UnstatistikDie armen Millionäre


Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet – Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


„Ein Prozent der Weltbevölkerung hat mehr als alle anderen“,betitelte Zeit.de einen Artikel über die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen. Die Online-Ausgabe der Wochenzeitung war nicht das einzige Medium, dass eine Statistik des internationalen Oxfam-Verbundes so wiedergegeben hat. Die Oxfam-Daten gehen auf den Global Wealth Report der Schweizer Großbank Credit Suisse zurück.

Die Unstatistik hat erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Befundes. Es sei die Definition von Vermögen, die den Bericht der Bank als Zeugen für die weltweite Vermögensverteilung unglaubwürdig mache. „Denn Vermögen ist hier definiert als Bruttovermögen minus Schulden, und damit für rund ein Zehntel der Weltbevölkerung negativ“, schreiben die Unstatistiker.

Damit gehörten zu den Armen „auch Währungsspekulanten, die sich verzockt haben, gescheiterte Immobilienhaie oder ganz allgemein: Millionen Reiche, die es sich leisten können, hohe Schulden zu machen.“ Dagegen würden etwa Tagelöhner aus Indien, sofern sie eine Hütte und ein paar Ziegen besäßen, schon zu den reicheren Menschen auf dem Planeten gezählt.

„Die ungleiche Verteilung von Reichtum und Vermögen auf der Welt ist sicherlich ein Problem. Mit ungeeigneten Statistiken trägt man zu dessen Lösung jedoch wenig bei“, schlussfolgert die Unstatistik.