ImmobilienWas das Baukindergeld gebracht hat

Neu errichtete Doppelhäuser in einem Neubaugebiet in Berlin-Pankow
Neu errichtete Doppelhäuser in einem Neubaugebiet in Berlin-PankowIMAGO / photothek

Als die Bundesregierung vor zwei Jahren beschloss, Familien auf dem Weg ins Eigenheim mit dem sogenannten Baukindergeld unter die Arme zu greifen, war das Interesse so groß, dass die Website der staatlichen Förderbank KfW zeitweise in die Knie ging. Binnen weniger Stunden gingen mehr als tausend Anträge ein, innerhalb des ersten Jahres gewährte der Bund insgesamt rund 2,8 Mrd. Euro an Zuschüssen. Damit ist bald Schluss: Nur noch bis Ende März können Familien einen Antrag auf die Förderung stellen. Dann läuft sie planmäßig aus.

Mit dem Baukindergeld unterstützt die Bundesregierung den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Immobilie mit einem jährlichen Zuschuss von 1200 Euro je Kind. Die Förderung läuft über zehn Jahre, in Summe beläuft sie sich also auf 12.000 Euro pro Kind. Zum Start des Programms war nicht nur das Interesse groß, es hagelte auch Kritik: Das Baukindergeld helfe den Falschen, es komme hauptsächlich Familien zugute, die sich ein Eigenheim auch ohne Förderung leisten könnten. Andere warnten, das Programm treibe die Preisspirale auf dem Wohnungsmarkt weiter an, weil Verkäufer die Prämie auf den Verkaufspreis aufschlagen würden.

Wichtiger Finanzierungsbaustein

Die KfW hat nun, kurz vor dem Ende des Programms, Bilanz gezogen. Das Ergebnis: Zwischen dem Start der Förderung und Ende vergangenen Jahres hat sie knapp 310.000 Anträge für den staatlichen Eigenheim-Zuschuss bewilligt, mehr als 300.000 Familien floss das Baukindergeld in diesem Zeitraum zu. Die meisten Antragsteller haben ein oder zwei Kinder (85 Prozent) und ein zu versteuerndes Haushalts-Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Euro pro Jahr (75,3 Prozent). Damit liegen sie vom Einkommen her unter dem Bundesdurchschnitt, sind also mitnichten Besserverdiener.

Zuschuss-Zusagen bis Ende 2020 nach Bundesländern/pro 10.000 Einwohner

Die Erfahrungen des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp decken sich mit den Zahlen der KfW. Das Baukindergeld sei während seiner kurzen Lebensdauer für viele Familien zu einem wichtigen Finanzierungsbaustein geworden, sagt Vorstandsmitglied Mirjam Mohr. In fast jedem Beratungsgespräch mit Familien sei die Förderung ein Thema und für Eltern mit mehreren Kindern ein bedeutendes Argument für den Erwerb von Wohneigentum. So bekommen Familien mit drei Kindern im Laufe des Förderzeitraums insgesamt 36.000 Euro vom Staat, rechnet Interhyp vor. Das Programm ermögliche es ihnen damit, Baudarlehen zum Beispiel über Sondertilgungen schneller zurückzuzahlen.

Das Baukindergeld heizt nur die Nachfrage an

Die Kehrseite der Medaille sind die Kosten des Programms für den Staat. Kritiker sagen, das Geld wäre an anderer Stelle besser investiert gewesen. Ob das stimmt, lässt sich rückblickend kaum sagen. Klar ist aber, dass die Kosten der Förderung deutlich höher ausgefallen sind als gedacht. Anfangs war für das Baukindergeld ein Gesamtbudget von 2 Mrd. Euro vorgesehen. Mittlerweile ist der Topf auf 10 Mrd. Euro angeschwollen – Steuergeld, das in erster Linie die Nachfrage anheizt und nicht das Angebot an Wohnraum steigert. Ein größeres Angebot betrachten Marktbeobachter aber als wichtigsten Hebel, um mehr Familien ins Eigenheim zu bringen.

Die Preise für Häuser und Wohnungen haben vielerorts längst ein Niveau erreicht, das sich viele Menschen – ob mit Baukindergeld oder ohne – nicht mehr leisten können. Problematisch ist vor allem die Höhe des Eigenkapitals, das Hausbesitzer in spe mitbringen müssen, um von der Bank ein Darlehen gewährt zu bekommen. Viele Institute fordern, dass Kreditnehmer mindestens zehn Prozent des Kaufpreises plus Kaufnebenkosten als Eigenkapital in die Finanzierung einbringen. Bei Immobilienpreisen von 600.000 Euro aufwärts kommen so schnell sechsstelle Beträge zusammen. Statistisch verfügen 25- bis 34-Jährige in Deutschland aber im Schnitt über kaum mehr als 20.000 Euro. An diesem Problem hat das Baukindergeld nichts geändert: Familien können die Förderung erst dann beantragen, wenn sie bereits in ihr neues Zuhause eingezogen sind. Banken erkennen das Baukindergeld deshalb in der Regel nicht als Eigenkapital an.