WertpapierhandelOnlinebroker: nur scheinbar umsonst

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Symbolbild AktienkursGetty Images

Ralf Oetting und Michael Bußhaus machen ihrem ehemaligen Arbeitgeber das Leben schwer. Sie meinen das nicht persönlich, es ist ihr Geschäftsmodell. Die beiden waren mal Geschäftsführer der Onvista Bank. Jetzt haben sie ihren eigenen Onlinebroker gegründet – und greifen die Konkurrenz mit einem breitbeinigen Versprechen an: Justtrade sei „Deutschlands erster Onlinebroker mit komplett kostenfreiem Wertpapierhandel“, verspricht die Werbung. „Wir hatten früher schon mal überlegt, ob wir Brokerage nicht für null Euro anbieten können“, sagt Oetting.

Ähnliches behauptet derzeit eine ganze Reihe neuer Onlinebroker in Deutschland, die sich Trading 212, Etoro, Trade Republic oder Gratisbroker nennen. Sie wollen die Gebühren für den Wertpapierhandel radikal senken oder gar abschaffen. Mit diesem Versprechen greifen sie eine ältere Generation von Onlinebrokern wie Flatex und ING an, die seit den 90er-Jahren die herkömmlichen Banken attackierten. Der Boom ist also bereits die zweite Welle einer Revolution unter den Brokern. „Künftig könnten noch weitere Anbieter auf den Markt kommen“, glaubt Matthias Hübner, Partner und Finanzexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Die Entwicklung überrascht Hübner nicht. „Null-Euro-Broker gibt es bereits in anderen Ländern, Deutschland zieht nur nach.“ Als Pionier gilt in den USA der Anbieter Robinhood, der in seiner Zunft ein regelrechtes Gemetzel ausgelöst hat. Als Reaktion auf seine Preispolitik kündigten im Herbst mehrere klassische US-Broker an, ihre Handelskosten zu senken oder gar zu streichen. Die Kurse der börsennotierten Broker kollabierten daraufhin. Die Investoren hatten verstanden: Da wälzt etwas den Markt um, zumindest in den USA.

Entsprechend vollmundig treten die Robinhood-Pendants auf. „Wir wollen die Investmentwelt demokratisieren“, sagt Dennis Austinat, Deutschlandchef von Etoro. „Ich finde es gut, dass sich Anleger jetzt gegen zu hohe Gebühren wehren“, sagt er.

Wird also eine zweite Brokerrevolution die Gewinner der ersten fressen? Wer sich detaillierter mit den Angeboten beschäftigt, kommt ins Zweifeln. An drei Punkten zeigt sich, dass bei den Versprechen der Neuanbieter Abstriche gemacht werden müssen: an den Kosten, den Handelsplätzen und den Produkten.

Unklare Kosten

Da sind zunächst die Kosten: Mancher Broker erhebt durchaus Gebühren, auch wenn er sie anders nennt. Das Berliner Start-up Trade Republic etwa verlangt eine sogenannte Fremdkostenpauschale, die pro Kauf und Verkauf 1 Euro beträgt – ausgenommen sind nur ETF-Sparpläne. „Wir erheben die Pauschale, um damit etwa die Kosten für die Regulierung zu stemmen“, sagt Gründer Christian Hecker. Diese Gebühr könnte so ähnlich auch bei den klassischen Anbietern anfallen, allerdings sind dort auch die Kosten höher. Onvista-Kunden etwa zahlen mindestens 7 Euro für jede Transaktion.

Manche Neuanbieter verlangen auch Zusatzgebühren für Leistungen wie das Eintragen einer Namensaktie. Bei Justtrade müssen Kunden zudem auch noch Negativzinsen von 0,5 Prozent bezahlen, was ungünstig für Kunden ist, die Geld auf dem Depotkonto liegen lassen. Etoro wiederum verlangt 25 Dollar, wenn Sparer Geld aus dem Depot auf ein anderes Konto umbuchen.