BörsengangUber stottert sich an die Börse

Ein Schild markiert einen Abholpunkt für den Uber-Fahrdienst am LaGuardia Airport in New York.
Der Fahrdienst Uber geht am 10. Mai an die Börsedpa

Auf der Zielgeraden hat er nochmal kräftig abgebremst. Aus voller Fahrt quasi. Mit einem Ausgabepreis von 45 Dollar stottert sich der Fahrdienstvermittler Uber nun an die Börse. Die Erstnotiz erfolgt am heutigen Freitag, und der Preis für die Aktie steht nun seit Donnerstagabend fest. Zuvor hatten die Verantwortlichen noch mächtig Gas gegeben und mit einem weitaus höheren Preis gerechnet, mit 50 Euro, vielleicht sogar mehr. Auch die Marktbeobachter jubelten vor einigen Wochen noch: Der Börsengang des Fahrdienstleisters habe das Zeug, die spektakulärste Erstnotiz (IPO) aller Zeiten zu werden, so überschlugen sie sich anfangs in ihren Kommentaren. Zumindest bahnbrechend sollte er werden, so viel schien klar. Schließlich ist Uber unangefochtener Marktführer der Fahrdienstvermittler mit vielen Millionen Nutzern und ein echter Herausforderer im globalen Taxigeschäft.

Auf rund 135 Mrd. Dollar schätzten IPO-Experten den Marktwert des Fahrdienstvermittlers deshalb noch vor einiger Zeit. Da gingen sie noch davon aus, dass Uber an der Börse ähnliche Preise erzielen würde wie sein viel kleinerer Konkurrent Lyft. Wie gigantisch diese früheren Bewertungen waren, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass derzeit die drei großen Autobauer General Motors, Fiat Chrysler und Ford zusammen in etwa denselben Wert aufs Parkett bringen. Nur dass Uber selber nichts baut und auch keine riesigen Fabriken weltweit besitzt – es ist eine Community-Plattform ohne eigene Autos und ohne eigene Fahrer, die lediglich eine Provision für das Vermitteln von Fahrten kassiert. Mit den 135 Milliarden aber stand Uber gegen den Rest der amerikanischen Autowelt.

Zumindest noch bis vor kurzer Zeit. In den vergangenen Tagen schalteten dann nicht nur die Analysten, sondern auch Uber selbst einen Gang zurück: Vielleicht würden die Aktien doch nicht so teuer wie gedacht bei den Investoren platziert werden, vielleicht also nicht über 50 Dollar. Kurz vor der Erstnotiz lag die Bookbuildingspanne zur vorbörslichen Preisbildung dann bei nur noch 44 bis 50 Dollar. Wenige Stunden vor der ersten Börsenglocke hieß es sogar, es könne sein, dass eher das untere Ende der Spanne erreicht werde. Schließlich setzte Uber den Preis am Donnerstagabend auf 45 Dollar fest. Das bedeutete dann nicht einmal mehr einen Firmenwert von „rund 90 Mrd. Dollar“, wie es zuvor hieß, sondern 82 Milliarden. Binnen weniger Tage verlor Uber so rund ein Drittel seines zuvor geschätzten Wertes. Zumindest theoretisch ging er verloren.

Der größte Börsengang seit 2014

Am Firmenvermögen selbst änderte sich natürlich nichts. Ebenso wenig an Umsatz und Ertragszahlen. Und auch nicht daran, dass der Fahrdienst bereits im vergangenen Jahr beim Investment von Toyota auf rund 76 Mrd. Dollar taxiert worden war. Zumindest erhielt Toyota bei seinem Einstieg Firmenanteile, aus denen sich rechnerisch dieser Gesamtwert für Uber ergab. Man darf davon ausgehen, dass der Fahrtenvermittler seitdem tatsächlich eher wertvoller geworden ist. Er hat auch seine Kunden- und Nutzerzahlen seitdem weiter gesteigert und in weitere Länder expandiert. Aber es ist weniger wahrscheinlich, dass sich sein Wert seitdem wirklich fast verdoppelt hat. Trotzdem: Mit gut 80 Mrd. Dollar dürfte es für den Titel reichen, einer „der größte Börsengänge seit Alibaba“ zu werden, also seit 2014. Der aufregendste ist es sowieso. Und Uber wird künftig auch in einem Atemzug wie Facebook und Twitter genannt werden, die rund 85 Milliarden beim IPO einsammelten. Rasant erfolgreich war Uber damit dennoch – das Start-up, das gerade einmal zehn Jahre alt ist. Die Frage ist nur, ob der Erfolg auch weit über den IPO hinaus auch bleibt.

Infografik: Der Uber-IPO im Vergleich | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Denn warum haben die Verantwortlichen in letzter Sekunde ihre Erwartungen derart heruntergeschraubt? Weil sie es besser machen wollten als der kleinere Konkurrent Lyft. Der war Ende März aufs Parkett gedüst und hatte dabei Aktien verkauft, die aus ihm ein 24-Mrd.-Dollar-Unternehmen machten. Das entsprach ungefähr dem Zwölffachen von Lyfts Umsatz, der zuletzt bei 2,1 Mrd. Dollar lag. Allerdings waren auch die roten Zahlen recht beachtlich, die der Fahrdienst 2018 schrieb – der ähnlich wie Uber funktioniert. Der Verlust belief sich auf rund 911 Mio. Dollar. Das war dem Publikum beim IPO soweit bekannt.

Dennoch galt Lyft als „heißester IPO“ seit Snapchat. Denn es verdreifachte seinen Umsatz von 2016 bis 2018 auf 2 Mrd. Dollar. Die Wachstumsgeschwindigkeit der Plattform ist enorm, obwohl sie bisher nur in 200 Städten in den USA und Kanada am Markt ist. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Das sagen jedenfalls einige Analysten, die meinen: Gerade der enge regionale Fokus habe den Uber-Herausforderer in so kurzer Zeit wachsen lassen. Der Marktanteil von Lyft in den USA liegt bereits bei rund 28 Prozent. Doch schon ein paar Wochen nach dem IPO korrigierte Lyft seine künftig erwarteten Zahlen nach unten, zumindest diejenigen, die sich auf die Profitabilität beziehen: Der nächste Verlust werde höher ausfallen und wohl die Milliardengrenze durchbrechen. Das machte einige Investoren dann doch ein wenig nachdenklich. Worauf viele ihre Aktien wieder verkauften.