ExklusivNagarro will im Dezember an die Börse

Nagarro-CEO Manas FuloriaNagarro

Mit Nagarro wird voraussichtlich noch in diesem Jahr ein neuer Name auf der Kurstafel der Börse in Frankfurt erscheinen. Das erfuhr Capital aus Finanzkreisen. Noch ist das Unternehmen ein Teil des IT-Unternehmens Allgeier aus München, doch dessen Hauptversammlung hat am 24. September die Abspaltung beschlossen. Ist diese abgeschlossen, soll das Unternehmen eine eigenständige Börsennotierung erhalten. Schon im Dezember könnte es so weit sein, wie Capital aus Finanzkreisen erfuhr. Für jede Allgeier-Aktie soll es eine Nagarro-Aktie geben. Die Konsortialbanken sind nach Capital-Informationen die Commerzbank und Jefferies.

Nagarro entwickelt vor allem Software für Unternehmen, für deren individuelle Problemstellung es keine passende Standardsoftware gibt. Dies gilt Analysten zufolge noch immer für den Großteil des Softwaremarktes. Das Unternehmen hilft bei der Programmierung neuer Anwendungen und erstellt komplette Prozesse, Design und Architektur. Nagarro spricht deshalb von „Digital Engineering“ in Anlehnung an das weltweit geschätzte „German Engineering“.

Ein richtiger Börsengang wäre die Abspaltung allerdings nicht, denn es werden keine neuen Aktien ausgegeben oder von Altaktionären an den Markt gebracht. Dem Unternehmen fließt daher auch kein frisches Geld zu. Aktuell wird Allgeier mit 673,3 Mio. Euro von der Börse bewertet. Von den 11,18 Millionen Aktien befinden sich rund 60 Prozent im Streubesitz. Wegen der 1:1-Regelung würden also auch 11,18 Millionen Aktien in den Handel einbezogen werden.

Börsengang bringt Vorteile für Nagarro-Aktionäre

In Deutschland gab es in diesem Jahr nur sehr wenig Börsengänge. Der bislang größte Börsenneuling in diesem Jahr in Frankfurt war Ende September Siemens Energy, ebenfalls eine Konzernabspaltung mit einer Notierungsaufnahme ohne Kapitalerhöhung.

„Das Management von Allgeier und Nagarro ist der Überzeugung, dass Nagarro eine deutliche Wertsteigerung erst noch vor sich hat und deshalb eine Abspaltung für die Aktionäre vorteilhaft ist“, erklärte Carl Georg Dürschmidt, Vorstandsvorsitzender von Allgeier. Dürschmidt spricht auch von einer „Chance für Nagarro, als eigenständiges, gelistetes Unternehmen in eine intensive Wachstumsphase einzutreten.“

Geht die Argumentation auf, wären eine neue Allgeier- und eine Nagarro-Aktie in der Summe wertvoller als eine alte Allgeier-Aktie. Investoren scheinen sich auf die Abspaltung schon eingestellt zu haben, die Allgeier-Aktie ist in diesem Jahr um rund 80 Prozent gestiegen.

„Nagarro macht den überwiegenden Teil des Werts der heutigen Allgeier aus“, erläutert Andreas Wolf, Tech-Analyst bei Warburg Research. Derzeit werde die Aktie auf Ebene der eher margenschwachen Allgeier-Gruppe bewertet. „Bei einer oberflächlichen Betrachtung hat die gesamte Gruppe organisch eine etwa unveränderte Umsatzentwicklung bei Ebit-Margen von 2 bis 5 Prozent ausgewiesen. Gleichzeitig waren viele Investoren vor allem an der Nagarro interessiert, haben jedoch aufgrund des beschriebenen Umstands kein Investment getätigt.“ Wolf zufolge könnte sich dies nach der eigenen Börsennotierung ändern: „Bei einem separaten Listing wird das dynamische Wachstum und die zweistelligen Margen der Nagarro durch den Kapitalmarkt eine stärkere Beachtung finden und somit ein faires Pricing der beiden Aktien erleichtert. Das verbessert auch die Möglichkeiten, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.“

Kandidat für den TecDax

Der Vergleich mit anderen Unternehmen lege eine Bewertung von rund 1 Mrd. Euro nahe, erklärt Wolf. Mit solch einer Marktkapitalisierung wäre Nagarro ein Kandidat für den TecDax, dessen zweitkleinster Wert Eckert und Ziegler auf eine Marktkapitalisierung von rund 873 Mio. Euro kommt. Der drittkleinste TecDax-Wert ist Aixtron mit einem Börsenwert von rund 1,2 Mrd. Euro. Allerdings richtet sich die Mitgliedschaft in den Auswahlindizes der Dax-Familie nicht nur nach der Marktkapitalisierung, sondern auch nach dem Handelsvolumen, also der Liquidität einer Aktie. Allgeier-Großaktionär ist CEO Dürschmidt, der laut Refinitiv-Daten 25,04 Prozent des Unternehmens besitzt. Aufsichtsratschef Detlef Dinsel hält 11,8 Prozent. Die Allgeier-Aktie ist in keinem der Dax-Auswahlindizes enthalten.

Nagarro beschäftigt nach eigenen Angaben rund 8400 Mitarbeiter in 25 Ländern und setzte im Vorjahr 402 Mio. Euro um. Als Gewinngröße wird das angepasste Ebitda (adjusted Ebitda) berichtet. Dies ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen und entspricht in etwa dem operativen Cashflow. Bei Nagarro belief sich das angepasste Ebitda im Jahr 2019 laut einer Kapitalmarktpräsentation auf 58 Mio. Euro. Dies entspricht einer Marge von 14,4 Prozent. Nach Steuern verdiente das Unternehmen 30,4 Mio. Euro, was einer Marge von 7,5 Prozent entspricht.

Laut einer Allgeier-Mitteilung vom 10. November strebt die Tochter Nagarro für 2021 eine angepasste Ebitda-Marge im Bereich von rund 15 Prozent an. Der Umsatz soll organisch (also ohne Berücksichtigung von Zukäufen oder Verkäufen) um etwa 15 Prozent steigen. Auf eine Dividendenzahlung können Aktionäre des potenziellen Börsenneuling in nächster Zeit nicht hoffen. „Bis auf weiteres soll keine Dividende ausgeschüttet werden, um alle verfügbaren Mittel und künftigen Gewinne in das weitere Wachstum und die Entwicklung des Unternehmens zu investieren und so den operativen Betrieb zu unterstützen“, sagt Manas Fuloria, CEO von Nagarro.

 


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