Aussagen im Check5 Versprechen von Elon Musk – und was aus ihnen geworden ist

Elon Musk ist der Meister der großen Ankündigungen, nicht immer folgen auf Worte dann auch Taten
Elon Musk ist der Meister der großen Ankündigungen, nicht immer folgen auf Worte dann auch TatenIMAGO / Future Image

Die Twitter-Community hat entschieden: Elon Musk soll ein Zehntel seiner Tesla-Aktien verkaufen. Wann und ob der Tesla- und SpaceX-Chef seine Ankündigung wahr macht und die Titel tatsächlich abstößt, bleibt abzuwarten. Ein Blick auf seine bisherigen Aussagen zeigt allerdings: Wer sehen will, dass der reichste Mann der Welt Wort hält, braucht einen langen Atem – und muss sich auf mögliche 180-Grad-Kehrtwenden einstellen.

Capital hat sich fünf der vielen Musk-Versprechen in den vergangenen Jahren näher angeschaut und nachverfolgt, was aus ihnen geworden ist:

Sag, wie hältst du es mit Bitcoin?

Anfang Februar sorgte Elon Musk mit einer Ankündigung für Aufsehen. Der Tesla-Chef gab bekannt, dass sein Konzern rund 1,5 Mrd. Dollar seiner Bargeldreserven in die Kryptowährung Bitcoin umgetauscht habe. Künftig solle es außerdem möglich sein, Tesla-Fahrzeuge mit Bitcoin zu bezahlen.

Knapp drei Monate später vollzog Musk eine Kehrtwende und verkündete das vorübergehende Aus des Vorhabens. Er und sein Konzern seien besorgt über den hohen Verbrauch von fossilen Energieträgern, die für das „Mining“ von und für Transaktionen mit Bitcoin nötig seien, begründete er den Schritt. „Das kann nicht auf Kosten der Umwelt gehen.“

Knapp zwei Wochen zuvor hatte Musk noch Twitter-Chef Jack Dorsey beigepflichtet, der unter Berufung auf einen Bericht von Square und ARK verkündet hatte, die Kryptowährung schaffe Anreize für erneuerbare Energien. Dass für Bitcoin enorm viel Energie aufgewendet wird, auch aus der klimaschädlichen Kohleverstromung, war zu diesem Zeitpunkt – und  auch schon bei Teslas Bitcoin-Entscheidung im Februar – längst bekannt.

Grund für die 180-Grad-Wende könnte eine Bewerbung des E-Autobauers für einen Regierungsauftrag sein. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte Tesla aus Biogas Elektrizität herstellen und dafür Gutschriften der US-Regierung für klimaschädlichere Unternehmen erhalten. Über den Sommer wollte die US-Umweltschutzbehörde, die Bewerbungen von Tesla und sieben weiteren Unternehmen prüfen.

Das letzte Wort ist für Elon Musk über Bitcoin aber noch nicht gesprochen: Im Juni und Juli kündigte er an, Bitcoin-Zahlungen könnten doch akzeptiert werden – vorausgesetzt bei der Erzeugung würden zur Hälfte erneuerbare Energien genutzt. Auch im jüngsten Quartalsbericht stellte Tesla ein Revival des Plans in Aussicht.

Wohneigentum? Braucht Elon Musk (fast) nicht

Im Mai 2020 verlautete Musk auf Twitter: „Ich werde all meinen phsysischen Besitz verkaufen. Werde kein Haus besitzen.“ In einem zweiten Tweet ergänzte er: „Ich brauche das Geld nicht. Ich widme mich nur Mars und Erde. Besitz zieht dich nur runter.“ Anlass für dieses Versprechen war erneut aufbrandende Kritik über den Reichtum des Tesla- und SpaceX-Chefs.

Zum Zeitpunkt des Tweets besaß Musk insgesamt sieben Immobilien, darunter sechs Villen in Los Angeles. Nach und nach kamen die Immobilien im vergangenen Jahr schließlich wirklich unter den Hammer. Die ersten zwei bereits im Juni und im Oktober 2020. Der Großteil von vier Immobilien in Bel Air folgte im Dezember 2020. Insgesamt hat Musk bei seinen sechs Hausverkäufen einen geschätzten Gewinn von 19,2 Mio. Dollar erzielt.

Im vergangenen Juni kündigte er an, von nun an in einem 400-Quadratmeter-Haus zu wohnen, das er von seiner Weltraumfirma SpaceX gemietet habe. Zugegeben im Vergleich zu den Villen vieler anderer Milliardäre und Superreicher ist das faltbare Fertighaus im texanischen Boca China vergleichsweise klein. Ein letztes Haus behalte er aber erst mal, erklärte Musk im vergangenen Juni seiner Twitter-Community. Würde er es verkaufen, würde es noch seltener genutzt werden als jetzt.

Schon fünf Tage später änderte Musk seine Meinung und kündigte an, er wolle das 47-Hektar-große Anwesen in Hillsborough nun doch verkaufen und listete es für 37,5 Mio. Dollar. Wie Bloomberg berichtete ging Musk im Oktober noch einmal um 5 Mio. Dollar im Preis runter – noch gehört das Anwesen aber ihm.

Tesla von der Börse nehmen – oder doch nicht?

Für besonders viel Aufsehen sorgte der Tesla-Chef im August 2018, als er in mehreren Tweets darlegte, wie er seinen Konzern von der Börse nehmen wolle. Jeder Aktionär solle 420 Dollar pro Titel bekommen, außerdem könnten sie Aktionäre von Tesla bleiben, auch wenn der Konzern dann ein Privatunternehmen wäre.

An der Börse lösten die Tweets ein regelrechtes Beben aus: Der Tesla-Kurs rauschte daraufhin um 19 Prozent nach oben. Wegen starker Kursschwankungen setzte die Technologie-Börse Nasdaq den Handel mit den Tesla-Titeln sogar vorübergehend aus.

Kaum zwei Wochen später kündigte Musk schließlich den Rückzug vom Rückzug an. In einem Blogeintrag auf der Tesla-Website unter dem Titel „An der Börse bleiben“ erklärte Musk, er habe lange mit den Investoren über das mögliche Buy-out gesprochen. Die meisten hätten ihm daraufhin gesagt: „Bitte tu das nicht“. Letztendlich habe er dem Konzernvorstand mitgeteilt, „dass ich es für den besseren Weg halte, dass Tesla an der Börse bleibt“.

Das rief wiederum die US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan, die in den Tweets einen Fall von Marktmanipulation sah. Tesla und Musk brummte sie jeweils 20 Mio. Dollar Strafe auf. Musk sollte außerdem das Amt als Aufsichtsratschef niederlegen und künftig jeden Tweet über Tesla von seinem Unternehmen abnicken lassen.

Das 100.000-Auto-Missverständnis

Wenn es um Teslas Erfolg geht, dann sind die Verkaufs- und Produktionszahlen des E-Autobauers entscheidende Indikatoren. Wie hoch diese Zahlen tatsächlich liegen oder künftig liegen sollen, darüber sind sich der CEO und sein Unternehmen aber nur bedingt einig – und manchmal liegen auch 100.000 Autos dazwischen.

Im Februar 2019 kündigte Musk an, bis zum Jahresende werde man 500.000 E-Autos bauen. 2018 waren bei Tesla lediglich 254.530 Fahrzeuge vom Band gelaufen. Das  Produktionsziel für 2019 war also ambitioniert und sorgte insbesondere in den Wirtschaftsmedien für viel Aufsehen. So viel Aufsehen, dass Musk seinen Tweet fünf Stunden später korrigierte: „Damit meine ich natürlich die jährliche Produktionsrate von 2019 […] Die Auslieferungsziele für dieses Jahr liegen immer noch bei 400.000“.

Damit bezog sich Musk auf einen Brief von Tesla an seine Aktionäre. Darin hatte das Unternehmen das Auslieferungsziel nach unten auf maximal 400.000 Fahrzeuge korrigiert. Die US-Börsenaufsicht sah darin eine Verletzung ihrer Auflagen von 2018 und reichte Klage ein. Musk bekam eine Geldstrafe aufgebrummt und wurde verpflichtet, alle Tweets über Teslas Firmendaten von einem Anwalt abnicken zu lassen.

Übrigens: Erst 2020 erreichte Tesla das von Musk ausgegebene Ziel. 2019 liefen 365.232 Fahrzeuge vom Band, 2020 produzierte Tesla knapp 509.737 E-Autos. Ausgeliefert wurden aber nur 499.550 Fahrzeuge – also etwas weniger als die anvisierten 500.000 Autos.

Zu 100 Prozent saubere Energie – irgendwann

Im August 2018 sicherte Musk zu, dass die Tesla Gigafactory in Nevada bis Ende 2019 ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben werde. Damit reagierte er auf die Kritik, der E-Autobauer würde für die Herstellung seiner CO2-armen Fahrzeuge mehr Energie verbrauchen als herkömmliche Autobauer. Zweifler aus dem Lager der fossilen Brennstoffe würden „diesen Mist schon seit Jahren“ behaupten, erwiderte Musk. „Die Tesla Gigafactory wird bis Ende nächsten Jahres zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien (von Tesla Solar) betrieben werden“, versprach Musk.

Schon 2017 hatte Tesla Pläne für eine 70-Megawatt-Solaranlage auf dem Fabrikdach der Gigafactory angekündigt. 2018 begann der Bau – und noch heute dauern die Bauarbeiten an. Stand August ist die Fläche für Solarstrom von 3,2 Megawatt bereits fertig. Die gesamte Anlage soll Ende 2022 vollendet sein. Musk würde sein Versprechen also immerhin mit drei Jahren Verspätung einhalten.

 


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