Kolumne Von Biontech bis Varta – der stille Crash am Aktienmarkt

Aktienhändler an der Frankfurter Börse
Aktienhändler an der Frankfurter Börse
© IMAGO / Sven Simon
Am Aktienmarkt ist im Januar 2022 nur auf den ersten Blick alles in Ordnung. Durch die Lupe zeigt sich, dass der Crash vielfach schon begonnen hat

In einer unserer letzten Kolumnen 2021 titelten wir, dass das Aktienjahr 2022 nicht lustig werden dürfte. Die ersten gut zwei Wochen zeigen schon, wie rau das Klima ist. Dabei sieht es beim Dax gar nicht so übel aus. 15.700 Zähler sind ein hohes Level und vor allem fehlen nur 600 Punkte zum Rekordhoch. Im Grunde ist also nichts passiert, ebenso wenig beim Dow Jones und auch der S&P 500 liegt nur fünf Prozent unter seinem Rekordlevel. So weit, so oberflächlich.

Crash an vielen Fronten

Bei Einzeltiteln fliehen manche Investoren aber aus den zuvor massiv gepushten und von vielen privaten Anlegern gehypten Aktien. Eine Gegenüberstellung des Brokers Etoro zeigt, dass der S&P 500 zwar wieder an seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 125 Tage angekommen ist, die Aktienreihe darunter aber schon weit üppiger korrigiert hat. Dies sieht man auch beim deutschen SDax, der zweistellig vom Top entfernt ist und von dessen 2021er-Performance nicht mehr viel übrig ist.

In den USA liegen in der Etoro-Auswertung Aktien wie Etsy, Teladoc, Moderna, Adobe, Zoom, Match Group (Tinder), Airbnb und Paypal zwischen 30 bis 60 Prozent unter Rekordlevel. Dies ist nichts anderes als ein kleiner bis mittelgroßer Crash auf Einzelaktienbasis. In Deutschland sind es mit gleich hohen Abschlägen Biontech, Varta, Nordex, SMA Solar, Hello Fresh, Delivery Hero, Shop Apotheke, Leoni und Zalando und damit geht es quer durch die Indizes.

Zins als Alternative

„Für zehnjährige US-Anleihen sind schon wieder knapp zwei Prozent risikolose Rendite drin und damit eine willkommene Abwechslung zu den noch immer hochbewerteten und mit zahlreichen Risiken konfrontierten Einzelaktien aus der zweiten Reihe“, argumentiert auch Jürgen Molnar in seiner Auswertung für den Broker Robomarkets.

Positiv zu sehen ist dagegen, dass heiß gelaufene und von manchen fälschlich als sichere Häfen titulierte Anlagen umso mehr leiden. Bitcoin oder Ethereum zeichneten sich noch im November durch merkliche Überhitzung aus auf der Stimmungsseite. Mittlerweile sind beide Kryptos auf dem Weg zur Kurshalbierung. „Der Bitcoin war in den letzten Jahren häufig ein Vorlaufindikator für den Aktienmarkt“, merkt Franz-Georg Wenner vom Börsenportal Index-Radar an. Mit einem Vorlauf von gut einem Monat fielen die Kryptos und die Risiko-Aktien folgten.

2022 wird also turbulenter als 2021 und hat schon einiges geliefert. Für Anlegerinnen und Anleger ist das wunderbar, wenn sie bereit sind, Schmerzensgeld zu zahlen. Denn von den Aktien der zweiten Reihe, die es hart getroffen hat, werden einige wieder aufstehen und diese kann man jetzt mit intelligenten Derivateprodukten oder als Aktie selbst gut einsammeln. Denn auch Secunet, Deutsche Wohnen oder Adyen aus dem europäischen Ausland hat es hart getroffen. Qualität strukturiert einzusammeln, ist nun aber das Gebot der Stunde.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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