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Capital erklärt 100-Milliarden-Bewertung: Was Sie zum Coinbase-IPO wissen müssen

Coinbase-CEO Brian Armstrong profitiert stark vom Bitcoin
Coinbase-CEO Brian Armstrong profitiert stark vom Bitcoin
© Alexander Limbach / PR Collage: FFWD / IMAGO
Die Krypto-Handelsplattform Coinbase geht mit großen Erwartungen an die Börse. Wie groß ist das Wachstumspotential, was sind die Risiken und wer sind die Konkurrenten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum IPO

Seit Wochen fiebert die Krypto-Gemeinde auf den Börsengang von Coinbase hin. Am heutigen Mittwoch ist es nun endlich soweit: Das US-Fintech wird unter dem Tickerkürzel COIN den womöglich erfolgreichsten Börsengang des Jahres hinlegen. Experten gehen bei dem sogenannten Direct Listing von einer 100-Milliarden-Dollar-Bewertung aus. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein, erst gestern erreichte der Bitcoin-Preis ein Allzeithoch. Allein im ersten Quartal gewann Coinbase 13 Millionen Nutzer und kommt nun insgesamt auf 56 Millionen.

Dabei ist die 2012 gegründete Handelsplattform nicht einmal die größte Kryptobörse der Welt, die beiden chinesischen Konkurrenten Binance und Huobi Global sind noch größer. Was macht die Firma so attraktiv? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Geschäftszahlen, Unternehmensanteilen und Konkurrenten.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Coinbase?

Gerade in der Hypephase kaufen viele Einsteiger über die Coinbase-App Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Die US-Firma ist dabei auch die Kryptobörse und verdient an Gebühren und einem sogenannten Spread – das ist die Differenz zwischen Ankauf- und Verkaufspreis. Im Schnitt behält die Firma etwa 0,5 Prozent des gehandelten Volumens ein. Im Vergleich zu normalen Börsen ein hoher Wert.

Großes Potential liegt für die Firma im Broker-Segment für große Unternehmen. Dabei werden im Auftrag von Firmen große Mengen an Kryptowährungen gekauft. Das prominenteste Beispiel ist der E-Autobauer Tesla, der Ende 2020 für rund 1,5 Mrd. Dollar Bitcoin gekauft hat. Wie sich später herausstellte , wickelte Coinbase die Transaktion ab.

Insgesamt ist das Unternehmen sehr erfolgreich, CEO Brian Armstrong hat aber noch viel größere Pläne: Innerhalb eines Jahrzehnts, so sagt er voraus, wird die Zahl der Menschen, die die Blockchain-Ökonomie nutzen, von 50 Millionen auf eine Milliarde sprunghaft steigen.

Es kann allerdings auch ein neuer Kryptowinter kommen, dann sinken die Preise und auch die Einnahmen von Coinbase fallen mit dem Markt. In einem Abschwung sinkt in der Regel auch das Kundenwachstum und kann den Handelseinbruch bei den bestehenden Kunden nicht kompensieren.

Wie viel Umsatz macht Coinbase?

2019 setze Coinbase mehr als eine halbe Milliarde Dollar um, bei einem kleinen Verlust von 30 Millionen. Im vergangenen Jahr hat Coinbase seinen Umsatz auf mehr als eine Milliarde verdoppelt und kam auf einen Netto-Gewinn von 322 Mio. Dollar. Ein Großteil davon entfällt auf das letzte Quartal 2020, in dem vor allem der Bitcoin-Kurs massiv gestiegen ist. Vieles deutet darauf hin, als würden die Einnahmen auch 2021 weiter explodieren, denn die Preise und das Handelsvolumen des Bitcoin sind seit Jahresbeginn weiter in die Höhe gegangen.

Kurz vor dem Börsengang legte Coinbase jetzt noch die Zahlen für das erste Quartal 2021 offen: Demnach stieg der Umsatz in diesem Zeitraum auf etwa 1,8 Mrd. US-Dollar von 190,6 Mio. US-Dollar im Vorjahresquartal. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2020.

Wem gehören Unternehmensanteile an Coinbase?

Der größte einzelne Gesellschafter ist Gründer und CEO Brian Armstrong, auch sein Mitgründer Surojit Chatterjee ist großer Teilhaber mit dabei. Zudem sind mit Fred Wilson von Union Square Ventures und Marc Andreessen zwei prominente Geldgeber an dem Unternehmen beteiligt. Die VC-Firma Andreessen Horowitz ist noch einmal mit einem Anteil von 24,6 Prozent an den Class-A-Aktien und 14,2 Prozent an den Class-B-Aktien beteiligt.

Weitere Profiteure sind Tiger Global, Paradigm, Union Square Ventures und Ribbit Capital. Kurios: Auch der Rapper Nas hält Unternehmensanteile , die sich je nach Bewertung auf 100 Mio. Dollar belaufen könnten. Bei dem geplanten Direct Listing gibt das Unternehmen keine neuen Aktien aus, sondern wird direkt an der Börse gelistet.

Wo liegen die Risiken?

Mit einem durchschnittlichen Ertrag von 0,5 Prozent für jeden Kauf und Verkauf liegt Coinbase preislich sehr hoch. Das könne sich die Firma zwar aktuell noch leisten, da es für die meisten seiner Kunden der erste Berührungspunkt mit Kryptowährungen sei, sagte Techaktien-Experte Philipp Klöckner am Wochenende im Doppelgänger-Podcast . Doch langfristig werde die Konkurrenz zunehmen, die Kunden würden sich immer besser mit dem Markt auskennen und möglicherweise zu günstigeren Anbietern wechseln. Das werde die Margen für Coinbase früher oder später drücken. „Die müsste sich eigentlich bei 0,1 oder 0,2 Prozent bewegen“, sagte Klöckner. „Dann wäre Coinbase zwar immer noch profitabel, aber das EBIT würde zunächst dahinschmelzen.“ Ein Markt, der abkühlt, oder eine anstehende Regulierung sind weitere Risiken für das Geschäft von Coinbase.

Wie groß ist das Fintech in Deutschland?

Hierzulande besitzt das Fintech die Coinbase Germany GmbH mit Sitz in Frankfurt. Im Herbst hat es mit dem ehemaligen Manager der Deutschen Börse, Sascha Rangoonwala, einen Deutschland-Chef eingestellt und bemüht sich nach Capital-Informationen bei der Finanzaufsicht Bafin um eine deutsche Lizenz. Bislang macht Coinbase drei Viertel seines Geschäfts auf dem Heimatmarkt. Doch auch Deutschland steht neuerdings im Fokus als einer der wichtigsten Märkte außerhalb der USA.

Wer sind die deutschen Konkurrenten?

Im deutschsprachigen Raum sind auch die internationalen Player Kraken und Binance aktiv. Von den Anbietern aus dem deutschsprachigen Raum ist das österreichische Start-up Bitpanda besonders bekannt, das kürzlich mit mehr als einer Milliarde bewertet wurde.

Die Börse Stuttgart hat mit Bison eine Krypto-App gestartet. Hinter Bitcoin.de steht die börsennotierte Bitcoin Group SE aus dem ostwestfälischen Herford. Dabei handelt es sich allerdings eher im einen Marktplatz, die Nutzer bieten ihre Kryptowährungen zu einem bestimmten Preis an, es ist eine sogenannte Peer-to-Peer-Börse. Das Modell lässt sich eher mit Ebay vergleichen als mit Börsen, bei denen man direkt vom Händler kauft.

Noch ist der Anteil der Kryptoinvestoren gering, doch die globalen Player, Fintechs wie N26 und Scalable Capital und die einheimischen Krypto-Anbieter werden in den kommenden Monaten verstärkt um neue Kunden buhlen.

Hörtipp: Auch das Berliner Start-up Bitwala bietet mit Bitcoin und Ethereum zwei Kryptowährungen an. Wie sie auf Coinbase schaut, dass verrät CEO Kristina Walcker-Mayer im FinanceFWD-Podcast.

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