FondsSo gut meistern ETFs die Corona-Krise

Symbolbild Geldanlage
Symbolbild GeldanlagePixabay

Nach dem Sturz der Aktienkurse im März zeigen sich Anleger langsam wieder optimistisch. Lag der deutsche Leitindex Dax an seinem schwärzesten Tag, dem 17. März, bei 8.441 Punkten, ging es seitdem wieder deutlich bergauf. Ziemlich genau drei Monate später notiert er bei 12.371 Punkten – eine Steigerung um mehr als 45 Prozent. Von der Markterholung hat ein Finanzprodukt ganz besonders profitiert: Exchange-Traded Funds (ETFs). Das zeigen aktuelle Zahlen des Datenanbieters Refinitiv für den ETF-Markt in Europa. ETFs orientieren sich an der Wertentwicklung eines Index und werden unter Anlegern immer beliebter. Denn sie lassen sich in der Regel schnell kaufen und verkaufen, ermöglichen eine breite Risikostreuung und sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds.

Am bekanntesten – und beliebtesten – sind seit jeher ETFs auf Aktienbasis. Im Mai verwalteten Aktien-ETFs in Europa insgesamt 522,8 Mrd. Euro und hatten damit einen Marktanteil von 65 Prozent, zeigt der Refinitiv-Report. Das kann jedoch nicht über ihre eher schwache Performance hinwegtäuschen: 1,2 Mrd. Euro flossen im Mai aus europäischen Aktien-ETFs ab. Der Schock des vorausgegangenen Börsencrashs dürfte vielen Anlegern noch in den Knochen gesteckt haben. Klarer Gewinner des Monats hingegen waren Renten-ETFs. Auf sie verteilte sich zwar nur ein knappes Drittel des Vermögens, jedoch konnten sie im vergangenen Monat Anlegergeld in Höhe von 6,4 Mrd. Euro einsammeln.

Dass Investoren wieder stärker auf Anleihen gesetzt haben, hängt wohl mit der allgemeinen Unsicherheit durch die Covid-19-Pandemie zusammen. Grundsätzlich flüchten Anleger in Krisenzeiten gern in den Rentenmarkt. Schon im März und April hatten sie US-amerikanische und europäische Staatsanleihen vermehrt nachgefragt. Auch die Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ließen die Anleihekurse steigen. Die EZB etwa verkündete im April, auch Anleihen von Staaten ohne Investment-Grade-Status zu kaufen, sprich: Papiere von Ländern wie Italien oder Spanien, die wirtschaftlich besonders tief in der Klemme stecken. Die immer zügellosere Geldpolitik der Notenbanken trieb im Mai vor allem die Nachfrage nach risikoreichen Anleihe-ETFs in die Höhe. Indexfonds auf Unternehmensanleihen sammelten 1,4 Mrd. Euro ein, gefolgt von einer Milliarde Euro für US-amerikanische High-Yield-Bonds und 700 Mio. Euro für ETFs auf Schwellenländeranleihen.

ETF-Branche profitiert von Börsenrally

Auch Rohstoffprodukte kamen bei Anlegern im Mai gut an. Sie verwalteten Ende des Monats eine halbe Milliarde Euro mehr als zu Monatsbeginn. Sachwerte wie Gold sind in Krisenzeiten besonders beliebt. Der Goldpreis ist seit dem 17. März kräftig gestiegen und lag zuletzt bei rund 1726 US-Dollar je Feinunze. Didier Saint-Georges, Investmentexperte beim französischen Vermögensverwalter Carmignac, betrachtet Gold als den großen Gewinner der Coronakrise: „Das Edelmetall profitiert von einem zunehmenden Misstrauen gegenüber Papiergeld, das zurzeit unverhohlen gedruckt wird, um die Staatshaushaltsdefizite zu finanzieren“, sagt er. Die ultralockere Geld- und Fiskalpolitik könnte das Währungssystem destabilisieren, wovon Sachwerte wie Gold profitieren würden.

Insgesamt kletterte das verwaltete Vermögen europäischer ETFs im Mai auf 798,7 Mrd. Euro – ein Anstieg um 20,8 Mrd. im Vergleich zum Vormonat. Diese starke Entwicklung verdanke die ETF-Branche vor allem der kräftigen Markterholung, also den gestiegenen Kursen der zugrundeliegenden Wertpapiere, erklärt Studienautor und Refinitiv-Experte Detlef Glow. Die Märkte hätten sich im Mai teilweise vom Corona-bedingten Lockdown erholt. Allein dadurch sei der Wert von ETFs um 15,5 Mrd. Euro gestiegen. Die Zuflüsse durch Investoren lagen nur bei 5,3 Mrd. Euro. Das zeigt: Zwar sind ETFs nach wie vor Anlegerlieblinge. Verglichen mit den Zuflüssen von 8,7 Mrd. Euro im April wirkte die Begeisterung der Marktteilnehmer jedoch zuletzt eher gedämpft.

 


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