RuhestandWie Rentner an ihre betriebliche Altersvorsorge kommen

Symbolbild Rente
Symbolbild Rentedpa

Wenn die Rente naht, haben die meisten Menschen einiges an Papierkram zu erledigen. Der Antrag an die Deutsche Rentenversicherung, die Mitteilung an den Arbeitgeber, ob man wirklich ausscheidet oder doch erstmal in Teilzeit weiter machen möchte. Und wo verflixt nochmal ist die die Police des privaten Vorsorgeplans? Der komplizierteste Teil ist allerdings die betriebliche Altersvorsorge. Deutsche Arbeitnehmer wechseln im Schnitt alle elf Jahre den Betrieb. In einem Arbeitsleben kommen so mindestens vier Jobwechsel zusammen. Wer bei mehreren Unternehmen in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt hat, muss nun auf Suche gehen. Denn im Gegensatz zur gesetzlichen Rente kommt das Geld nicht einfach nach einem kurzen Antrag aufs Konto.

Generell gilt: Der Arbeitgeber muss den eigenen Mitarbeitern eine Form der Entgeltumwandlung anbieten. Das heißt: Unternehmen und Mitarbeiter zahlen gemeinsam in die bAV ein. Da der Zuschuss des Mitarbeiters vom Bruttogehalt abgeht, spart der Arbeitgeber Sozialversicherungsabgaben. Im Gegenzug muss er seit dem Jahr 2018 15 Prozent des Bruttogehalts zur bAV des Angestellten beisteuern. Je nachdem welche Form der Altersvorsorge der Arbeitgeber damals angeboten hat, kommen angehende Rentner mehr oder weniger schnell ans Geld.

Das Geld von Betrieb und Mitarbeiter kann zum Beispiel in eine Direktversicherung fließen, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds. Über die Form der Anlage entscheidet der Arbeitgeber. Wer eine bestimmte Anlageform bevorzugt, sollte darum schon beim Bewerbungsgespräch nachhaken, wie die bAV im Betrieb funktioniert. Kompliziert wird es, wenn Unternehmen eine bAV über eine Unterstützungskasse oder als Direktzusage anbieten. Bei einer Unterstützungskasse tun sich mehrere Betriebe zusammen, um die Rentenforderungen zu decken. Die Kassen unterliegen aber weder der Versicherungsaufsicht noch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), da sie keinen Rechtsanspruch auf ihre Leistungen gewähren. Sollte die Unterstützungskasse also nicht zahlen können, muss der Arbeitgeber zahlen.

Der angehende Ruheständler ist in der Holschuld

Bei der Direktzusage verpflichtet sich der Arbeitgeber direkt selbst, dem Mitarbeiter später die Rente zu überweisen. Um das stemmen zu können, muss er Rücklagen bilden, aus denen er dann die Rente vieler Mitarbeiter zahlen muss. Spart der Betrieb nicht genug oder investiert das Geld anderweitig, kann ihm schnell das Geld für die Rentenzahlungen ausgehen. Im schlimmsten Fall droht dann die Insolvenz. „Deswegen nutzen heutzutage meist nur noch sehr große Unternehmen diesen Weg der bAV“, sagt Klaus Stiefermann, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba).

Für den angehenden Rentner gilt in jedem Fall, dass er in der Holschuld ist. Der Arbeitgeber oder die Versicherung muss sich nicht bei ihm melden. Das wäre rein praktisch auch kaum möglich. Schließlich weiß der Arbeitgeber von vor 20 oder 30 Jahren normalerweise nicht, wo ein Ex-Mitarbeiter heute wohnt und wann er in Rente geht. Also müssen Arbeitnehmer, die bei mehreren Betrieben Anspruch auf eine Rente als Direktzusage haben, auf die Suche nach ihren alten Arbeitgebern gehen. Nach all den Jahren ist das gar nicht so leicht – besonders bei kleinen Betrieben. Die haben mittlerweile vielleicht den Namen gewechselt, sich mit einem größeren Konkurrenten zusammengetan oder wurden verkauft. Je kleiner der Betrieb, desto schwerer wird es, ihn zu finden. „Manchmal bleibt den Ehemaligen nichts anderes übrig, als ins Handelsregister zu schauen und dort Akten zu wälzen“, erklärt bAV-Experte Stiefermann.

Ist der Betrieb insolvent gegangen, müssen sich Ex-Mitarbeiter indes nicht um ihre Rente sorgen. In solchen Fällen springt der Pensions-Sicherungsverein (PSVaG) ein. Wer also beim Wälzen der Akten feststellt, dass sein Ex-Arbeitgeber dichtgemacht hat, kann sich an den Verein wenden. Der zahlt allerdings nicht rückwirkend. Betroffene müssen sich darum im besten Fall schon vor der Rente melden. Wer schon drei Jahre Rentner ist und sich dann erst meldet, bekommt kein Geld für die vergangenen drei Jahre.