Immobilienmarkt Zahl an leerstehenden Mietwohnungen nimmt leicht zu

Noch hält sich der Leerstand in Deutschlands Großstädten in Grenzen
Noch hält sich der Leerstand in Deutschlands Großstädten in Grenzen
© bonn-sequenz / IMAGO
Seit Jahren sind fehlende Wohnungen und hohe Mietpreise in Deutschlands Metropolen ein Ärgernis für Wohnungssuchende und ein Thema in der Politik. Allmählich zeichnet sich aber eine Trendwende ab: Auch sogenannte Schwarmstädte verzeichnen mehr Leerstand

Erstmals seit 14 Jahren ist die Zahl leerstehender Mietwohnungen in Deutschland leicht gestiegen, und das nicht nur in strukturschwachen Abwanderungsregionen, sondern auch einigen Großstädten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Laut Daten der Analysefirma Empirica wuchs der marktaktive Leerstand Ende 2020 – das sind die aktuellsten Zahlen dazu – geringfügig auf rund 611.000 Einheiten. Das sind etwa 8000 Wohnungen mehr als ein Jahr zuvor. Die Leerstandsquote bleibt damit unverändert bei 2,8 Prozent.

Marktaktiv heißt, dass die Wohnungen unmittelbar vermietbar oder mittelfristig aktivierbar sein müssen. Seit 2006 war die Zahl der leerstehenden Wohnungen deutschlandweit kontinuierlich gesunken. Lediglich einige ländliche, unter Abwanderung leidende Regionen hatten steigende Leerstände zu verzeichnen, während die Lage auf den Wohnungsmärkten in den sogenannten Schwarmstädten, die eine hohe Binnenzuwanderung erlebten, angespannter wurde.

Dieses Blatt hat sich nun im Corona-Jahr gewendet. Erstmals seit dem Jahr 2006 steigt der Leerstand jetzt sogar in den Schwarmstädten an: von 98.000 im Vorjahr auf nunmehr 102.000 Wohnungen im Jahr 2020. Die niedrigsten Leerstandsquoten finden sich derzeit in den Städten München und Frankfurt am Main mit 0,2 Prozent sowie Münster mit 0,3 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Pirmasens und Frankfurt an der Oder mit 9,3 beziehungsweise 9,1 Prozent Leerstand.

Bei Angebot und Nachfrage tut sich etwas

Auch wenn der Anstieg des Leerstands in den Schwarmstädten zunächst nur minimal ist, und offen bleibt, ob die Corona-Pandemie die Statistik vorübergehend verzerrt hat, sehen die Experten von Empirica ein weiteres Anzeichen für eine beginnende Trendwende am Wohnungsmarkt. „Die Mieten in den Schwarmstädten wachsen schon seit drei Jahren langsamer als im Umland“, schreiben die Forscher. „Nun deutet auch die Entwicklung der Leerstände auf einen Trendbruch hin.“

Die „Zeiten der großen urbanen Zuzüge“ dürften erstmal vorbei sein, heißt es weiter. Dies zeige nicht zuletzt die seit Jahren anhaltende Zuwanderung in die Speckgürtel. Aber nicht nur die Nachfrageseite entlaste die Wohnungsmärkte der Großstädte. Auch auf der Angebotsseite habe sich etwas getan: Mittlerweile werden in den Schwarmstädten doppelt so viele Wohnungen neu gebaut wie noch vor zehn Jahren. Eine Entlastung ist daher zumindest mittelfristig vorprogrammiert.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de


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