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Verschärfung geplant Obergrenze von 10.000 Euro: Das steckt hinter der Bargeld-Bremse

In anderen EU-Ländern gelten bereits Bargeld-Limits
In anderen EU-Ländern gelten bereits Bargeld-Limits
© IMAGO/Fotostand
Barzahlungen von mehr als 10.000 Euro könnten in Deutschland bald nicht mehr angenommen wrden. Einige Regeln gelten für den Umgang mit so hohen Bargeld-Summen jetzt schon – und im Ausland ist man sowieso viel strenger. Ein Überblick.

In jedem Supermarkt kann man mit Karte zahlen. Bus- und Bahntickets lassen sich per Handy ziehen. Sogar die Bezahlfunktion der Smartwatch nutzen manche gerne im Alltag. Trotzdem gelten die Deutschen noch immer als große Bargeldfans – selbst die Pandemie hat bei vielen keine Liebe für kontaktloses Bezahlen entfacht. So ergab eine Umfrage der Verbraucherzentralen mitten im Corona-Herbst 2021, dass drei von vier Befragten weiterhin gerne wählen möchten, ob sie mit Bargeld oder bargeldlos bezahlen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) will nun eine Begrenzung von Bargeldzahlungen: Sie setzt sich für ein Bargeldlimit von 10.000 Euro ein, um Geldwäsche aus kriminellen Geschäften zu erschweren. Möglicherweise hat sie auch gar keine andere Wahl: Die EU-Staaten diskutieren derzeit, ein EU-weit einheitliches Limit von 10.000 Euro einzuführen. Die europäische Geldwäscherichtlinie könnte laut Handelsblatt – selbst gegen die Stimme Deutschlands – bis Ende des Jahres verabschiedet werden. Deutschland müsste sie dann umsetzen.

10.000 Euro – der Lebensmittel-Wocheneinkauf wäre von einem solchen Limit natürlich nicht betroffen. Trotzdem kritisieren Verbraucherschützer den Vorstoß. Es sei „nicht gut, Bargeldnutzer unter Generalverdacht zu stellen und in ihrem Handeln zu beschränken“, sagte Dorothea Mohn vom „Verbraucherzentrale Bundesverband am Dienstag dem Handelsblatt.

Aber was gilt eigentlich aktuell für das Hantieren mit großen Bargeldsummen? Ein kleiner Überblick. 

Ist mit Bargeld-Limit auch der Besitz von Bargeld gemeint?

Nein, das nicht. Jeder darf so viel Bares unter seiner Matratze horten, wie er will. Das soll sich auch nicht mit der europäischen Richtlinie ändern.

Darf ich derzeit in Deutschland so viel bar bezahlen wie ich will?

Tatsächlich gibt es in Deutschland bislang kein Limit für Zahlungen mit Bargeld. Es gilt lediglich: Wer Beträge von mehr als 10.000 Euro bar bezahlen will – und jemanden findet, der solche Summen auch bar annimmt –, muss seinen Ausweis vorlegen. Der Händler ist verpflichtet, die persönlichen Angaben zu erfassen und aufzubewahren.

Gibt es für bestimmte Dinge strengere Regeln?

Beim Kauf von Edelmetallen wie Gold und Silber greift die Ausweispflicht seit 1. Januar 2020 bereits ab einer Summe von 2000 Euro. Eine generelle Obergrenze für Barzahlung gibt es aber auch hier nicht. Faeser hatte der „Bild am Sonntag“ gesagt, ein 30.000 Euro-Barkauf von Schmuck oder Uhren solle bald der Vergangenheit angehören.

Was gilt bei Immobilien?

Die Bundesregierung hat Ende Oktober ein generelles Bargeldverbot für Immobilienkäufe auf den Weg gebracht. Auch das Bezahlen von Immobilen mit Kryptowährungen oder Rohstoffen soll gleich mitverboten werden. Der Gesetzentwurf muss noch von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. Angestrebt ist eine Gesetzesänderung bis zum Jahresende.

Darf ich unbegrenzt Bargeld aufs Konto einzahlen?

Auch bei Bargeld-Einzahlungen aufs Konto gibt es derzeit kein Limit. Ab einem Betrag von 10.000 Euro gilt aber seit 9. August 2021 eine Nachweispflicht. Das heiß, Banken und Sparkassen müssen von ihren Kunden einen Beleg verlangen, woher das Geld kommt. Als Belege gelten laut Bafin zum Beispiel Kontoauszüge und Barauszahlungsquittungen der Bank, von der das Geld kommt oder Verkaufs- und Rechnungsbelege. Wer Bargeld auf ein Konto bei einer fremden Bank einzahlt, muss schon ab 2500 Euro die Herkunft nachweisen.

Kann ich unbegrenzt Bargeld vom Konto abheben?

Wie hoch das Tageslimit fürs Geldabheben ist, richtet sich nach den Konditionen des jeweiligen Finanzinstituts. Häufig kann man sein Limit als Kunde aber auch aktiv erhöhen. In der Praxis ist das Abheben zudem dadurch beschränkt, dass Geldautomaten nur eine bestimmte Maximalsumme ausspucken, zum Beispiel 1000 Euro. 

Wieviel Bargeld darf ich über die Grenze mitnehmen?

Bei Reisen innerhalb der EU gibt es keine Obergrenzen. Wer mehr als 10.000 Euro mit sich rumschleppt, muss das laut Zoll den Beamten lediglich auf Nachfrage „mündlich anzeigen“. Wer aus einem Nicht-EU-Staat nach Deutschland einreist oder umgekehrt in ein solches ausreist, muss Barmittel dagegen beim Zoll schriftlich anmelden, wenn der Gesamtwert 10.000 Euro überschreitet. Mitgezählt werden neben Geldscheinen und -münzen übrigens auch Goldbarren, Schecks und sonstige Zahlungsanweisungen.

Was gilt beim Bezahlen mit Bargeld in anderen Ländern?

In Europa ist Deutschland mit seinen laxen Bargeld-Regeln eher ein Außenseiter. Denn in den meisten anderen EU-Ländern gibt es bereits ein strenges Limit für Barzahlungen. Die Franzosen und die Spanier etwa dürfen nur bis zu 1000 Euro bar bezahlen, Ausnahmen gibt es bei Zahlungen zwischen Privatpersonen. Deutsche Touristen wiederum dürfen in Frankreich und Spanien bis zu 10.000 Euro bar bezahlen. In Italien gilt ein Bargeld-Limit von 2000 Euro, das am 1. Januar eigentlich auf 1000 Euro gesenkt werden soll. Die neue rechte Regierungschefin Giorgia Meloni hat allerdings zuletzt angekündigt, das Limit auf 10.000 Euro anheben zu wollen.

Einen Überblick über aktuell geltende Regeln in den EU-Ländern gibt das Europäische Verbraucherschutzzentrum (EVZ). Strengere nationale Limits als die für Europa diskutierte 10.000 Euro-Grenze dürften auch nach einer Verabschiedung der entsprechenden Geldwäsche-Richtlinie erhalten bleiben.

Dieser Artikel ist eine Übernahme von stern.de. Für Sie als Leser von Capital.de wird er bis zum 23.11.2022 hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de

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