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Private Krankenversicherung So gelingt der Wechsel von der PKV in die gesetzliche Kasse

Nach Bruttobeitragseinnahmen ist die Debeka Marktführer bei den privaten Krankenversicherungen
Nach Bruttobeitragseinnahmen ist die Debeka Marktführer bei den privaten Krankenversicherungen
© IMAGO / Schöning
Wer einmal eine private Krankenversicherung abschließt, kann nur schwer wieder zurück in die gesetzliche wechseln. In welchen Fällen eine Rückkehr dennoch gelingen kann

Chefarztbehandlung, nicht mehr ewig auf Termine warten, früher von modernen Behandlungsmethoden profitieren: Die private Krankenversicherung (PKV) lockt mit vielen Versprechungen. In Deutschland können sich allerdings nur Beamte, Selbstständige, Studierende und Angestellte, die mehr als 64.350 Euro brutto im Jahr verdienen, privat versichern. Während insbesondere Beamte von einer privaten Krankenversicherung im Vergleich zur gesetzlichen profitieren, lohnt sich die Police längst nicht für jeden, der die Qual der Wahl hat. Zu den Nachteilen der PKV gehören teure Tarife, hohe Zusatzkosten für die Versicherung weiterer Familienmitglieder und mit der Zeit ansteigende Beiträge, insbesondere im Alter.

Doch was tun, wenn die private Police längst abgeschlossen ist und nun deutlich wird, dass der Tarif nicht mehr zu den eigenen Lebensumständen passt? Zunächst einmal ist es bei den meisten Assekuranzen möglich, die privaten Tarife anzupassen und beispielsweise durch weniger Leistungen die Kosten zu senken. Sollte diese Option bereits ausgeschöpft oder nicht ausreichend sein, können Versicherte nur in bestimmten Fällen von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wechseln.

Das Einkommen senken

Angestellte, die sich für die PKV entschieden haben, kommen aus der Police nur raus, wenn ihr Einkommen unter die Mindestgrenze von 64.350 Euro brutto pro Jahr sinkt. Das bedeutet nicht, dass Angestellte für den Rest ihrer Karriere auf ein hohes Gehalt verzichten müssen. Sie müssen lediglich vorübergehend unter diese Grenze fallen. Das lässt sich beispielsweise mit einem vorübergehenden Wechsel in eine Teilzeitbeschäftigung lösen. Auch ein Sabbatical kann eine Möglichkeit sein, vorausgesetzt der Arbeitgeber ermöglicht einen solchen verlängerten Sonderurlaub.

Wer nahe der Grenze von 64.350 Euro verdient, kann auch versuchen, sein Gehalt über die betriebliche Altersvorsorge zu senken. Nach aktueller Regelung ist es möglich, dort 3384 Euro pro Jahr ohne Sozialabgaben einzuzahlen. Wer es schafft, über diesen Beitrag unter die Mindestgrenze für Privatversicherungen zu rutschen, kann in eine gesetzliche Krankenkasse zurück wechseln. Eine weitere Möglichkeit sind Wertguthaben. Dafür zahlt der Arbeitgeber einen Teil des Gehalts auf ein Langzeitkonto. Mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses geht die Summe an die Deutsche Rentenversicherung. Diese zahlt das Guthaben dann nach und nach aus.

Diese Möglichkeiten schwinden allerdings bei Arbeitnehmern über 55 Jahren. Denn die privaten Kassen wollen möglichst verhindern, dass Versicherte ihr Leben lang von der Assekuranz profitieren – um dann kurz vor den teuren Beiträgen im Alter zurück in die GKV zu flüchten. Ein der wenigen Optionen: Ist der Ehepartner gesetzlich versichert und man selbst verdient nicht mehr als 470 Euro im Monat, ist der Wechseln in die GKV des Partners möglich. Verdient man zu einem späteren Zeitpunkt mehr, darf man dennoch in der gesetzlichen Versicherung bleiben.  

Selbstständige können nicht einfach ihr Einkommen anpassen, um in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln. Ihre Option: der Wechsel in eine Festanstellung. Diese muss dafür zum Hauptberuf werden, das bedeutet, die Festanstellung muss den Hauptanteil aller Einnahmen und der Arbeitszeit ausmachen. Die Selbstständigkeit darf dann entsprechend nur noch eine Nebentätigkeit sein. Wer bereit ist, sein Geschäft vollständig aufzugeben und einen Partner mit GKV hat, kann über die Familienversicherung zur GKV wechseln. Als Folge dürfen Wechsler allerdings nur 570 Euro im Monat bei einem sozialversicherungspflichtigen Job verdienen oder einen Minijob für 520 Euro im Monat ausüben. Ob sich dafür tatsächlich die Aufgabe der Selbstständigkeit lohnt, muss jeder selbst für sich wissen.

Arbeitslosigkeit oder Ausland?

Es gibt auch deutlich drastischere Maßnahmen, über die theoretisch der Wechsel für Versicherte aus der PKV in die GKV gelingen kann. Zum einen besteht die Möglichkeit, sich arbeitslos zu melden – zumindest für Menschen unter 55. Wer Arbeitslosengeld I bezieht, darf sich gesetzlich versichern. Die Nachteile liegen auf der Hand: Arbeitslosigkeit hat eine lange Reihe von Nachteilen, nicht zuletzt auch für die Altersvorsorge. Immerhin: Um die Kasse zu wechseln, reicht es, einen Monat lang das Arbeitslosengeld zu beziehen. Doch Achtung: Nicht jeder hat automatisch Anspruch auf Arbeitslosengeld I, insbesondere Selbstständige sollten prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen hier ein Anspruch besteht.

Wer bereit ist, das Land zu verlassen, kann so ebenfalls aus der PKV austreten: Dafür muss der Wohnsitz für mindestens 12 Monate im europäischen Ausland liegen, oder aber der Job muss für ebendiesen Zeitraum dort verortet sein. Entsprechend müssen sich Verbraucher für den besagten Zeitraum dann auch in dem entsprechenden Land versichern. Bei der Rückkehr nach Deutschland beziehungsweise in einen Job hierzulande ist es möglich, freiwillig Mitglied der GKV zu werden.

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