GeldanlageSchwacher Lichtblick für Griechenland

An der Ägäis geht es endlich wieder aufwärts. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Griechenlands im ersten Quartal 2017 noch um 0,5 Prozent geschrumpft war, erwartet die Europäische Kommission für das Gesamtjahr mittlerweile ein Wachstum von rund zwei Prozent. Damit würde die Wirtschaft ähnlich stark wachsen wie in Deutschland. Treibende Kraft dahinter ist der gestiegene private Konsum. Der Aufschwung hat Griechenland auch als Schuldner an den Kapitalmärkten wieder attraktiver gemacht. Im Juli emittierte die griechische Regierung ihre erste Anleihe seit dem Jahr 2014 und konnte sich immerhin 3 Mrd. Euro frisches Geld leihen.

Nicht nur Gläubiger, auch Ratingagenturen zeigen sich optimistisch. Sie stufen Griechenlands Kreditwürdigkeit wieder etwas höher ein. Moody’s hob das Rating des Landes im Juni von „Caa3“ auf „Caa2“ an, Standard & Poor’s (S&P) erhöhte den Ausblick von „stabil“ auf „positiv“. Im August zog die Ratingagentur Fitch nach: Sie benotet Griechenland nun statt mit „CCC“ mit „B-“. Damit gelten griechische Anleihen zwar noch immer als hochspekulativ. Das bessere Rating ermöglicht es Griechenland aber, sich günstiger am Kapitalmarkt zu verschulden als zuvor.

Griechische Aktien notieren sehr niedrig

Die politischen Risiken seien gesunken, das Wirtschaftswachstum stabil, begründeten die Fitch-Experten ihre Entscheidung. Darüber hinaus stimmten die Euro-Gruppe und der Internationale Währungsfonds (IWF) im Juni einem neuen Milliardenkredit für das Mittelmeerland zu. Auch das stützt die griechische Wirtschaft. IWF-Chefin Christine Lagarde lobte Athens Reformkurs und forderte zum wiederholten Mal einen Schuldenschnitt für Griechenland.

Trotz verbesserter Aussichten notieren die Kurse griechischer Aktien noch immer extrem niedrig. Geldanlage-Profis betrachten das als Chance und raten risikofreudigen Investoren zum Einstieg. Privatanleger könnten etwa mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) wie dem „Lyxor FTSE Athex Large Cap“ in den griechischen Aktienmarkt investieren. Das Lyxor-Produkt bildet den Kursverlauf der 25 größten griechischen Blue-Chip-Aktien nach. Der einzige aktuell verfügbare aktiv verwaltete Griechenland-Fonds für deutsche Privatanleger ist der „Hellas Opportunities Fund“, aufgelegt vom Vermögensverwalter Anodos Asset Management.

Weitere Rentenkürzungen und höhere Steuern

Ob sich die griechische Wirtschaft auch im kommenden Jahr gut entwickelt, hängt zumindest teilweise von der deutschen Bundestagswahl Ende September ab. Je nach Ergebnis zeichnen sich nämlich unterschiedliche Folgen für Griechenland ab, sagen Analysten der Schweizer Bank UBS. So könnte eine Koalition aus CDU und FDP die Diskussion um einen „Grexit“ wiederbeleben, also ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Eine Neuauflage der Großen Koalition würde dagegen wohl bedeuten, dass sich an Deutschlands aktuellem Kurs gegenüber der griechischen Regierung nichts ändert. Ein deutlicher Rechtsruck in der deutschen Politik könnte Griechenland auf EU-Ebene schärferen Gegenwind bescheren, etwa in der Flüchtlingsfrage. Noch immer kommen fast täglich neue Flüchtlinge an der griechischen Küste an.

Die Flüchtlingskrise ist nur eine von vielen Herausforderungen, vor denen das südeuropäische Land steht. Bis zum Jahr 2021 muss die Regierung von Alexis Tsipras 4,9 Mrd. Euro einsparen. Das versucht sie unter anderem mit erneuten Rentenkürzungen und höheren Steuern, auch wenn der strikte Sparkurs die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Griechen noch verschärft.

Ausländische Ökonomen heißen das griechische Sparprogramm gut, Griechenlands Bürger weniger. Die von der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und dem IWF forcierte Austeritätspolitik hat das Land in eine soziale Krise gestürzt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit rund 45 Prozent die höchste aller EU-Mitgliedsstaaten. Das zwingt viele gut ausgebildete junge Griechen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Auch die Folgen der fortlaufenden Privatisierung staatlicher Infrastruktur sind noch nicht absehbar. Griechenlands Bevölkerung hat in jedem Fall noch einen langen Weg aus der Krise vor sich.

Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen: