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Immobilien Besichtigungstermin: Darauf kommt es vor dem Wohnungskauf an

Die Wohnungsbesichtigung ist vor dem Kauf einer Immobilie wichtig
Die Wohnungsbesichtigung ist vor dem Kauf einer Immobilie wichtig
© IMAGO / Shotshop
Wer ein Haus oder eine Wohnung besichtigt, muss in kurzer Zeit wichtige Fragen klären und eventuelle Mängel aufdecken. Wie Interessenten sich am besten vorbereiten und was unbedingt auf die Checkliste für den Termin muss

Der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses ist für viele die größte Investition ihres Lebens. Eine umso wichtigere Rolle spielen deshalb Besichtigungstermine. In diesen meist 30 Minuten müssen Käufer eine Entscheidung treffen, die über den Rest ihres Lebens entscheiden kann.

Oft haben die angehenden Eigentümer pro Immobilie nur zwei Termine, um das Objekt zu inspizieren und sich für das passende Haus oder die passende Wohnung zu entscheiden. In der aktuellen Marktlage ist es in den Ballungsgebieten sogar in vielen Fällen nur ein Termin. Umso wichtiger ist es, gut vorbereitet zum Termin zu erscheinen und jede verfügbare Minute optimal zu nutzen.

So viel wie möglich vorher klären

Weil die Zeit derart begrenzt ist, sollten die künftigen Eigentümer so viel wie möglich klären, noch bevor sie sich die Immobilie ansehen. Dabei kann sich das ein oder andere Ausschlusskriterium auftun, das einen Besichtigungstermin ohnehin überflüssig macht.

Vorab sollten sich Interessenten unbedingt ein detailliertes Exposé geben lassen. Je mehr Informationen daraus hervorgehen, desto besser – mindestens sollten sie aber die Eckdaten wie Baujahr, Wohnfläche und Grundriss kennen. Auch den Energieausweis sollten sich Interessenten vorab zeigen lassen, um eine Vorstellung von den Energiekosten und der Dämmung des Hauses zu gewinnen. Genauso können sie beim Makler bereits vorab nachhorchen, ob die Wohnung vermietet oder bezugsfrei ist.

Sofern die Umgebung der Immobilie nicht vertraut ist, lohnt sich ebenfalls vorab ein Blick auf die Karte. Wenn man selbst in die Immobilie ziehen möchte, lässt sich so genau nachprüfen, wie weit der Weg zur Arbeit, zur Familie oder zu den Freunden ist. Wo ist die nächste Bushaltestelle, wo fährt der nächste Zug? Sind Spielplätze, Kindergärten, Schulen in der Umgebung? Gibt es einen Supermarkt, einen Bäcker, eine Post? Steht das Haus an einer viel befahrenen Hauptstraße oder ist es in einem ruhigen Wohngebiet? All das können Käufer bereits zuvor klären und so Immobilien aussieben.

Objekt bei Tageslicht begutachten

Scheint alles zu passen, geht es beim eigentlichen Termin ans Eingemachte. Es ist wichtig, Wohnungen bei Tageslicht zu besuchen, da etwaige Mängel tagsüber besser sichtbar sind. Im Winter ist ein Termin um 17 Uhr also bereits zu spät. Am besten sollten Interessenten schon etwas früher kommen als vereinbart. So haben sie Gelegenheit, die Wohngegend zu erkunden und das Gebäude auch von außen zu inspizieren.

Der erste Eindruck ist wichtig: Wie sieht die Fassade des Hauses aus? Gibt es irgendwo Risse oder feuchte Stellen, zum Beispiel am Sockel? Blättert der Putz ab? Gibt es Algen- oder Pilzbefall an den Wänden? Auch das Dach sollten Käufer sich genau anschauen. Welchen Zustand haben die Dachziegel? Sind sie eher alt, gibt es geflickte Stellen?

Ein Blick auf die Außenanlagen ist ebenfalls sinnvoll – zum Beispiel auf den Zustand des Gartens und des Gartenzauns sowie der Garage. Ebenso interessant sind die Nachbarhäuser. Gibt es in der Straße abseits des Besichtigungsobjekts nur heruntergekommene Altbauten, so kann das auch den Wert der eigenen Immobilie drücken.

Checkliste

Im Haus oder der Wohnung selbst sollten Kaufinteressenten eine Checkliste und einen Notizblock parat haben, um im Eifer des Gefechts keinen wichtigen Punkt zu vergessen. Beim Eintreten sollten Käufer aber unbedingt auch die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Kommt viel Licht in die Wohnung? Wie ist der Lärmpegel und gibt es eine Schallisolierung? Ist die Raumaufteilung so, wie ich sie mir vorgestellt habe? Zieht es überall oder ist es in der kalten Jahreszeit warm in der Wohnung, obwohl die Heizung zugedreht ist?

Ein Kompass hilft dabei, die Ausrichtung des Gebäudes zu überprüfen. Wohnzimmer und Balkon, die Richtung Norden zeigen, werden zum Beispiel niemals Sonne abbekommen – das wünschen sich die Wenigsten. Bei einem Schlafzimmer dagegen kann der ein oder andere die Nordausrichtung als ganz angenehm empfinden, weil es sich so im Sommer kühler schlafen lässt.

Sanierung verursacht extra Kosten

Außerdem spielt es eine Rolle, wann das Gebäude sowie die Wohnung zuletzt saniert worden sind. Hier sollte man beim Makler nachfragen, wie alt zum Beispiel Dach, Fassade und Fenster sind. In den Räumen sollten die Kaufinteressenten schauen, wann Bad und Küche zuletzt saniert wurden, in welchem Zustand Fliesen, Fugen, die Badezimmerausstattung und die Böden sind.

Alte, rissige Laminatböden sollte man bald ersetzen, ebenso wie durchfeuchtete Fugen. Sollten hier noch Arbeiten anstehen, müssen die neuen Eigentümer große Zusatzkosten einkalkulieren. Das gilt auch für veraltete Heizungsanlagen. Steht die Anlage im Keller bereits seit 29 Jahren, wird sie im Folgejahr vermutlich ersetzt werden müssen.

Auch die Wände sollten sich Käufer genau ansehen. Streich- oder Tapezierarbeiten fallen zwar fast immer an. Aber feuchte Stellen und Schimmelbildung sind problematisch. Da der Laie das mit bloßem Auge oft übersieht lohnt es sich, bei einem zweiten Besichtigungstermin einen Sachverständigen mitzunehmen. Mithilfe spezieller Messgeräte kann er die Feuchtigkeit in der Wand messen.

Auch der Zustand der Türen ist wichtig: Wie alt sind sie? Schließen und öffnen sie alle richtig und ohne lautes Knarzen und Knallen? Nicht zuletzt sind die Heizkörper und ihre Qualität sowie ihr Alter relevant, denn über die Heizkörper kann viel Wärme verloren gehen.

Ob genügend Steckdosen und Lichtschalter im Haus vorhanden sind, und ob sie alle funktionieren, gilt es ebenfalls nachzuprüfen. Gegebenenfalls müssen Eigentümer hier nämlich nachrüsten. Falls Möbel vorhanden sind, sollten Interessenten nachfragen, ob diese drinbleiben sollen und im Preis inkludiert sind. Wichtig ist auch die Frage nach der Internetgeschwindigkeit und dem mobilen Anschluss – auch das ist in Deutschland längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit.

Gemeinschaftsräume, Vorbesitzer und Nachbarn

Zuletzt sollten sich Käufer auch alle Gemeinschaftsräume anschauen: Gibt es einen Dachboden, der eventuell sogar ausgebaut werden kann, eine Waschküche im Keller, einen Fahrradraum und einen Gemeinschaftsgarten? Der Zustand der eigenen Kellerräume ist ebenfalls wichtig, auch diese sollten Käufer vorab nach Feuchtigkeit prüfen.

Interessant ist zudem die Nachbarschaft. Gerade bei Eigentümergemeinschaften ist Harmonie sehr wichtig, darum sollten Käufer versuchen herauszufinden, wer mit ihnen im selben Haus wohnen wird. Sind es eher Rentner oder Studierende? Sind es vor allem Eigentümer oder Mieter? Ein hoher Eigentümeranteil gilt beim Immobilienkauf als positiv, da Eigentümern oft stärker daran gelegen ist, das Gebäude in Schuss zu halten.

Die Beweggründe für den Verkauf und wie lange die Immobilie schon auf dem Markt ist, sind ebenfalls wichtige Fragen an den Makler. Ist eine Wohnung in guter Lage bereits seit zwei Jahren auf dem Markt, sollte der Interessent seine Checkliste vielleicht nochmal durchgehen: Womöglich hat man doch irgendetwas übersehen.


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