Schoko-AktienKein süßer Jahresausklang für Schoko-Aktien

Corona-Blues für Schoko-Nikoläuse
Corona-Blues für Schoko-Nikoläuseimago images / MiS

Der Lockdown im Frühjahr war der schlanken Linie der Deutschen nicht gerade zuträglich. Angst um Angehörige, Stress im Homeoffice: Viele Menschen haben in dieser Zeit wohl vorübergehend Sorgen mit Süßem zum Schweigen gebracht. Zwischen April und August 2020 wogen die Bundesbürger im Mittel jedenfalls rund ein Kilo mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Das ergab eine Umfrage des Robert-Koch-Instituts.

Ein Kilo klingt zwar nicht nach viel – es handelt sich aber um eine statistisch signifikante Zunahme. Nach dem aktuellen Lockdown könnten die Deutschen im Schnitt sogar noch mehr auf die Waage bringen. Denn während im Frühjahr immerhin das Wetter zum Spazierengehen einlud, fordern jetzt Winterblues und Weihnachten ihren Tribut.

Der Schokoladenindustrie kommt die aktuelle Situation auf den ersten Blick zugute. Dort gehört die Vorweihnachtszeit auch ohne Corona-Frustverzehr zu den umsatzstärksten Zeiten des Jahres. Sollten sich Anleger also Aktien von Schokoladenherstellern unter den Weihnachtsbaum legen? Das kommt auf ihre Renditeziele und ihren Anlagehorizont an. So gut, wie man meinen könnte, geht es den Unternehmen nämlich nicht.

Lockdowns lassen Umsatz schmelzen

Schoko-Aktien gelten als relativ krisenfest, denn die Nachfrage nach Süßem bleibt in schwierigen Zeiten meist stabil. Im Finanzkrisenjahr 2008 stieg der Schokoladenkonsum sogar, im Folgejahr blieb er immerhin konstant. Die spezielle Natur der Corona-Krise mit ihren Lockdowns hat allerdings dazu geführt, dass Schoko-Firmen im laufenden Jahr ein unerwartet schwieriges Geschäftsumfeld vorfanden. Erst fiel das Ostergeschäft nahezu ins Wasser, nun droht auch noch das Weihnachtsgeschäft zum Desaster zu werden.

„Die Hersteller von Saisonsüßwaren befürchten, dass die Abverkäufe im für sie wichtigen Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr aufgrund der abgesagten Weihnachtsmärkte, der leeren Innenstädte, der fehlenden Geschenkanlässe und der selteneren Einkaufsfrequenz deutlich hinter dem Vorjahr zurückbleiben“, sagt Carsten Bernroth, Geschäftsführer des Süßwarenverbands BDSI. Die Kakaovermahlung – wichtigster Indikator für die Nachfrage nach Kakao für die Schokoladenproduktion – ist im dritten Quartal deutlich zurückgegangen: um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Schoko-Aktien erholen sich nur schwer

So durchwachsen wie der Schokoladenabsatz präsentieren sich auch die großen Schoko-Produzenten an der Börse. Beispiel Lindt und Sprüngli: Bei dem Schweizer Unternehmen brach im ersten Halbjahr der Gewinn ein, der Aktienkurs sackte ab. Nach einer rasanten Teil-Erholung im April lief die Aktie monatelang seitwärts, erst seit Dezember zeigt der Trend wieder nach oben. Analysten finden das Papier trotz der Korrektur im laufenden Jahr tendenziell zu teuer.

Lindt & Spruengli AG Aktie

Lindt & Spruengli AG Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RTÄhnlich schlecht sieht es bei Barry Callebaut aus, einem der weltgrößten Schokoladenproduzenten mit Sitz in Zürich: Auf den Corona-Absturz im Frühjahr folgte eine nur schwache Erholung. Im November verkündete das Unternehmen obendrein, seine Ausschüttung um vier Franken auf 22 Franken zu kürzen. Ein solcher Schritt ist in Krisenzeiten zwar oft richtig, verärgert aber Anleger, die die Aktie in erster Linie wegen der Dividende halten.

Nicht nur Schweizer Schoko-Firmen haben an der Pandemie zu knabbern. Auch die Aktie des US-Unternehmens Hershey, Produzent von KitKat und den berühmten Hershey’s-Schokoriegeln, war zuletzt kein Vergnügen für Anleger. Von ihrem März-Absturz hat sie sich noch längst nicht erholt, nicht einmal das Weihnachtsgeschäft ließ den Kurs steigen. Analysten bewerten die Aktie derzeit neutral mit „halten“, ebenso wie den Barry-Callebaut-Titel. Schlecht ist das nicht. Aber ein süßes Weihnachtsgeschenk sieht anders aus.