit der übermäßigen Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, lässt sich vorbeugen. Je höher Sie in der Hierarchie sind, desto stressfreier (wissenschaftlich erwiesen) leben und arbeiten Sie.

Der „Kluge-Köpfe-hoch!“-Tipp: Durchdachtes Selbstmarketing bedeutet Persönlichkeits- und Strategie-Entwicklung. Darauf zu verzichten wäre unklug.

Für Personalverantwortliche: Eher zurückhaltende kluge Köpfe mit entwickeltem Selbstbewusstsein sind nicht nur führungsfähig, sie machen ein Unternehmen auch zukunftsfähig.