Geldanlage Was 2018 die höchsten Renditen brachte

Im Herbst ging es deutlich abwärts mit den Kursen an der Frankfurter Börse
Im Herbst ging es deutlich abwärts mit den Kursen an der Frankfurter Börse
© Getty Images
Für Aktionäre war es kein gutes Jahr. Und auch andere Anlageklassen taten sich schwer. Es gab nur wenige Gewinner. Nadine Oberhuber blickt auf ein turbulentes Jahr an den Finanzmärkten

Alle Zeichen standen dieses Jahr auf Grün, zumindest was die Konjunktur angeht. Der Boom, das Wachstum, die steigenden Unternehmensgewinne – überall war davon die Rede, wie gut es der Wirtschaft gerade geht, sowohl weltweit als auch hierzulande. Trotzdem verabschiedet sich das Jahr an den Börsen nun mit ziemlich roten Zahlen. Für Aktienanleger steht fast durchweg ein Minus unterm Strich, wenn sie marktbreit auf einen der großen Indizes gesetzt haben. Ganz egal ob es der deutsche, der europäische, der amerikanische oder der weltweite Aktienindex war: Die Kurse gaben 2018 deutlich nach. In Deutschland und Europa schrieben Indexaktionäre sogar zweistellige Verluste. Das sind die meisten von ihnen gar nicht mehr gewohnt, denn es ist das erste Mal seit 2011, dass die Kurse auf Jahressicht im tiefroten Bereich enden.

In absoluten Zahlen ausgedrückt verloren Sparer mit einem Investment in den Deutschen Aktienindex Dax rund 19 Prozent auf Jahressicht. Sie machten also aus 10.000 Euro Einsatz oder Depotwert im November 2017 bis zu dieser Woche rund 8100 Euro. Jedenfalls wenn man die Kosten einmal großzügig beiseite lässt, denn bezieht man sie ein, bleibt noch weniger übrig. Bei einem Investment in den Eurostoxx sind nun noch 8400 Euro übrig. Etwas besser sieht es für jene aus, die weltweit anlegten in den MSCI World , denen bleiben aktuell gut 9400 von ihren ehemals 10.000 Euro. Und US-Aktien-Anleger gehen dieses Jahr sogar mit 9500 Euro aus dem Jahresrennen. Aktienanleger schafften es also auf breiter Front nicht, ihr Kapital in diesem Jahr mit Indexprodukten zu vermehren.


DAX Index


DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Mit aktiven Fonds übrigens auch nicht, wenn man sich die Performance-Ranglisten ansieht: Von rund 233 Aktivfonds , die auf internationale Large Caps setzen, schnitten über 90 Prozent ebenfalls mit Verlust ab. Nur ein einziger Fonds schaffte ein nennenswertes Plus und das auch nur, indem er auf die Volatilität der Märkte setzte. Gut die Hälfte der weltweit investieren Fonds lief insgesamt sogar noch erheblich schlechter als der Weltindex MSCI World, der rund 5,85 Prozent auf Jahressicht verlor. Und bei den deutschen Aktivfonds sah es nicht viel anders aus: Von 38 gemanagten Fonds, die auf deutsche Großunternehmen setzten, schafften nur sechs Stück ein deutlich positives Ergebnis, weitere sieben fuhren zwar Verluste ein, schlugen sich aber ein klein wenig besser als der Dax mit seinen minus 19 Prozent. Das Gros aber brachte auch nur eine Performance von minus 18 bis minus 35 Prozent zustande. Der Dax gab im laufenden Jahr etwa so viel ab, wie er 2017 gewann. Auch das war angesichts der glänzenden Konjunktur letztlich überraschend.

Auch für Goldanleger war nichts zu holen

In Summe hatten das wohl die wenigsten Anleger erwartet. Das Jahr 2018 werde etwas schwieriger werden als die vorhergehenden, das war die einhellige Meinung zum Ende des letzten Jahres. Sicherlich würden die Turbulenzen zunehmen, war ebenfalls eine verbreitete Annahme und die Volatilität würde steigen. Dennoch erwarteten viele, dass 2018 ein gutes Jahr werden würde. Für die Gesamtwirtschaft war es das ohne Zweifel. Für die Aktienanleger indes nicht.

Doch wie sah es in den übrigen Bereichen aus? Antwort: auch nicht viel besser. Von der stets beschworenen Diversifizierung über verschiedene Anlageklassen profitierten Investoren in diesem Jahr kaum. Denn keine der gängigen Assetklassen schnitt auf Jahressicht positiv ab: Anleihen rentierten, nimmt man den bekannten Euro-Anleihenindex Barclays Euro Aggregate als Referenz, bei minus 0,88 Prozent. Das heißt, dass aus 10.000 Euro Depotwert auf Jahressicht 9910 Euro wurden. Rohstoffe schafften es ebenfalls nicht, sich vom Negativtrend abzukoppeln und landen bei rund minus 7,9 Prozent, macht 9210 Euro. Selbst das Gold geht mit einem Minus von einem Prozent aus dem Rennen, 9900 Euro bleiben also unterm Strich.

Freilich gab es Bereiche, in denen Profianleger Gewinne erzielten, mit einigen Hochzinsanleihen zum Beispiel, vor allem aus den Schwellenländern. Mit Wetten auf fallende Kurse oder mit ausgewählten Nebenwerten und einzelne Technologieaktien (denn selbst der TecDax notierte auf Jahressicht mit 3,1 Prozent im Minus). Mit eher gewagten Anlageklassen und Einzelwerten also, die wegen hoher Kosten oder des höheren Risikos nur begrenzt für Privatanleger taugen und nur als Beimischung, nicht als Grundlage fürs Depot.

Immobilienaktien im Plus

Aber gab es denn gar keine Bereiche, in denen 2018 etwas an den Finanzmärkten zu holen war? Im Grunde warf nur ein Sektor positive Renditen ab: Immobilien . Der Immobilienmarkt befindet sich inzwischen seit mehr als acht Jahren stark im Aufwind und das färbte auch auf die Immobilienaktien ab: Über rund acht Prozent Wertsteigerung im Schnitt können sich Hausbesitzer und Eigentumswohnungskäufer laut IPD Immobilienindex freuen. Die Börsianer erzielten mit dem Immobilienaktienindex Dimax immerhin ein Plus von knapp 5,4 Prozent in diesem Jahr. Sie machten also aus 10.000 Euro Einsatz immerhin rund 10.530 Euro, wenn sie marktbreit auf deutsche Immobilienaktien setzten.

In den vergangenen Wochen zogen viele Anleger schon ihre Konsequenzen aus dem derzeitigen Abwärtsdrall: Viele verkauften bereits größere Aktienpakete, vor allem Privatanleger stießen ihre Papiere massenweise ab. Letzteres gilt für Großinvestoren schon wieder als Kontraindikator: Wenn Privatleute sich im großen Stile von Aktien trennen (was sie üblicherweise erst sehr spät tun), sehen Profis das eher wieder als Einstiegssignal , um sich mit jenen Positionen einzudecken, die bei Panikverkäufen überverkauft werden. Dennoch: Die wenigsten professionellen Großanleger neigen derzeit dazu, Aktien überzugewichten, im Gegenteil. Vor allem die Anteile der Euro-Aktien haben viele in ihren Beständen reduziert.

Angst vor dem Abschwung

Dafür halten die Profis zurzeit so viele Anleihen wie seit 2016 nicht mehr. Zuletzt waren sie kurz nach dem Brexit-Referendum so skeptisch gegenüber den Aktienmärkten wie jetzt und setzten daher stark auf die Festverzinser. In diesen Tagen erwarten sie vor allem ein neues positives Zinssignal der amerikanischen Notenbank Fed und schauen überdies bang auf die Geschäftsklima- und Konjunkturerwartungen. Die Mehrheit der Analysten und Anlageprofis rechnet derzeit damit, dass sich die Konjunktur auch in Amerika im kommenden Jahr abschwächen wird. So pessimistisch war die Stimmung zuletzt im Jahr 2008, dem Jahr der Finanzkrise. Die Angst vor dem kommenden Konjunkturabschwung hat bereits viele vorsichtiger bei der Anlage werden lassen und das ist auch gut so.

Das alles sind deutliche Warnzeichen, auch für Privatanleger. Der grassierende Pessimismus macht es wahrscheinlich, dass der aktuelle Abwärtstrend weiter anhalten wird, mahnen Analysten. So könnten auch weitere Rücksetzer nicht ausgeschlossen sein. Allerdings findet Chefstratege Robert Halver von der Baader Bank: Für 2018 seien die Anleger zu positiv gestimmt gewesen, zeige sich im Rückblick. Auf 2019 aber blickten sie eher zu pessimistisch.

Kursknick nicht überbewerten

Viele lassen sich von den großen Zahlen schrecken: Natürlich sind minus 19 Prozent beim Dax ein schlechtes Jahresergebnis. Und ein ganz anderes als erhofft. Seit 2011 waren die Börsianer schließlich nur positive Ergebnisse gewohnt. Aber es waren auch nicht immer überwältigend positive Zahlen: 2017 lag die Indexperformance zwar bei plus 12 Prozent, aber davor? 6,8 Prozent, 9,5 Prozent, 2,6 Prozent, das war eher mäßig. Die allerbesten Ergebnisse (25 und 30 Prozent plus) fuhr der Dax direkt nach dem letzten Negativergebnis ein, nämlich 2012 und 2013, nachdem er 15 Prozent abgestürzt war. Und der langfristige Blick auf die 30-Jahres-Statistik zeigt: Auf neun negative Jahre kommen immerhin 21 positive. Außerdem gab es seit 1959 nur vier Phasen, in denen zwei negative Dax-Jahre aufeinander folgten, eine davon war der Dotcom-Crash, in dem es sogar drei schlechte Jahre gab. Sonst schloss der Index regelmäßig im Folgejahr wieder im Plus. Und immer wenn die Abstürze besonders groß waren, zogen die Kurse in den Folgejahren mächtig an.

So gesehen muss man den diesjährigen Kursknick allein noch nicht überbewerten. Allerdings muss man die anderen Risikofaktoren im Auge behalten: das Zinsniveau , die Konjunkturaussichten und die politische Gemengelage , die sich zurzeit täglich ändern. Es bleibt also spannend bis zum Jahresende. Wir machen es ebenso spannend: Was Profis erwarten und Anlegern für 2019 empfehlen – lesen Sie in der nächsten Woche an dieser Stelle.


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