ImmobilienSo geht klimafreundlich wohnen

Wohnen auf engstem Raum: Blick in ein Tiny House der Firma Diekmannimago images / Frank Schultze

Wer in den kommenden Jahren ein Eigenheim bauen oder kaufen will, kommt am Thema Nachhaltigkeit kaum vorbei. Der Klimawandel beeinflusst immer stärker auch unsere Art zu wohnen. Doch was genau macht eine nachhaltige Immobilie überhaupt aus? „Es geht um einen Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und soziokulturellem Anspruch“, erklärt Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. So sollte zum Beispiel ein Einfamilienhaus nicht nur für lange Zeit Bestand haben, sondern außerdem mit grüner Energie versorgt werden und aus umweltfreundlichen Materialien bestehen. Zugleich muss die Finanzierung in einem für Normalbürger erschwinglichen Bereich liegen. Auch die Lage des Hauses sollte mit den Ansprüchen des Bauherren kompatibel sein.

Das klingt erst einmal wenig revolutionär. In den vergangenen Jahren haben sich auf dem weiten Feld des nachhaltigen Wohnens allerdings einige Trends herauskristallisiert, die der bisherigen Immobilienlandschaft durchaus etwas Neues hinzufügen könnten.

Eines der bekanntesten Beispiele für nachhaltige Wohntrends dürften sogenannte Tiny Houses sein, Häuser mit einer Grundfläche von 37 Quadratmetern oder weniger. Die Tiny-House-Bewegung stammt aus den USA, im deutschen Sprachraum sind meist Kleinsthäuser auf Rädern gemeint. „Ein Bundesbürger beansprucht heute pro Kopf im Durchschnitt 47 Quadratmeter. Bei einer dreiköpfigen Familie liegt man also schnell bei einer Wohnfläche von mehr als 130 Quadratmetern“, erklärt Uhing. „So ein enormer Platzverbrauch wird in Zukunft einfach nicht mehr möglich sein.“ Vor allem in den Metropolen ist Wohnraummangel seit geraumer Zeit ein Problem. „Mit Hilfe innovativer Bauprojekte werden Haushalte in Zukunft mit weitaus weniger Wohnraum auskommen können“, glaubt Uhing.

Hohe Energieeffizienz mit wenigen Mitteln

Nun sind mobile Winz-Häuschen zwar bei Menschen, die nach alternativen Wohnmodellen suchen, beliebt – aber nicht unbedingt das beste Beispiel für eine intensive Flächennutzung. Eine interessantere Variante des Trends zu weniger Wohnraum kann man beim digitalen „Tag der Architektur NRW“ betrachten: Auf der Website der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen wird unter anderem ein Einfamilienhaus vorgestellt, das mit einer Front von lediglich sechs Metern Breite auskommt. „Der offene Grundriss mit wenig Verkehrsfläche bietet dennoch Platz für eine vierköpfige Familie. Die einfache Form ermöglicht zudem eine hohe Energieeffizienz mit wenigen Mitteln“, erklärt Uhing.

Wer gern ein bisschen mehr Platz hätte und trotzdem nachhaltig wohnen will, stößt rasch auf Begriffe wie Passivhaus, Niedrigenergiehaus, Nullenergiehaus oder Plusenergiehaus. Damit sind Immobilien gemeint, die sich durch einen besonders geringen Energiebedarf pro Quadratmeter und Jahr auszeichnen. „Die Planung solcher Häuser verlangt viel ingenieurtechnische Expertise und ist sicherlich auch zunächst teurer als die Planung eines regulären Hauses“, sagt Uhing. Allerdings haben solche Immobilien den Vorteil, dass Bauherren dafür öffentliche Fördergelder bekommen, etwa von der KfW. „Die zehn bis 15 Prozent mehr Kapital, die für solche Häuser benötigt werden, sind damit schon fast wieder ausgeglichen“, sagt Uhing. Und: Man spart langfristig bei den Energiekosten.

„Wer heute in eine Immobilie investiert, die nicht barrierefrei ist, macht etwas grundlegend falsch“

Ernst Uhing

Langsam aber sicher etabliert sich ein weiterer Nachhaltigkeitstrend in der Immobilienwelt: Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Grün, auch in der Stadt. „Green Architecture findet vor allem dort, wo Grund und Boden rar und teuer sind, großen Anklang“, sagt Uhing. Daraus entstehen Projekte wie der Kö-Bogen II in Düsseldorf, ein Einkaufs- und Bürozentrum, begrünt mit mehr als 30.000 Pflanzen.

Ob Kaufen oder Mieten, klein oder groß, mit Garten oder ohne: Künftige Eigenheim-Besitzer sollten in jedem Fall auf Barrierefreiheit achten. „Wer heute in eine Immobilie investiert, die nicht barrierefrei ist, macht etwas grundlegend falsch“, steht für Uhing fest. Im weitesten Sinne gehöre Barrierefreiheit ebenso zur Nachhaltigkeit wie eine saubere Energieversorgung. „Zum einen wird man selbst älter und ist unter Umständen auf ein barrierefreies zu Hause angewiesen. Und zum anderen sinkt der Wiederverkaufswert eines Gebäudes drastisch, wenn es nicht barrierefrei geplant wurde“, so der Experte.

 

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