GeldanlageNach dem Brexit kommt die Inflation

Drei Monate ist es her, dass die Mehrheit der Briten für den Austritt aus der EU gestimmt hat. Großbritanniens wirtschaftlicher Exitus ist bislang dennoch ausgeblieben. Die britische Wirtschaft hat sich zuletzt sogar besser entwickelt als viele Ökonomen erwartet hatten. „Seit dem Brexit-Entscheid haben sich die Stimmungsindikatoren in Großbritannien deutlich erholt, zum Teil auf bessere Werte als davor“, sagt Katrin Löhken, Volkswirtin der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Die privaten Konsumausgaben sind im August um 1,7 Prozent gewachsen, die Autoindustrie boomt, auch die Tourismusbranche vermeldet gute Zahlen.

Die Brexit-Befürworter triumphieren ob der überraschend guten Lage. Dabei ignorieren sie allerdings die dunklen Wolken, die am Horizont aufziehen. Während die Inflationsrate in der Eurozone trotz aller Bemühungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht steigen will, könnte die Teuerung für Großbritannien nämlich bald zum Problem werden. Sollte es so kommen, dürften der britischen Notenbank die Hände gebunden sein.

In Folge des Brexit-Votums ist das britische Pfund abgestürzt. Das hat die Inflationsrate auf der Insel in die Höhe getrieben. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist sie auf 1,8 Prozent gestiegen. Die Bank of England hat sich ebenso wie die EZB ein Inflationsziel von zwei Prozent gesteckt. Mittlerweile geht sie davon aus, dass die Teuerung mittelfristig über dieses Ziel hinaus steigen wird. Mit dieser Prognose ist sie nicht alleine. So erwartet Tim Stevenson, Spezialist für europäische Aktien beim Fondsanbieter Henderson Global Investors, dass die Inflationsrate in Großbritannien in den kommenden zwölf Monaten auf mehr als drei Prozent steigen wird.

Bank of England steckt in der Zwickmühle

Hohe Inflation kann der Wirtschaft ebenso schaden wie niedrige Inflation. Steigt die Teuerungsrate stark an, kann die Notenbank normalerweise mit einer strafferen Geldpolitik kontern. Für die Bank of England ist das jetzt allerdings kaum möglich: Sie will verhindern, dass das Vereinigte Königreich wegen des Brexit in die Rezession abrutscht, die viele Ökonomen nach dem Anti-EU-Votum prophezeit hatten. Deshalb verfolgt sie eine extrem lockere Geldpolitik.

Auf ihrer Sitzung Mitte September beließ die britische Notenbank den Leitzins bei historisch tiefen 0,25 Prozent und signalisierte, dass die Zinsen bis Jahresende noch weiter sinken könnten. „Eine spürbare Wirtschaftsabschwächung wird der Bank of England reichen, um nochmals expansiver zu agieren“, sagt Löhken. Nur: Gegen die steigende Inflation kann die Notenbank mit dieser Politik nichts ausrichten. Im Gegenteil: Das viele Geld heizt die Entwertung sogar noch an.

Wer in britische Staatsanleihen investiert, sollte einen Teil des Geldes in inflationsindexierte Papiere umschichten, rät Dennis Ehlert, Portfoliomanager beim Anleihespezialisten Bantleon. Die Papiere sind an einen Inflationsindex gekoppelt: Steigt der Index, steigt auch der Kupon der Anleihen. Inflationsindexierte britische Anleihen können nicht nur als Inflationsschutz sinnvoll sein, sondern auch unter Renditegesichtspunkten, sagt Ehlert. Seit dem Brexit-Votum haben Papiere mit zehnjähriger Laufzeit gegenüber herkömmlichen britischen Staatsanleihen einen Mehrertrag von 3,7 Prozentpunkten erzielt. „Wir rechnen kurz- bis mittelfristig mit einer anhaltenden relativen Stärke inflationsindexierter Staatsanleihen gegenüber ihren nominalen Pendants“, sagt der Bantleon-Manager.