Business as usualDer vermeidbare Verlust eines Leistungsträgers

Symbolbild ExpatGetty Images

Diana und Carsten sind eines dieser Powerpaare, die es immer mal wieder gibt: beide Ex-Leistungssportler, beide sehr erfolgreich. Internationales Studium, Direkteinstieg in einem deutschen Großkonzern und dann in schnellen Schritten die Karriereleiter hoch. Die beiden Kinder kamen fast geräuschlos nebenher und ohne dass es einen sichtbaren Karriereknick gegeben hätte. Das jedoch nur deshalb, weil Diana und Carsten sich immer als Team verstanden haben.

In dem Konzern, in dem beide arbeiten, ist ein mehrjähriger Auslandsaufenthalt obligatorisch für alle, die hoch hinaus wollen. Als Carsten eine interessante Position in Südamerika angeboten wurde, war der Vorlauf von sechs Wochen für eine Familie mit zwei Grundschulkindern eher knapp bemessen. Dennoch haben die beiden nach kurzem Überlegen zugesagt, allerdings unter einer Bedingung: Es würde eine angemessene Stelle für Diana gefunden. Und ab dann ging alles schief.

Die neue Capital

Zunächst bot die zuständige Personalbetreuerin ihr zwei so wenig attraktive Posten an, dass Diana sich wie üblich selbst kümmerte. Nachdem dann – ohne dass Diana schon eine Stelle hatte – der Container mit dem gesamten Hausstand verschifft war und die Familie auf einem Matratzenlager auf die Abreise wartete, verschob man Carstens Start um einen Monat. Und untersagte kurzerhand den Umzug zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt, wodurch die Kinder den Schulstart verpassten.

Das brachte die Familie so aus dem Takt, dass sie kurzerhand überlegte, alles abzusagen. Diana fühlte sich mit ihren Kindern behandelt wie ein lästiges Anhängsel: keine Unterstützung, Informationen nur auf penetrante Nachfrage und das Gefühl, dass es nur darum ging, dass Carsten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war.

Als Diana von einer Vakanz bei einem anderen Unternehmen vor Ort hörte, überlegte sie nicht lange und führte Gespräche. Sie wurde zuvorkommend behandelt, eine einzige Ansprechpartnerin begleitete den gesamten Prozess – und was am Ende wirklich den Unterschied machte, waren all die kleinen Dinge, die für eine Familie in dieser Situation elementar wichtig sind: Man zeigte sich flexibel und ließ Diana umziehen und ihre Kinder einschulen, bevor sie vier Wochen später ihren neuen Job anfing. Sie wechselte.

Die Geschichte ist ein extremes Beispiel, aber sie zeigt: Es reicht heute für Unternehmen nicht mehr, ihre Führungskräfte nach Bedarf hin- und herzuschicken und davon auszugehen, dass die Familien das schon mitmachen. Nach mehr als 15 Jahren hat der Konzern eine echte Leistungsträgerin verloren – weil er vor lauter Konzentration auf die logistischen Herausforderungen von Carstens Job die logistischen Herausforderungen einer Doppelverdienerfamilie ignoriert hat.


Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt. Hier finden Sie weitere Folgen von Business as usual