ImmobilienImmobilienaktien - hausgemachte Probleme

Ein Mann geht an einem Bauzaun vorbei
Der Bauboom in Deutschland verschreckt Investoren
© Getty Images

Eines Tages wird man Donald Trump die Rechnung für seine Amtszeit präsentieren. Das dürfte in frühestens vier Jahren der Fall sein. Dann wird Bilanz gezogen. Und zwar wirklich erst dann. Und nicht schon Wochen, bevor der Mann seinen Eid als 45. Präsident der Vereinigten Staaten geleistet hat.

Dennoch wird Trump schon jetzt für eine ganze Reihe von Entwicklungen verantwortlich gemacht, beispielsweise für die Kursverluste deutscher Immobilienaktien. Sie zählen nach Ansicht einiger Analysten zu den Verlierern der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Die Begründung: Die US-Zinsen könnten weiter anziehen, wenn Trump seine geplanten Konjunkturprogramme in die Tat umsetzt und damit die Schulden der USA vergrößert und die Inflation steigt. Das hätte auch Auswirkungen auf das Zinsniveau in Europa. Denn höhere Zinsen heißt auch teurere Refinanzierung von Krediten und damit sinkende Gewinne. So weit, so gut.

Regulierung und Bauboom sind die Aktienkiller

Aber, das erklärt nicht, warum die Aktien heimischer Immobilienfirmen schon im Spätsommer, bevor irgendjemand einen Donald Trump ernsthaft als Präsidenten in Erwägung gezogen hat, teils empfindliche Verluste hinnehmen mussten. Und das trotz guter Performance. Etwa die LEG, einer der größten Wohnungsanbieter in Nordrhein-Westfalen mit rund 130.000 Wohneinheiten. Schon im ersten Halbjahr 2016 konnten die Düsseldorfer ihre Mieterlöse um mehr als 16 Prozent steigern. Normalerweise eine Nachricht, die Aktionäre freut, und die Papiere noch wertvoller werden lässt. Stattdessen sank der Kurs der Aktie danach kontinuierlich. Ebenso erging es anderen Wohnungsgiganten, wie Vonovia oder Deutsche Wohnen. Allesamt Unternehmen, die nicht schlecht dastehen.

LEG Immobilien Aktie

LEG Immobilien Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Doch ein ganz anderes Gespenst lässt die Aktionäre erschauern – vor allem ausländische Anleger, die in großer Zahl in deutsches Betongold investiert sind und jede Menge Papiere abgestoßen haben. Was hierzulande als Erfolg gefeiert wird, schreckt Anleger ab. Die Erfolgsbilanz von Politik und Wohnungswirtschaft beim staatlich angekurbelten Wohnungsbau, lässt Aktionäre aufhorchen: Allein 2015 sind fast 250.000 neue Wohnungen an den Markt gekommen; 2016 wurde von Januar bis Oktober der Bau von mehr als 300.000 neuen Wohnungen genehmigt. Das Bundestagswahljahr 2017 tut sein Übriges dazu: So sollen 1,5 Mrd. Euro an Subventionen in den Wohnungsbau fließen.

In den Augen amerikanischer und britischer institutioneller Anleger steuern wir damit auf ein Wohnungsüberangebot zu, was bei abnehmender Nachfrage zu Leerstand oder mindestens sinkenden Mieten führen wird. Bevor das passiert, lieber schnell noch Gewinne kassieren und weg mit den Aktien, lautete das Motto 2016.

Es bleibt abzuwarten, was im gerade begonnenen Jahr passiert – vor allem von staatlicher Seite. Immobilienaktionäre fürchten sich vor weiteren Regulierungen, die an der Dividende knabbern könnten. Dazu gehört die geplante Verschärfung der Mietpreisbremse. So was kommt gar nicht gut an bei Geldgebern – vielleicht sogar noch schlechter als steigende Zinsen. Zumal eine Leitzinserhöhung in der immer noch schwer gebeutelten Eurozone in weiterer Ferne liegt als die Bundestagswahl. Und die kann man prima mit Hilfe von Geschenken an Mieter und Wohnungssuchende gewinnen.


Susanne Osadnik ist freie Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt an dieser Stelle über ImmobilienthemenSusanne Osadnik ist freie Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt an dieser Stelle über den Markt für Immobilien