Remote Work6 neue Herausforderungen für Chefs im Homeoffice

Flexible Arbeitszeiten, neue technische Lösungen und Feedback aus der Ferne: Wer als Chef plötzlich ein Team aus dem und im Homeoffice führen muss, sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert. Dabei geht es nicht nur darum, das Wir-Gefühl zu erhalten, sondern auch die Produktivität und Qualität der Arbeit zu wahren.

# 1 Technische Standards sichern

Nicht in jeder Branche sind alle Mitarbeiter schon immer mit Dienstlaptops und -handys ausgestattet gewesen. Sitzt ein ganzes Team, das zuvor komplett auf die Arbeit vor Ort ausgerichtet war, plötzlich im Homeoffice, kann als erstes die technische Ausstattung aller zur Herausforderung werden. Schließlich geht es nicht nur um Notebooks und All-in-one-Drucker, sondern möglicherweise auch um unterschiedlich schnelle Internetverbindungen und damit verbunden die Auswahl der zu nutzenden Software. Auch sind nicht alle Mitarbeiter gleich talentiert, bei Technikproblemen telefonischen oder schriftlichen Anweisungen des IT-Supports zu folgen.

# 2 Kommunikationsfluss gewährleisten

Sind alle im Büro anwesend, wird vieles auf dem kurzen Dienstweg kommuniziert – sprich im Großraumbüro von Schreibtisch zu Schreibtisch zugerufen oder auch beim gemeinsamen Warten vor dem Kaffeeautomaten eben durchgesprochen. Fallen diese Möglichkeiten weg, muss der Informationsfluss untereinander sorgfältiger geplant und geregelt werden, etwa durch sehr regelmäßige Video- und Telefonkonferenzen. Da die Aufmerksamkeitsspanne bei virtuellen Meetings erfahrungsgemäß oft schlechter ist, ist dabei auch das Führen von Protokollen ratsam, um konkrete Ergebnisse festzuhalten. Schließlich geht es oft nicht nur um Brainstorming, sondern um das Einhalten wichtiger Fristen und Vorgaben. Unbedingt geklärt werden muss auch, wer wann erreichbar zu sein hat.

# 3 Team zusammenhalten

Beim über einen längeren Zeitraum getrennt und zuhause arbeiten, drohen nicht nur Vorgesetzte und Mitarbeiter den Draht zueinander zu verlieren, sondern auch die Mitglieder eines Teams untereinander. Hier sind kreative Ideen des Chefs gefragt, wie sich eine Abteilung virtuell zusammenhalten oder gar noch mehr zusammenschweißen lässt. Ob Vorgesetze Onlinespieleabende oder ein gemeinsames Skype-Kochen vorschlagen, hängt sicher auch von der Branche und den sonst üblichen gemeinschaftlichen Aktivitäten ab.

# 4 Gleichgewicht im Team bewahren

Bei Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern ist es wie früher in der Schule: Die Kollegen, die von Natur aus sehr präsent sind, sind die Wortführer. Wer dagegen etwas stiller ist, droht mit seinen Vorschlägen und Argumenten unterzugehen. Ungewohnt vor der Webcam agierend geben sich viele introvertierte Menschen plötzlich nochmal zurückhaltender als sonst. Chefs müssen hier ein gutes Gespür haben, welchen Mitarbeiter sie regelmäßig auch zu bilateralen Telefonaten kontaktieren, um sie stärker einzubeziehen.

# 5 Überblick über Stimmungen haben

Der ideale Chef weiß und interessiert sich natürlich immer dafür, ob es seinen Mitarbeitern auch gut geht. Wird remote gearbeitet, sind dabei derweil noch mal feinere Antennen gefragt. Wird bei der gemeinsamen Fahrt im Aufzug auf die Wie-läuft-es-denn-so -Frage vielleicht ehrlich geantwortet, dass man bei Projekt X gerade etwas in einer Sackgasse stecke, mag das im Videocall vor 20 Kollegen niemand einräumen. Und laboriert weiter allein an seinem Problem, statt nach vorübergehender Unterstützung zu fragen.

# 6 Mitarbeitergespräche führen und neue Mitarbeiter einarbeiten

Videokonferenzen sind generell einfacher und unkomplizierter, wenn man sich bereits kennt. Das Jahresendgespräch mit dem langjährigen Angestellten sollte sich daher vergleichsweise problemlos auch von Homeoffice zu Homeoffice führen lassen. Kniffliger für den Chef ist es dagegen, ein Kündigungsgespräch so zu absolvieren, dass es virtuell nicht noch unschöner wird als so ein Anlass ohnehin schon ist. Auch in einem Vorstellungsgespräch via Skype oder Zoom können sowohl der Vorgesetzte sowie der Bewerber schnell etwas unnahbar oder unsicher wirken. Ist der Kandidat an Bord geholt, kommt für den Chef der vielleicht schwierigste Part: Der neue Mitarbeiter muss sein Team kennenlernen, in fachliche sowie organisatorische Aufgaben eingewiesen und eingebunden werden, aber vor allem auch die Möglichkeit haben, jederzeit Nachfragen zu stellen.

 


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