Daniel Saurenz Warum Frauen bei der Geldanlage keine Sonderbehandlung brauchen

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Aktienhändlerin an der New Yorker Börse
© dpa
Geldanlage wird Frauen oftmals als komplexer monetärer Hochleistungssport verkauft. Dabei müssen Frauen bei dem Thema nicht als unreife Kinder behandelt werden. Im Gegenteil: Das wichtigste Asset bringen sie ohnehin mit

Wenn es um Geldanlage geht, werden Frauen sehr oft behandelt, als müsste man einem dreibeinigen Pferd Springreiten beibringen. In einschlägigen Foren und Instagram-Posts ist zu lesen, welche Fehler man besser nicht machen sollte. Dazu geht es häufig um Gender-Pay-Gap und die Tatsache, dass Frauen oft weit weniger verdienen als Männer. Und deshalb umso mehr vorsorgen und investieren müssten. Letzteres ist meist großer Unsinn, denn jene Frauen, die leider in sehr schlecht bezahlten Jobs arbeiten, haben am Monatsende meist keine 50 oder 100 Euro für einen Sparplan über. Die finanzielle Vorsorge begänne dort eher bei einer anständigen Bezahlung.

Nein, Frauen müssten beim Investieren und bei der Geldanlage ganz sicher nicht auf spezielle Anlagekonzepte zurückgreifen oder von Influencern an die Hand genommen werden wie unreife Kinder. Der Weg zum klugen Investieren ist einfach. Kopf einschalten, eigene Erfahrungen nutzen und Stärken ausspielen. Denn ausgesprochen viele Studien bescheinigen Frauen ruhiger und besonnener bei der Geldanlage zu agieren. Das ist ein großer Pluspunkt.

Dazu können Frauen ebenso wie Männer mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich fragen, welche Firmen und Geschäftsmodelle tragfähig sind. Was kennt man – von Apple über Lululemon bis Mercedes oder DeLonghi. Welche Branchen sind die dominierenden der nächsten Jahre, was wird unsere Welt dominieren? Aus Erfahrung kann man sagen, dass Frauen bei diesen Fragen seltener die ganz heißen Eisen ausrufen, die aktuell am Markt gespielt werden, sondern mit Weitblick und Ruhe an die Börse rangehen.

Als nächster Joker kommt ins Spiel, dass Frauen mit Volatilität, mit der Unruhe an den Märkten, oftmals viel gelassener umgehen. Märkte fallen, Märkte steigen, aber per Saldo und über die lange Distanz geht es aufwärts. Während viele Männer der Meinung sind, Day-Trading und der Glaube an reine Charttechnik sei der weise Weg, wägen Frauen ab und vertrauen obendrein nicht so oft aggressiven Renditeversprechen. Aktien werfen im Schnitt sieben bis acht Prozent pro Jahr ab, wer intelligent investiert, kann etwas mehr rausholen. Punkt.

Die wesentlichen Hürden für Frauen sind allen Erzählungen nach eher die folgenden drei Fragen: Wo führe ich möglichst einfach mein Depot? Welche Investmentformen wähle ich? Wo kann ich mich über konkrete Produkte informieren, die ich nachvollziehen kann? Am Ende unterscheiden sich die Antworten darauf aber in keiner Weise von jenen, die man Männern gebe würde. Die wichtigste Nachricht für alle Frauen, die sich an Börse warum auch immer nicht rantrauen ist: Am Aktienmarkt wird auch nur mit Wasser gekocht. Viele Börsianer tun so, als hätten sie geheimes Herrschaftswissen. Die drei Zutaten lauten aber gesunder Menschenverstand, Information und geduldiges Umsetzen in konkrete Investments. Dafür braucht man weder rosa Finanzen noch sonstige Frauenfängerei.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com

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