VersicherungenWas passiert, wenn mein Versicherer insolvent ist?

Symbolbild InsolvenzIMAGO / Alexander Limbach

Zum „Jahr der Zombie-Versicherer“ rief Axel Kleinlein, Chef der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BDV), das Jahr 2021 in einem Meinungsstück zum vergangenen Jahreswechsel aus. Der Grund für die düstere Prognose: Wegen niedriger Zinsen und riskanter Kapitalanlagen gehe es vielen Lebensversicherern schlecht, teils würden sie nur von den Hilfspaketen der Politik am Leben gehalten. Auch andere Experten gehen davon aus, dass die Branche schrumpfen wird. „Lebensversicherungen droht Pleite“ titelte die „Bild“ nach einem Gespräch mit dem Allianz-Chef über die Lage mancher Häuser. Müssen sich Versicherte Sorgen machen?

Trotz der alarmierenden Schlagzeilen rund um Niedrigzinsen und wachsende Schadenzahlen durch die Häufung von Naturkatastrophen steht die Versicherungsbranche insgesamt nicht schlecht da. Auch die durch die Corona-Krise erwartete große Pleitewelle bei jungen digitalen Versicherungsunternehmen, die noch nicht profitabel sind, ist bisher ausgeblieben. Zwar gerieten einige solcher sogenannten Insurtechs zwischenzeitlich ins Straucheln. Sie konnten sich aber wieder berappeln oder wurden von großen Gesellschaften aufgekauft.

Wann die Rückversicherung greift

Falls doch einmal ein Versicherer in Schieflage gerät, gibt es verschiedene Sicherungsmechanismen, die Verbraucher schützen. Zunächst ist das die Rückversicherung, über die jeder Versicherer seinerseits abgesichert ist. Wenn es zu einer Häufung von Schadensfällen kommt oder einem jungen Versicherungsunternehmen die Investoren abspringen, kann es vorkommen, dass die Versicherung mehr Geld auszahlen muss, als sie über die Beiträge ihrer Kunden einnimmt. Eine solche Krise kann auch durch eigenes Verschulden des Versicherers entstehen, wie im Fall der Mannheimer Leben, die 2003 Insolvenz anmeldete, nachdem sie sich an der Börse verspekuliert hatte.

Sind die Reserven aufgebraucht und die Schulden lassen sich nicht mehr begleichen, dann springt die Rückversicherung ein. Diesen Sicherheitsanker finanziert der Versicherungskunde mit: Bei jedem abgeschlossenen Versicherungsvertrag fließt ein kleiner Teil der Prämie an den Rückversicherer. Der wiederum stellt der Versicherung Geld zur Verfügung, wenn sie ins Schlingern kommt, sodass bei vorübergehenden Schwierigkeiten eine Insolvenz meistens abgewendet werden kann und die Versicherten im Leistungsfall ihr Geld bekommen.

Doppeltes Netz: Protektor und andere Sicherungsfonds

Doch auch wenn es sich nicht nur um vorübergehende Turbulenzen handelt und es tatsächlich zur Pleite kommt, müssen Versicherte in der Regel nicht um ihre Leistungen bangen. Während des Insolvenzverfahrens haben die Ansprüche der Versicherten laut dem Versicherungsaufsichtsgesetzes Vorrang vor denen der anderen Kapitalgeber. Die Aufsichtsbehörde Bafin kümmert sich darum, dass die Interessen der Kunden gewahrt bleiben.

Im Fall der Insolvenz einer deutschen Versicherung springen Sicherungsfonds ein. Bei Lebensversicherern ist das die Auffanggesellschaft Protektor, die vorübergehend dafür sorgt, dass die Verträge weiterlaufen und Leitungen ausgezahlt werden. Aber auch in anderen Bereichen wie der Kfz- oder der Krankenversicherung gibt es entsprechende Fonds zur Sicherung. Nach einer Zeit in einer solchen Auffanggesellschaft werden die Verträge meist an einen anderen Versicherer verkauft.

Wenn einzelne Geschäftsbereiche abgesägt werden

Häufiger als eine Insolvenz kommt es vor, dass Versicherer einen Geschäftsbereich einstellen, der sich für sie nicht mehr lohnt oder ihnen schwer auf der Tasche liegt – meist sind auch in diesem Fall die Lebensversicherungen betroffen. In vielen Fällen entscheiden sich die Gesellschaften dafür, in diesem Bereich kein Neugeschäft mehr zu betreiben und die bestehenden Verträge gesammelt an einen anderen Versicherer oder an eine Abwicklungsplattform zu übertragen.

Dieses Vorgehen, Run-off genannt, steht bei Verbraucherschützern regelmäßig in der Kritik. Denn Verbraucher suchen sich ja meist gezielt ein Unternehmen aus, dem sie das eigene Vermögen anvertrauen, und sind wenig begeistert, wenn Post ins Haus flattert, dass ihr Vertrag nun an eine andere Gesellschaft übergeht. Allerdings gilt auch hier: Die Versicherungsaufsicht prüft in Deutschland jede Bestandsübertragung vorab und genehmigt sie nur dann, wenn diese die Kunden nicht benachteiligt. Wer den Bestand übernimmt, muss also nachweisen, dass ausreichend Kapital zur Verfügung steht, um den Leistungsverpflichtungen gegenüber den Kunden auch in Zukunft nachkommen zu können.

Auch wenn Pleiten von Versicherern künftig häufiger vorkommen könnten als bisher: Verbraucher müssen in Deutschland dank einer guten Absicherung im Fall der Fälle keine Angst vor „Zombies“ haben.

 


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