GeldanlageRohstoffe, wie tief wollt Ihr sinken?


Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Wenn Metall auf Metall trifft, sprühen die Funken. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass zuletzt auch der Rohstoffmarkt ein kleines Funkenfeuerwerk erlebte: Dort trafen die Industriemetalle auf die Entscheidung der amerikanischen Notenbank Fed – und die fährt immer noch eine eisenharte Linie. Zwar denkt sie seit Ewigkeiten über eine Zinserhöhung nach, aber bisher kann sie sich nicht dazu durchringen. Hart wie Stahl bleibt sie also in dieser Frage und erteilte der Zinswende erneut eine Absage. Das entfachte bei den Preisen für Aluminium, Kupfer, Blei und Zink ein Kursfeuerwerk. Denn die Enttäuschung über die erneut verschobene Zinswende drückte den Dollar und das macht viele Rohstoffe endlich wieder interessanter.

Denn der sinkende Dollar führt dazu, dass die Währungen vieler Schwellenländer deutlich an Wert gewinnen. Das macht den Kauf von Rohstoffen für sie nun erschwinglicher und wird die Nachfrage anziehen lassen, so das Kalkül der Börsianer. Die Reaktion der Börse folgte prompt: Seit Langem stiegen erstmals wieder die Preisen bei Rohwaren und Industriegütern, bei manchen abrupt um mehrere Prozent. Einige Metalle notierten sogar auf Mehrmonatshöchstständen. Die Freude darüber war groß, zumindest verstiegen sich etliche Marktbeobachter daraufhin zu der These, der große Abschwung bei den Rohstoffpreisen sei nun vorbei. Er habe ja auch lang genug gedauert.

Ist die Wende erfolgt?

Erst im Spätsommer dieses Jahres lotete der Bloomberg Commodity Index seinen vorläufigen Tiefstpunkt aus. Er ist einer der am breitesten angelegten Indizes, der die Preise von 20 Rohstoffen bündelt. Mitte August fiel er auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren. Damit legte er insgesamt die längste Abwärtsphase seit 1999 hin, denn bereits von 2011 an ging es mit dem Rohstoffindex bergab, vier lange Jahre lang. In der Zeit sank er von 174 Punkten auf 85, um knapp 50 Prozent. Selbst der in Euro notierende Bloomberg Commodities Total Return Index verlor in dieser Zeit 30 Prozent. Doch seit Ende August nun klettert der Index zumindest ein wenig wieder bergauf und notiert aktuell bei 87 Punkten. Ist die Wende zum erneuten Kursaufschwung bei den Rohstoffen also erfolgt?

Es sieht so aus, sagen Analysten: Das Schlimmste sei überstanden, sagt etwa der Vermögensverwalter Pimco, der selbst einen zweistelligen Milliardenbetrag am Rohstoffmarkt investiert hat. Die Nachfrage stabilisiere sich, bekräftigt die Investmentbank Morgan Stanley. Und die Landesbank LBBW sieht die Trendwende zwar noch nicht vollzogen, sagt sie aber für 2016 voraus. Im kommenden Jahr würden die Kurse um 10 bis 15 Prozent zulegen.

Das klingt gut. Das Problem ist nur: Eintreffen muss es deswegen noch lange nicht. Denn Skeptiker sind der Meinung, der Markt sei derzeit viel unberechenbarer und schwieriger einzuschätzen als zuvor. Darum sei auch die Richtung unklar, in die es künftig gehen werde. Statt zum großen Rohstoffrun könnte es ebenso gut dazu kommen, dass die Nachfrage trotz Währungsschwankungen verhalten bleibe. Schließlich schwächele die Weltkonjunktur derzeit, deshalb bräuchten viele Länder gar nicht mehr Rohstoffe als sie ohnehin schon am Weltmarkt kauften. Noch sei das Angebot auf vielen Rohstoffteilmärkten jedenfalls erheblich größer als die Abnahmemengen.