Coinbase-IPOWarum Blockchain-Aktien keine Bitcoin-Alternative sind

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Fans feiern den Börsengang der Kryptohandelsplattform CoinbaseIMAGO / Levine-Roberts

Für viele Investoren steht die laufende Woche ganz im Zeichen des Coinbase-Börsengangs. Die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen ist seit dem 14. April an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert. Das Interesse an der Coinbase-Aktie ist beachtlich, ihre Kursschwankungen sind es auch: Der Referenzpreis lag bei 250 US-Dollar. Investoren trieben den Kurs binnen kürzester Zeit auf fast 430 US-Dollar, von wo aus er am Mittwochabend zunächst wieder um 25 Prozent nachgab.

Firmen, die „irgendwas mit Kryptos“ machen, können sich über ein reges Anleger-Interesse freuen. Etwa die Bitcoin Group aus Herford, die die Handelsplattform bitcoin.de betreibt. Oder Advanced Blockchain, eine Berliner Blockchain-Entwicklungsgesellschaft mit Sitz in Berlin. Die US-Unternehmen Marathon Digital Holdings und Riot Blockchain, die sich auf das Bitcoin-Mining fokussieren. Northern Data, das die Infrastruktur dafür liefert und sich wohl im zweiten Halbjahr an der Nasdaq listen lassen will.

Bitcoin Group Aktie

Bitcoin Group Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Aktien all dieser Firmen haben im Fahrwasser des Bitcoin-Hypes massiv zugelegt. Auf den ersten Blick sind sie eine gute Wahl für Investoren, die am Krypto-Boom teilhaben wollen, denen aber eine Anlage in Digital-Devisen zu riskant ist. Auf den zweiten Blick sind sie aber kein Ersatz für ein Direktinvestment in Kryptowährungen – und auch keine gute Wahl für Krypto-Einsteiger.

Begrenztes Aufwärtspotenzial, unbegrenztes Abwärtspotenzial

Sich einer Anlageklasse über den Aktienmarkt anzunähern, ist eigentlich keine schlechte Idee. Wer etwa Immobilien im Portfolio haben, aber kein Haus kaufen will, greift mitunter zu Aktien börsennotierter Immobiliengesellschaften. Die haben indes den Nachteil, dass sich Anleger damit den Schwankungen des Aktienmarktes aussetzen, statt sich die Sicherheit von Betongold ins Depot zu holen. Bei Krypto-Aktien fällt die Bilanz doppelt schlecht aus: Das Aufwärtspotenzial durch die Korrelation zu Kryptowährungen ist begrenzt. Das Abwärtspotenzial nicht.

Coinbase und Co. haben eine starke Position in einem noch jungen Markt inne und besitzen eine gewisse Marktmacht. Die Krypto-Börse ist vor allem deshalb so gut aufgestellt, weil sie ihren Kunden hohe Spreads abknöpft. Wird der Markt reifer und der Wettbewerb schärfer, dürften die Coinbase-Umsätze schrumpfen, warnt Robert Le, Tech-Analyst bei der Morningstar-Tochter Pitchbook. Zugleich stiegen aller Voraussicht nach die Kosten für Marketing und Vertrieb. „Das setzt die Margen einem signifikanten Abwärtsdruck aus“, sagt Le. Je stärker und nachhaltiger der Aufschwung des Bitcoin und anderer wichtiger Kryptowährungen ausfällt, desto größer dürfte die Konkurrenz für die heutigen Platzhirsche werden. Auf der anderen Seite korrelieren die Aktien von Unternehmen, die im Krypto-Mining oder Krypto-Handel aktiv sind, so stark mit dem Bitcoin, dass sie im Fall eines Absturzes wohl nahezu ungebremst mitgerissen würden.

Das heißt nicht, dass Anleger von Krypto-Aktien generell die Finger lassen sollten. Als spekulatives Investment sind die Titel interessant. Wer sich für Digitalwährungen interessiert, sollte diese aber besser direkt kaufen. Wer dafür zu risikoscheu ist, wird auch mit Krypto-Aktien nicht glücklich. Als Kompromiss kommt ein Investment in Aktien etablierter Unternehmen infrage, die ebenfalls vom Krypto-Hype profitieren. Zum Beispiel Chiphersteller wie Nvidia: Zum Krypto-Mining werden Grafikkarten benötigt – eine Menge davon. Der US-Konzern hat in der laufenden Woche seine Umsatzprognose zu Cryptocurrency Mining Processors, speziellen Grafikkarten zum Schürfen von Ether, deutlich nach oben korrigiert: Statt 50 Mio. US-Dollar hat Nvidia damit im ersten Quartal wohl 150 Mio. US-Dollar umgesetzt. Der Aktienkurs machte nach dieser Nachricht einen Sprung nach oben.

 


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