Kolumne Mit 50 noch Investieren? Na klar!

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Die 50 scheint eine besondere Altersgrenze zu sein. Oft klingt es so, als ob mit 50 plus das Leben fast vorbei wäre und sich Investieren beispielsweise nicht mehr lohne. Das stimmt nicht; es lohnt sich (fast) in jedem Alter, aus ganz unterschiedlichen Gründen

Ja, die 50. Alle, die schon dieses Jahrzehnt erreicht haben, lernen plötzlich Sätze kennen wie – fast immer ausgesprochen von anderen: Für dein Alter … siehst du aber gut aus! … bis du aber schlank! … hast du viele Pläne! … nimmst du dir aber viel vor! Als ob mit 50 plus das Leben fast vorbei wäre, wir schwach und bequem würden und schlagartig Pläne, Wünsche oder Neues nur noch den unter 50-jährigen zustünden. So klingt das zumindest in meinen Ohren, seit ich die 50 erreicht habe.

In so einem limitierenden Umfeld fragen sich dann freilich Frauen wie Männer auch oft bang: „Kann ich mit 50 Jahren denn noch investieren?“ (Wo doch fast schon mein Leben vorbei ist …?) Die Frage ist keineswegs selten, sondern eher die Regel. Bei der Frage schwingen vordergründig für mich zwei Zweifel mit: Lohnt sich das? Also im Sinne von Rendite erzielen. Und: Kann ich das?

Lohnt sich das und kann ich das?

Eine Geldanlage lohnt sich dann, wenn sie zu den eigenen Lebenszielen passt. Warum will ich überhaupt Geld investieren, bevorzugt in Sachwerte wie Aktien, Immobilien, Land oder Gold? Welches Ziel oder welche Ziele verfolge ich? Und erreiche ich sie mit dieser oder jener Geldanlage? Brauche ich beispielsweise noch ein zusätzliches Renteneinkommen? Oder will ich mein Geld nicht der Inflation überlassen? Oder den Kindern etwas vererben? Oder ein Gewerbe eröffnen? Oder einfach etwas Neues ausprobieren?

Das sind entscheidende Aspekte bei der Beurteilung, ob sich eine Geldanlage „lohnt“ – wie sie uns helfen kann, unsere Lebensziele und -pläne zu erreichen. Immer eingebettet in unsere Risikobereitschaft und finanzielle Risikotragfähigkeit.

Ziele, Pläne, Rendite

Erst danach stellt sich die Frage: Welche Rendite kann ich von welchem Vermögenswert erwarten, in den ich investieren will? Denn jeder Vermögenswert hat seine ganz spezifischen Eigenheiten und historisch andere Renditen, also andere, zu erwartende Erträge. Sie sind vor allem bei Aktien sehr gut wissenschaftlich dokumentiert und ausgewertet, bei Immobilien und Gold nur teilweise.

Nehmen wir Aktien: Hier reichen historische Rendite-Datenreihen fast 200 Jahre zurück. Sie korrespondieren mit jüngeren Datenreihen. Daraus lässt sich besonders eines ableiten: Können wir unser Geld mehr als 13 Jahre in Aktien gebunden lassen? Sie also nicht verkaufen müssen ? Wenn ja, können wir stabile Renditen zwischen sechs und acht Prozent real pro Jahr erwarten. Aber nur dann. Also nur, wenn wir langfristig agieren und die gewählten Aktien mindestens ein Jahrzehnt nicht verkaufen müssen. Sonst nicht. 15 Jahre am Aktienmarkt bezeichne ich deshalb als Börsenphase.

Mit 50 noch zwei Börsenphasen voraus

Die statistische Lebenserwartung in Deutschland beträgt für Frauen, die heute 50 sind, etwa 75 bis 80 Jahre. Bei Männern liegt sie um die 75 Jahre. Tendenz für alle steigend. Ich würde für Frauen mit gesunder Lebensführung von mindestens 85 Lebensjahren ausgehen. Das wären also – gerechnet ab 50 – noch 35 Jahre. Oder zwei Generationen. Oder zwei Börsenphasen. Mindestens. Also noch viel Zeit.

Sogar bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren wäre es ab 50 Jahren noch mindestens eine Börsenphase mit dann sicher erwartbaren Renditen ohne Verluste. Die ein gutes Polster für weitere Anlagejahre wären.

Falsche Vorstellung: Mit Rentenbeginn muss alles verkauft werden

Denn es ist freilich nicht so, dass mit Rentenbeginn schlagartig alle Aktien oder Aktien-ETFs oder Anleihen-ETFs verkauft werden müssten, sollten wir Geld als Rente brauchen. Diese sehr verbreitete Auffassung ist völlig falsch, hält sich aber hartnäckig. Wir entsparen Aktien oder Aktien-ETFs nicht schlagartig, sondern Jahr für Jahr oder in periodischen Zeiträumen, je nachdem, wieviel Geld wir zusätzlich brauchen. Das kann jede und jeder für sich berechnen anhand der eigenen Ausgaben und Einnahmen.

Wäre da noch die zweite, limitierende Frage: Kann ich das? Mit 50 plus?

Die Frage ist: Was will ich

Drehen wir die Fragen um: „Warum kann ich das nicht?“ Unser Gehirn ist so beweglich, dass es auch im höheren Alter Neues lernt und neue neuronale Verbindungen anlegt. Das ist also nicht der Punkt. Der Punkt ist der Wille. Wer nichts lernen will , der lernt auch nichts. Deshalb stellt sich die Frage höchstens so: „Will ich das?“ Will ich das lernen? Eine Charakterfrage, eine Frage der Selbstsicht und Selbstwirksamkeit. Und der eigenen Werte. Was will ich von mir und dem Leben?

Womit wir wieder am Anfang wären und den Zielen, die wir unserem Leben geben.

Die diffuse Angst in der Gegenwart

Es schwingt für mich auch noch etwas Drittes mit bei der Frage nach dem Investieren mit 50: Angst. Angst, sich mit der eigenen Gegenwart auseinanderzusetzen. Denn, wenn wir über Geld nachdenken und damit auch über das Geldanlegen, denken wir über uns nach. Über unser Leben, unsere Wünsche und Bedürfnisse. Tun wir das, stellen wir unser Leben auf den Prüfstand, fangen an zu bilanzieren, hinterfragen, neu zu denken. Das kann Angst machen, weil das Ergebnis ungewiss ist und es Konsequenzen hat. So oder so. Deswegen aber nichts tun?

Meine Antwort auf die Frage: „Mit 50 noch investieren?“ lautet deshalb aus voller Überzeugung: Na klar!

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen.


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