Kolumne Von Bitcoin bis Biontech: Die Suche nach der goldenen Mitte

Ein Händler an der New Yorker Börse schaut auf einen Monitor: Grüne Anlagen sind an den Märkten gefragt
Ein Händler an der New Yorker Börse schaut auf einen Monitor: Grüne Anlagen sind an den Märkten gefragt
© IMAGO / UPI Photo
Waren die vergangenen zwei Jahre an der Börse nur eine Illusion des billigen Geldes? Die Furcht vor den Parallelen zur Tech-Blase 2000 sind groß

Wiederholt sich Geschichte? Manchmal ja. Im Sport kann dies durchaus passieren. Bayern München hat gleich zweimal ein Champions League-Finale unglücklich verloren, um kurz danach den Pokal doch zu gewinnen. An der Börse aber ist jeder Absturz in der Regel aus einem anderen Holz geschnitzt.

Einmal war es die absurde Bewertung von Firmen, die außer einem Tischkicker und zwei Laptops nicht viel zu bieten hatten, so gesehen eben im Jahr 2000. Damals fanden auch täglich neue Unternehmen den Weg an die Börse von denen man nur grob ahnen konnte, was sie überhaupt produzieren beziehungsweise wie sie Geld verdienen wollten.

Im Jahr 2008 dann platzte die Immobilienblase mit mindestens einem Jahr Vorankündigung, während 2020 Corona als schwarzer Schwan auftauchte. 2022 ist die Lage anders.

Die Notenbanken fahren ihre Geldpolitik so zurück, dass die Märkte sich darauf einstellen können. Natürlich passiert dies nicht ohne Rumpeln, doch die Firmen am Markt haben oftmals durchaus etwas zu bieten. Der Kurs der Netflix-Aktie hat sich jüngst im Kurs halbiert, eine Fortunecity oder Brokat ist sie deswegen aber noch lange nicht. Zoom mag viel zu teuer gewesen sein, Peloton ein Ausreißer und Etsy mit zu viel Phantasie versehen, doch grundsätzlich ist in der aktuellen Lage eine Diskussion erlaubt, ob man diese Aktien im Depot haben kann. 2000 war die Erkenntnis eher, dass 80 Prozent der Firmen am Neuen Markt schlicht Luftnummern waren.

Natürlich sind auch die Zinsen ein Problem, wenn sich eine Wende vollzieht. Doch ein Prozent Leitzins in den USA oder eine Bundesanleihe mit Mikro-Verzinsung sind immer noch nahe an nichts für das Parken von Geld. Insofern sollte man den kalten Entzug, den die Fed probiert nicht zu leicht nehmen. Märkte müssen in Bewertungen aber auch immer hineinwachsen. Dies gilt für die Oberseite, wenn man zu sehr in Euphorie begriffen ist.

Dies gilt aber auch nach unten, wenn Korrekturen einzelne Aktien nur so durchreichen. Hello Fresh, Delivery Hero, Netflix, Shop Apotheke, Biontech, Moderna oder Etsy und Visa und selbst Bitcoin oder Ethereum waren auf ihrem Kursrekordlevel nicht so gut, wie sie gemacht wurden. Aktuell sind sie nach Kurshalbierungen oder mehr aber womöglich nicht so schlecht, wie sie geredet werden. Der Job vieler Investoren in den nächsten Monaten wird sein, die goldene Mitte zu finden.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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