5 Minuten Geldanlage„Negativzinsen? Gut vorstellbar“


Peter Barkow ist Geschäftsführer der auf Finanz- und Zinsmarktanalyse spezialisierten Unternehmensberatung Barkow Consulting


Capital: Herr Barkow, am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) vermutlich Anleihenaufkäufe in mittlerer dreistelliger Milliardenhöhe bekannt geben. Folgen dann auch Strafzinsen für Privatkunden?

Barkow: Ich kann mir Negativzinsen für größere Guthaben von Privatpersonen sehr gut vorstellen. Darüber hinaus auch, dass Banken an der Gebührenschraube für Konten drehen. Man muss dies schlicht im Kontext der Ertragssituation sehen: Die Sparer türmen rund 1,4 Billionen Euro auf Tagesgeldkonten. Gemessen an den Zinsen, die Banken derzeit bei der EZB oder im Interbankenmarkt erhalten, zahlen die Banken derzeit grob geschätzt rund 4 Mrd. Euro pro Jahr drauf, wenn sie das Geld der Sparer fristenkongruent anlegen.

Ist das eine neue Entwicklung?

Ja, noch bis 2007 konnten sie mit den Tagesgeldanlagen risikolos knapp 4 Mrd. Euro pro Jahr verdienen, in den Jahren kurz vor der Finanzkrise sogar über 10 Mrd. Euro. Ein solches Draufzahlgeschäft wie derzeit hingegen können sie temporär als Marketinginstrument durchhalten, nicht aber auf Dauer. Weil alleine von den Tagesgeldanlagen zudem rund 85 Prozent von Privatkunden stammen und nur rund 15 Prozent von Unternehmen, ändern Negativzinsen für Firmenkunden auch kaum etwas an den Defiziten. Allerdings ist die Debatte über Strafzinsen auch hysterisch, wenn nicht komisch: Den Sparern geht es so gut wie lange nicht.

Inwiefern?

Die Zinsen auf Tagesgeld betragen derzeit im Schnitt rund 0,25 Prozent. Die Teuerung ist aber zuletzt weit schneller gefallen. Saldiert man die durchschnittliche Tagesgeldverzinsung mit der Teuerung, sind die Realzinsen für Sparer zum ersten Mal seit 2010 wieder positiv. Das ist auch gemessen an den Vorkrisenjahren ein eher rares Phänomen. Auch zwischen 2004 und 2007 haben Tagesgeldkunden im Schnitt real Geld verloren.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Monaten im Licht der anstehenden EZB-Entscheidung über weitere Anleihenaufkäufe?

Natürlich ist es schwierig zu beurteilen, welchen Teil der Maßnahmen der Kapitalmarkt bereits vorweggenommen hat. Ich rechne aber mit einem weiteren Rückgang der Tagesgeldzinsen im Tempo der letzten zwei Jahre – also um etwa um einen Basispunkt (0,01 Prozentpunkt) pro Monat gemessen am derzeitigen Niveau von rund 0,25 Prozent für Privatkunden und rund 0,1 Prozent für Firmenkunden.